Vom Mut, neue Wege zu gehen

Umbau – Einzug – Los geht’s!

Im ersten Teil des Blogs habe ich viel über die Umbauten und die sich damit ergebenen Ereignisse berichtet. Nun haben wir das erste Quartal in den neuen Geschäftsräumen in der Neuen Glashütte in Steinkrug hinter uns gebracht und wie das im „normalen“ Leben so ist, passieren nicht mehr ganz so viel berichtenswerte Handwerker-Anekdoten. Auch die unvorhergesehen zu treffenden Sondermaßnahmen sind jetzt (hoffentlich) nicht mehr zu erwarten. Daher gab es auch eine kleine Blog-Pause von meiner Seite, die aber nicht bedeuten soll, dass ich hier jetzt nichts mehr schreibe. Schließlich war es zwar ein mutiger Schritt, die Firma und unser Leben in einem Industriedenkmal anzusiedeln, aber ob das, was wir uns von diesem Schritt erhoffen auch in Erfüllung gehen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen und bis dahin wird viel passieren, was es zu berichten gilt. Denn ob unser Projekt letztendlich zum Erfolg führt, lässt sich zwar planen, aber oft kommt es in der Realität anders als man denkt.

10.03.2019 1350 km bis Marseille

Man muss schon viel Fantasie habe, wenn man denkt, dass es jetzt langsam Frühling werden soll. Zwar sagt der offizielle Zeitmesser erst 14 Uhr, aber irgendwie ist es stock finster und es regnet in einer Tour. Ein Blick in die Wetterprognose ist alles andere als verheißungsvoll. Dauerregen in zweistelliger Millimeterhöhe. Das mag mir der Landwirt noch so plausibel machen wollen, dass der Boden diese Niederschlagsmengen nach der langen Trockenheit braucht, mir schlägt es aufs Gemüt. Letztendlich ist es ein Grund, warum ich nicht nach Island auswandern werden, auch wenn mich die Natur dort reizt, aber zu viel Dunkelheit macht nicht glücklich. 

Einziger Lichtblick auf der Wetterkarte heute: Marseille mit 19°. Familie Google meint 12 Stunden 44 Minuten für die 1350 km, was ich recht sportlich finden, wenn man mal das allgemeine Tempolimit in Frankreich berücksichtigt und die Tatsache, dass man keine 7 Stunden mit konstanten 130 über die Piste in Frankreich gleiten kann, weil man spätestens an der ersten Maut Station runter vom Gas muss. Der Gedanke eines Frühstücks in Marseille im Sonnenaufgang mit meiner Frau ist äußerst reizvoll, aber absolut utopisch. Ich werde auch grundsätzlich schwer aggressiv, wenn mir irgendjemand erzählen will, dass man ja als Selbstständiger tun und lassen kann was man will. Ich heiße nicht Grey und ich muss mich leider an meine Termine halten, sonst bin ich raus aus dem Geschäft und bemale Pappschilder für den Plastikbecher zum Geldsammeln.

Wir nehmen es mit Humor und einem Getränk, träumen von Marseille und versuchen das eBste aus dem Tag zu machen, um uns die Laune nicht verderben zu lassen. Ich kann auch gar nicht verstehen, dass meine erwachsenen Kinder ein wenig den Kopf schütteln als wir unser Schiffchen-Video posten.

Sehr zum Glück haben wir die warmen Tage Ende Februar sinnvoll genutzt – zumindest aus beruflicher Sicht. Zwar haben wir ja eine wunderbare Halle, in der wir schon viele, viele Fahrzeuge zu einem adretten Aussehen verholfen haben, aber es gibt doch Mobile, die nicht in unser Halle passen. Wie bestellt hatten wir aber absolutes Wetterglück, so dass wir den Auftrag für die Beschriftung von Wohnmobilen nicht ablehnen mussten und WoMos bei uns auf dem Hof beschriften konnten. Auch wenn es eine sehr sportliche Zeiteinteilung war, die uns das Wetter diktiert hat, haben wir es innerhalb von zweieinhalb Tagen geschafft mal eben drei große WoMos zu beschriften. Das Video zeigt Fahrzeug Nummer zwei und drei mit der fertiggestellten Schwarzform.

Wie man unschwer erkennen kann scheint beim Filmchen – sehr deutlich zu sehen – die SONNE! Beim Schreiben der letzten Zeilen schaue ich aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht.

05.03.2019 Wer hat an der Uhr gedreht

Schwupp ist schon sind zwei Monate des neuen Jahres vorbei. Die Zeit vergeht rasend schnell. Das neue Jahr begann glücklicher Weise besser als es geendet hat. Der Januar und Februar konnte sich durchaus sehen lassen und es zeigt sich wieder einmal das wir keine Regelmäßigkeit erkennen können, wann denn bitteschön unsere Hochsaison ist und wann nicht. Auch lässt sich überhaupt nich absehen, wie denn das Jahr so werden wird.

Einen kleinen Dämpfer gab es leider schon. Ein Messe-Einsatz in Frankfurt haben wir dieses Jahr nicht bekommen. Die neuen Layouts für den Stand sehen kaum Arbeiten vor, die für uns zu erledigen wären, geschweige denn eine Anfahrt nach Frankfurt rechtfertigen würden. Das passiert leider häufig und vor allem dann, wenn Kunden der Meinung sind, sein eingespieltes Team an Messebauern zu wechseln, um Geld zu sparen. Klar ist es richtig, hin und wieder mal neuen Wind in ein bestehendes Konstrukt zu bringen, aber leider wird zu oft nach dem Euro entschieden und nicht danach, ob sich Dinge bewährt und funktioniert haben. Nun hat der Kunde also einen neuen Messebauer in einem „Pitch“ auserkoren, der alles neu und natürlich viel günstiger macht.

Aber so ist das Geschäft und manchmal klappt es und manchmal schaut man in die Röhre. Dafür ergeben sich dann andere Aufträge, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Im Messebau verlieren wir grade einige Quadratmeter an Digitaldruck an die Kollegen die auf Stoff produzieren können. Viele Messebauer arbeiten derzeit nicht mehr mit Wänden, die vollflächig mit Folie beklebt werden – so wie wir das tun, sondern fertigen Wände mit einem Rahmensystem, in den große Stoffbahnen mit einer Kederschiene eingesteckt werden, die oft auch noch von der Rückseite hinterleuchtet werden. Das scheint wohl unterm Strich günstiger zu sein, sieht aber nicht immer besser aus, denn wenn ein Stoff nicht richtig gespannt ist, schlägt er Wellen und Falten und das sieht dann echt billig aus.

Auf dem Markt werden die „Stoffdruck-Maschinen“ grade wie sauer Bier angeboten. Aber diese Drucktechnologie noch bei uns mit in unser Programm mit aufzunehmen halte ich für unsinnig. Zum einen sind wir technologisch viel zu sehr hinten dran, soll heißen, dass die Stoffdrucker, die das jetzt schon ein paar Jahre machen, einfach ein Know-How besitzen, an das wir so schnell gar nicht heran kommen und zum andern reicht es einfach nicht aus, sich nur einen Sublimationsdrucker hin zustellen, denn mit zu diesem System gehört ein großer Rattenschwanz an Weiterverarbeitungs-Maschinerie, die locker den sechsstelligen Investitionsrahmen sprengen kann und dann reichen zwei, drei oder auch zehn Messe-Stände nicht aus, um diesen Maschinenpark zu amortisieren.

Ganz unabhängig davon halte ich die Technologie eines Sublimationsdruck für unausgereift. Zwar erzielt man mittlerweile optisch tolle Ergebnisse, aber der technische Aufwand und besonders der ökologische Aspekt sprechen klar dagegen. Beim Sublimationsdruck druckt man nämlich spiegelverkehrt auf ein spezielles Material, welches dann in einem zweiten Arbeitsschritt mit viel Wärme und Druck auf die eigentlichen Stoffbahn transferiert bzw. eingedampft wird. Und dies nahezu nur auf synthetische Stoffe.

Also letztendlich nicht anders als der T-Shirt Druck mit irgendwelchen Transferfolien und einer Menge Arbeitsschritte und anfallendem Abfall, um zum gewünschten Endprodukt zu kommen. Genau diesen Weg haben wir ja z.B. im T-Shirt-Druck-Bereich immer kritisiert und uns eine Technologie angeschafft, die den Stoff des T-Shirts halt direkt bedrucken kann – ohne Zwischenschritt und Müll. Im großen Format hat sich diese Technik aber noch nicht durchsetzen können.

Also unterm Strich ist das nicht unsere Kragenweite. Stutzig macht mich nur, dass wir in der Bar zwar auf Strohhalme aus Plastik verzichten sollen, weiterhin aber Kilometer PVC-Bedruckstoffe für 2 oder 5 Tage Messebau völlig in Ordnung gehen und dieses obwohl es schon seit Jahren eine PVC-frei Alternative auf dem Markt gibt. Diese ökologisch freundlicheren Materialien werden aber zeitnah mangels Nachfrage wieder vom Markt verschwinden, denn sie sind einfach ein paar Cent teuere und wer sparen will spart am Geld und nicht an Ressourcen. Der Bio-Boom ist halt in der Digitaldrucktechnik einfach noch nicht angekommen.

27.12.18 Grafisch geschädigt

Heute ist kein Feiertag mehr aber trotzdem frei – das muss Urlaub sein. Schöne Weihnachtstage haben wir verlebt und das sage ich nicht aus Heuchelei, sondern aus Überzeugung. Mit der Familie, sei es von meiner Seite aus oder von Seitens meiner Frau, gibt es eigentlich nicht viel zu meckern. Klar hat jeder so seine Macken – die haben wir ja auch – aber wenn an den Weihnachtstagen gemeinsam gelacht werden kann ist im großen und ganzen doch alles okay. Und ich kenne auch Familien wo das nicht so ist und man sich nicht mal mehr mit den Allerwertesten anschaut.

Zum Glück können wir uns alle ganz gut leiden und auch wenn es natürlich hin und wieder ein paar Spannungsfelder gibt, ist alles im grünen Bereich und keiner sagt eine einberufene Familienfeier ab. Das wir nicht immer alle einer Meinung sind, sollte irgendwie bei der Vielzahl von verschiedenen Menschen, die aufeinander treffen auch verständlich sein. Wir schaffen es aber trotzdem kultiviert miteinander umzugehen und uns nicht zu zerfleischen oder böse herum zu pöbeln. Somit also auch selbstredend, dass wir heute kurz vor Celle waren, um einen Besuch bei der Schwiegerfamilie meinerseits anzutreten.

Auch heute war es wieder ein schöner Nachmittag, der bis weit in den Abend reichte. Kaffee, lecker Kuchen und Feuerschale mit Grill für das Abendessen. Alles ungezwungen und ohne Tischordnung oder Etikette. So mag ich es und genau diese Stimmung schlägt auch auf die Anwesenden über und bereitet eine entspannte Feierlichkeit. Das ganze gepaart noch mit ein paar Kaltgetränken und ortstypischen Schnäpsen, rundet die Sache schön ab. Bis auf…

Bis auf die Tatsache, dass Getränke aus Halblitergebinden natürlich auch mal wieder den Körper verlassen möchten. Und genau hier kommt es zu einem Problem. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass es zu meinem Problem wird. Nicht, dass es in dem Haus in dem die Feierlichkeiten stattfinden keine Toilette gibt oder kein fließend Wasser. Es ist auch nicht so, dass ich ein Hygiene-Problem habe, in das Bad meiner Schwägerin zu gehen – ganz im Gegenteil, meine Schwägerin ist eine sehr ordentliche, reinliche Person, so dass ich eher ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir die ganze Bagage bei uns zu Besuch haben. Aber leider liegt es einzig und alleine an mir, dass ich das Bad nur sehr ungerne aufsuche. Der Grund: Ich bin ich einfach krankhaft manisch grafisch geschädigt.

Um es zu verdeutlichen, muss ich leider etwas tiefer in die Kiste der Vergangenheit greifen: Ich bin ein Kind der Emanzipations-Welle. Mir wurde verinnerlicht, dass sich Mann beim Pinkeln zu setzen hat und nicht im stehen mehr Urin in der Gegend verteilt als in der Schüssel landet. Ich will dieses Thema gar nicht weiter ausführen. Es ist, wie es ist. Aber Fakt ist: Ich setze mich bei pinkeln. Und genau hier entsteht das eigentliche Problem auf der Toilette meiner Schwägerin.

Wenn ich mich setze habe ich den direkten Blick auf das Rollo, welches vor dem Fenster hängt. Und dieses Rollo macht mich fertig. Ich rege mich jedes mal so darüber auf und werde aggressiv, dass ich an mich halten muss, um dieses Rollo nicht sofort aus der Verankerung zu reissen und feierlich mit lodernder Flamme im Garten zu vernichten.

Dieses Rollo hat einen Aufdruck, der mich typografisch beleidigt. Er treibt mich in den Wahnsinn vor grafischer Geschmacklosigkeit. Es lässt mich verbittern und verzweifeln. Es macht mich traurig und wütend. Es stellen sich hierbei zwei elementare Fragen in meinem Leben: wieso hänge ich so ein Rollo auf und die viel wichtigere Frage lautet: welcher Vollpfosten hat die Produktionsfreigabe für dieses Rollo, diese typografische Verfehlung gegeben?

Fast jeder Mensch würde einen Schreibfehler erkennen und ihn als störend empfinden. Ein typografischer Fehler scheint aber null und nichtig zu sein, was mir die Tränen in die Augen treibt.

Meine Frau schüttelt den Kopf, als ich diesen Text zur Korrektur vorlege und ehrlich gesagt: Ich weiß nicht so genau, was in dem Schnaps war, den mein Schwager mir angeboten hat, aber ich wünsche Euch allen einen Guten Rutsch ins neue Jahr und vielleicht ist ja jemand von meinen Blog-Lesern dabei, der mich versteht.

22.12.18 Baum-Schule

Es ist vollbracht. Die letzte Tat des heutigen Arbeitstages war eine kleine Autobeschriftung an einem verunfallten Flottenfahrzeugs eines Kunden aus Hameln. Nun gibt es noch eine kleine Bescherung in der Firma „aber erst Heilig Abend auspacken“ und dann ein paar freie Tage. Zumindest ist so der Plan. Ein wenig durchkreuzt wird dieser Plan nur durch die Tatsache, dass noch ein Weihnachtsgutschein für den Schwiegervater gestaltet werden muss – und raten wir mal wer das machen darf. Ist ja nur so ein bißchen was am Rechner runter tippern – schnell gemacht, sagen alle. Bis auf die Tatsache, dass es für mich natürlich nicht schnelle gemacht ist, denn zum einen dauert auch das schnell gemachte seine Zeit und ich habe auch ein kleines bisschen Ehrgeiz, dass es etwas besonderes sein soll und auch gut aussehen muss. Sonst könnte ich meine Frau ja auch in den Discounter schicken und für 3,99 eine fertig, lustig, bunte Gutscheinkarte kaufen lassen.

Also geht es vor Weihnachten doch noch an den Rechner. Und weil ich mich davor auch gerne noch ein paar Stunden drücke – ist ja noch lang hin bis zur Bescherung – gibt’s noch einen paar Worte vor dem Fest von mir zu lesen. Im übrigen wird meine Frau, wenn Sie diesen Text liest, die Augen verdrehen und mir sagen, dass sie mir schon von Wochen erzählt hat das sie diesen Gutschein braucht… Aber er wird ganz bestimmt rechtzeitig fertig werden – letzte Nacht ist mir da auch schon eine Idee gekommen…

Thema Wechsel: In meinem Blog habe ich schon mehrfach das Problem um den Kauf eines Weihnachtsbaums beschriebenen. Da ich nächstes Jahr ein halbes Jahrhundert werden, wäre es vielleicht mal an der Zeit selber einen Baum zu schlagen. Ist ja irgendwie so ein Männerding was man im Leben mal gemacht haben sollte. Ich bin mir zwar nicht im Klaren darüber, warum Mann das unbedingt tun sollte. Vor allem gibt es doch schon unzählig viele geschlagene Bäume, die nur für unseren seltsamen Brauch, einen Baum ins Wohnzimmer zu stellen, weit weg von uns in Skandinavien abgeholzt wurden. Sie wurden dann nur für und nach Deutschland gekarrt, nicht zu Letzt, um strahlende Kinderaugen vor dem funkelnden Baum zu sehen und um uns das Leben zu erleichtern. Somit erklärt sich mir gar nicht, warum ich mich körperlich in Hochleistung bringen und zugleich in hohe Unfallgefahr begeben soll, wo es doch das vorgefertigte Endprodukt einfach zu erwerben gibt.

Aber ab diesem Jahr wird alles anders. Findige Geschäftsleute bieten mittlerweile einen Weihnachtsbaum zur Miete an. Rent Your Tannenbaum. Inklusive Lieferservice und Abholung nach dem Fest. Geliefert im Kübel und somit ist das Bäumchen Wiederverwendbar und 100 % Nachhaltig. Eine geniale Idee und wie wir in einem Gespräch mit einem Tannenbaumverleiher erfahren haben, boomt das Geschäft so sehr, dass der gute Betreiber diese Mietservices nächsten Jahr eine Verzehnfachung seiner Mietexemplare plant und wir sprechen hier von einer vierstelligen Anzahl.

Also alles richtig gemacht und ich finde eine sehr prima Idee. Leider konnten wir uns kein Bäumchen mieten. Wir liegen nicht im Einzugsgebiet dieser Firma und was nutzt ein nachhaltiges Tannenbäumchen, wenn der Diesel nach Anlieferung 250 km mehr auf der Uhr hat. Das ist genau so absurd wie Bio-Äpfel aus Neuseeland oder Chile.

Trotzdem gab es für uns dieses Jahr ein Bäumchen mit Ballen im Kübel zur Mehrfachnutzung. Meine liebe Frau hat sich „Baum-Schlau“ gemacht – ist ja eine kleine Wissenschaft, aus was für Verhältnissen so ein Baum kommen muss, damit es auch über mehrere Jahre hin funktioniert – und nun akklimatisiert er sich über die nächsten Tag in verschiednen Kältezonen (wovon es in der Glashütte ausreichend gibt), um uns am Heiligen Abend zu erfreuen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.

12.12.18 Jahresrückblick

Ist schon Zeit für ein Jahresrückblick? Das machen ja irgendwie alle und manche Fernsehsender würden am liebsten im Oktober den ersten Rückblick senden, damit sie ja die ersten sind. Das ist schon fast so, wie mit den Weihnachtskeksen und Dominosteinen, die schon nach den Sommerferien ins Regal gepackt werden. Aber ich mache da jetzt mit und somit gebe ich jetzt auch meinen Senf dazu. Hier der ultimative Jahresrückblick 2018:

Am besten startet man so einen Rückblick mit einer Statistik. Also los geht’s: Im Durchschnitt haben die Deutschen 29 Tage Urlaub. Wir hatten dieses Jahr 10 Tage und damit schon deutlich mehr als letztes Jahr, wo wir grade mal auf 7 Tage kamen. So gesehen sind wir also auf einem guten Weg. Diese Jahr werden wir auch seit 10 Jahren das Büro zwischen Weihnachten und Neujahr schließen (daher halt auch mehr Urlaubstage in diesem Jahr). Allerdings gibt es den letzten Satz mit einem kleinen Sternchen für kleingedrucktes zu versehen. Für ein, zwei Kunden stehen wir in Bereitschaft, sollte doch noch was für Laden- oder Messebau fehlen. Aber alle arbeiten fleißig daran, das kein Sternchen in Anspruch genommen werden muss.

Unser Drei-Jahres-Urlaubs-Plan sieht aber für die kommenden Jahre eine deutliche Erhöhung der Freitage in der Chefetage vor. Es wird intensiv daran gearbeitet die freien Tage auch mal an einem Stück zu nehmen und nicht immer nur Tageweise.

Weiter geht’s: Natürlich darf auch das Thema Geld nicht fehlen. Ja, wir konnten unseren Umsatz im Vergleich zu 2017 steigern. Die Steigerung verhält sich zwar moderat im einstelligen Prozentbereich, aber die Richtung stimmt. Die Zielsetzung für nächsten Jahr ist klar: Wer will schon gerne weniger Umsatz machen.

Das Wetter muss auch mit in einen Jahresrückblick wobei es mir schwer fällt etwas negatives über den letzten Sommer zu sagen. Weil ich nichts zu meckern habe, gibt es ja glücklicher Weise die Landwirte, die das wie jedes Jahr übernehmen: Zu nass, zu trocken, zu hell, zu dunkel… zu wenig Subventionen…

Jetzt mal ein paar Zahlen. So was macht sich immer gut, auch wenn sie recht nichtssagend sind, wenn man es genauer betrachtet, aber sie gehören nun mal dazu:

Wir haben 920 Lieferscheine geschrieben, die oft über mehrere Seiten gingen und somit ein klares Zeichen dafür sind, dass wir zwar Recyclingpapier benutzen aber vom papierlosen Büro noch weit entfernt sind.

Des weiteren werden wir 105 Weihnachtskarten verschicken – Oldschool per Post – und diesmal lieber Geld an die „Herzenswünsche“ spenden als bestickte Handtücher oder Drei-Monats-Kalender zu verschenken.

20 Kilogramm Kaffee – natürlich fair Trade – wurden in unzähligen Morgen-, Mittags- und Abschlussbesprechungen konsumiert.

Weitere 20 Liter Alkohol wurden verbraucht. Nein nicht zum Mischen und Trinken, sondern zum Reinigen (Aufgrund der gestiegenen Umsatzzahlen s.o besteht nicht die Notwendigkeit mit Isopropanol-Alkohol Rauschzustände zu erwirken).

Unsere Internetleitung schafft immer noch nicht mehr als 16 Mbit/s, soll aber bis 2019 ausgebaut werden. Es wird auch schon fleißig gebuddelt, was zur Folge hatte, dass die Nachbarn von 5 a bis e eine Woche gar kein Netz hatten. Kaum auszudenken, was das bei uns im Büro für Folgen gehabt hätte.

Zum Abschluss darf eine besondere Person in einem Jahresrückblick auch nicht fehlen. Da ich ja grade den Posten des Moderators in unserer Das-war-2018-Show übernehmen, kann ich mich ja schlecht selbst ehren oder besonders hervorheben, auch wenn ich ganz bestimmt auch mal eine Krone oder Medaille verdient hätte. Vielleicht nächsten Jahr. Diese Jahr geht mein ganz besonderer Dank an: Meine Frau. Sie erträgt mich und das Büro. Chaos und Tohuwabohu, Planlosigkeit und Gewurstel. Respekt und Danke, dass sie es immer noch mit mir aushält.

Bei allen Zahlen und Fakten sollten wir aber diese nicht vergessen: Wir sind gesund geblieben. Gut ein paar altersbedingte Zipperlein aber unterm Strich geht es uns gut. Wir haben ein Dach über dem Kopf (sogar ein neues) und wir leben in Frieden sogar mit unseren Nachbarn. Wir dürfen uns frei bewegen, auch wenn es mit unseren Dieselfahrzeugen etwas schwieriger wird und ich darf meine Meinung frei äußern auch wenn es mir Sorge bereitet, dass es Menschen in unserem Land gibt die versuchen dieses einzuschränken.

Ich wünsche allen eine frohe Weihnacht und – wenn wir nichts mehr voneinander hören, schließlich habe ich ja Urlaub – ein guten Rutsch ins neue Jahr.

Fast vergessen. Paar schöne Schnappschüsse aus 2018 dürfen nicht fehlen.

 

 

25.11.18 Freizeitbeschäftigung

Nach einer guten Arbeitswoche der Dachdecker sind die ersten Pfannen auf dem Dach. Neue Dachfenster sind alle eingebaut und es geht jeden Tag sichtbar voran. Ich habe zwar munkeln hören, dass es ein paar nicht unwesentlichen Probleme mit der Kehle am Dach gibt, aber da halte ich mir mal lieber die Ohren zu.
Meine liebe Frau hat den Samstag – das Wetter lädt ja nun gar nicht mehr dazu ein, etwas draußen zu machen – dazu genutzt unserem PKW ein neues Outfit zu verpassen. Ist zwar nicht so, dass sie keine anderen Hobbys hat, aber gestern war sie ausgesprochen verklebungswütig und hat mal eben das Auto foliert.
Ist sehr schick geworden und reiht sich jetzt in den „Fuhrpark“ mit ein, denn der Transporter hat dieses Outfit ja schon im Zuge des letzten Verklebelehrgangs (ich berichtete) erhalten. Nun haben sie Partnerlook.

Unsere Halle haben wir auch ein wenig aufgepimmt. Es gab eine neue kleine Sitzecke im Retro-Styl, die wir jetzt für unsere Tagesbesprechungen oder wie das bei uns ja so schön heißt: Meetings nutzen. Kommunikation ist ja bekanntlich ausgesprochen wichtig und diese ist in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen. Zwar haben wir uns auch abgesprochen und ich habe die laufenden Aufträge vergeben, aber dies geschah immer nur zwischen Tür und Angel. Nun nehmen wir uns ein mal am Tag etwas mehr Zeit, um Aufträge intensiver zu besprechen und mehr Struktur in die ganze Auftragsabwicklung zu bekommen. Geplant war das eigentlich schon mit Einzug in die Glashütte, aber aus welchem Grund auch immer, wurde das nicht so umgesetzt.
Eigentlich würde ich gerne auch noch in ein neues Folien-Regal-Lager investieren aber November bis Januar sind ja erfahrungsgemäß nicht die fettesten Monate (wobei Ausnahmen die Regel bestätigen, denn wir auch schon mal im Januar den umsatzstärksten Monat des Jahres) und das Budget ist verbraucht. Ende das Jahres laufen die ganzen Versicherungs-Rechnungen auf und auch die Lizenzen der Grafiksoftware der großen Monster-Software-Krake, der wir uns alle zwangsweise unterwerfen mussten, hat ja mal eben ordentlich die Abo-Preise um 20% erhöht. Sowas kann man halt machen, wenn man alle Software-Konkurenten aufkauft und deren Produkte sterben lässt, um nur noch seine eigenen Entwicklungen am Markt zu haben.
Aber bevor ich mit aufrege machen wir jetzt erst mal einen schönen depressiven Nebelspaziergang durch den Wald. Dann können wir uns wenigsten auf das warme Kaminfeuer wieder freuen.

17.11.18 Dachschaden

Noch keine zwei Jahre sind vergangen und schon steht der Hof wieder voll mit Handwerker-Fahrzeugen. Das Dach der Betriebsleiterwohnung wird neu eingedeckt. Von der Substanz gesehen war das ganz sicher auch schon vor zwei Jahren fällig gewesen, aber leider wurde diese Baumaßnahme nicht vor unserem Einzug vollzogen. Wie so oft muss halt immer erst was passieren, um anzuzeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Die Wasserflecken an der frisch renovierten Decke machten es mehr als deutlich, dass es höchste Eisenbahn ist, am Dach etwas zu tun und irgendwann hilft flicken und ausbessern einfach nicht mehr.
Dass unser Vermieter nun das Dach sanieren wollte, wurde uns schon im Frühjahr mitgeteilt und wir hatten schon Sorge, dass wir in der schönsten Zeit des Jahres mit Lärm und Dreck und vielen Handwerkern im Garten verbringen sollten. Es tat sich aber im Frühjahr gar nichts und auch den gesamten – außergewöhnlichen langen – Sommer gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass das Dach gedeckt werden sollte. Eine Nachfrage im September brachte dann zumindest die Klarheit, dass es auf jeden Fall dieses Jahr noch über die Bühne gehen sollte, dass der Auftrag an den Dachdecker erteilt sei und dieser sich dann mit uns in Verbindung setzte würde.

Das tat er dann letzten Donnerstag auch. Recht spontan wie wir fanden. In einem kurzen Anruf wollte man uns mitteilen, dass der Gerüstbauer in einer Stunde bei uns vor der Haustür steht und es dann mit den Arbeiten los geht.

Eine Stunde Vorlaufzeit für ein Bauprojekt was mehrere Wochen dauert? Ja seid ihr denn noch ganz klar? Wir sprechen ja hier nicht von einer kaputten Dachrinne, sondern davon, dass das komplette Dachgeschoss für einige Zeit nicht bewohnbar ist. Dass der Kunden- und Mitarbeiter-Parkplatz nur eingeschränkt nutzbar ist, weil Platzbedarf für einen Kran, Material, Toilette etc. besteht.

Also, ich glaube nicht, dass man soviel Spontanität von uns erwarten kann und auch von niemanden erwarten darf und dass man sich sowas Unorganisiertes gefallen lassen muss. Wir sind froh ein neues Dach zu bekommen und wir sind auch echt zu allen Einschränkungen bereit – keine Frage. Aber nicht innerhalb von 60 Minuten.

Somit musste dann auch der Gerüstbauer umkehren und die Dachdecker anderswo ihre Stunden abreißen. Wir haben immerhin das Wochenende Zeit bekommen, alles ein wenig vorzubereiten. Uns wichtige, neue Anpflanzungen zu schützen, die Blumenkübel in das Winterlager zu kutschieren und rund um das Gebäude alles so herzurichten, dass möglichst wenig zu Schaden kommt. Nicht zu letzt das Obergeschoss zu „evakuieren“.

Nun wird also seit ein paar Tagen kräftig gewerkelt. Auch wenn es am Anfang sehr unorganisiert war, die Handwerker, die sich jetzt mit dem Dach befassen sind freundlich, ordentlich und zügig bei der Sache. Somit ist der anfängliche Ärger verflogen und wir hoffen, dass der ganze Rummel in 14 Tagen erledigt ist. Es kommt dann ja auch schließlich diese Zeit von Ruhe und Besinnung im Weihnachtswahn.

10.11.18 Und Action

Letzte Woche waren Filmaufnahmen in der Glashütte. Also alles schön aufgeräumt und dann „Ruhe Bitte“. Klingt allerdings spektakulärer als es in Wirklichkeit war. Die Neue Glashütte wurde für einige Interviews mit Verwalter und Heimatverein im Zuge von Filmaufnahmen für eine Abschlussprüfung genutzt. Somit galt für uns an zweit Tagen etwas eingeschränktere Produktion, da wir natürlich während der Dreharbeiten nicht mal eben die Drucker oder sogar den lauten Schneideplotter laufen lassen konnten. Lief aber alles sehr reibungslos über die Bühne und es ist immer wieder interessant, wieviel Zeit und Aufwand es bedeutet ein kurzen Film zu drehen. Das Material aus den 2 x 4 Stunden Drehzeit (an zwei Tagen) wird im Endeffekt auf grade mal drei Minuten zurecht geschnitten.
Wenn man mal überlegt, was für die drei Minuten an Aufwand betrieben werden muss, weiss man auch warum Filmaufnahmen immer etwas teuerer sind. Also vorausgesetzt man möchte eine Qualität haben, die nicht nach Handyvideo aussieht. Kameramann (in diesem Fall Kamerafrau), jemanden für den Ton und dann noch einer, der sich um das Licht kümmert und natürlich bei Interviews nicht zu verachten der redaktionelle Teil. Danach noch 8 Stunden Drehmaterial sichten, schneiden und zusammenfügen, mit Musik unterlegen und und und.
Also schon richtig viel Arbeit – vor allem Arbeit, die keiner sieht. Der Laie fragt sich dann schon, warum die Produktion eines 20 Sekunden Werbeclips oder Imagefilmchens mal eben in den deutlichen fünfstelligen Bereich geht. Aber wenn man mal gesehen hat, was dahinter steckt, kann man das gut verstehen.
Wir sind auf jeden Fall mal auf das Ergebnis gespannt und wünschen Bestnoten für diese Arbeit.

04.11.2018 Blickwinkel 2

Diesmal aber perspektivisch. Ein Messe-Aufbauer hat uns freundlicher Weise mal ein Video geschickt. Es zeigt ein Arbeitsstück, welches wir in der Werkstatt des Messebauers vorab gefertigt haben. Es ist immer schön, wenn man die zusammengefügten Bauteile dann auch mal im aufgebauten Stadium zu sehen bekommt.
Es war einer dieser Aufträge, der von uns mal wieder sehr viel Spontanität und Zeitmanagement in Anspruch genommen hat. Bei der Konstruktion dieser Wand, hat sich niemand darüber Gedanken gemacht, dass die Beklebung wahnsinnig zeitaufwändig ist und auch eine Menge an Material erforderte. Somit geriet das ganzen Projekt ordentlich unter Zeitdruck, was sicherlich vermeidbar gewesen wären, wenn man in Vorfeld einfach mal miteinander gesprochen hätte.
Und wenn mir während der Produktion schon ein paar unflätige Worte über die Lippen rutschen, dann ist schon immer aller höchste Stress-Stufe. Hier hat sich mal wieder die starke Zusammenarbeit zwischen mir und meiner Frau ausgezahlt, die mir bei der Montage geholfen hat. Wir sind einfach ein super eingespieltes Montage-Team.
Letztendlich ist es aber so gelaufen wie es sein soll: Wir haben den Job geschafft, der Messebauer hat pünktlich aufgebaut und Architekt sowie Endkunde waren hoch zufrieden. Dass das ganze vom Chaos begleitet war, hat der Kunde ja nicht gemerkt – und das ist auch gut so. Durchatmen, abhaken, aber nächstes Mal besser machen.

27.10.18 Blickwinkel verändern

Wie angekündigt wollte ich ja noch was zur IAA Nutzfahrzeuge berichten. Wir waren erstmalig auf der Nutzfahrzeugmesse gebucht und das dann sogar auf zwei Ständen gleichzeitig. Das hat uns sehr gefreut, auch wenn ich mit der Thematik Auto nicht wirklich viel anfangen kann. Ich setzte voraus, dass mein Auto fährt und wenn es bezahlt ist freue ich mich. Mehr Leidenschaft kann ich in diese Richtung leider nicht entwickeln.

So wahnsinnig viel gibt es über die Messe auch nicht zu berichten. Die großen Autobauer haben Ihre komplett gemieteten Hallen von aussen komplett schwarz folieren lassen, so dass auch keiner nur einen Blick erhaschen kann und auf die Idee kommt könnte, zu sehen, dass man eigentlich nichts neues entwickelt hat und stumpf den Weg der Sackgasse weiter ausbaut. Auch wenn die Fachpresse das natürlich anders sieht, ist die Technologie von E-Fahrzeugen nun einfach nichts Neues mehr auf unserer Welt. Zum einen sind die deutschen Automobilkonzerne sowieso an aller letzter Stelle zu finden und zum Anderen ist die E-Technologie in meinen Augen eh eine Totgeburt, aus der noch versucht wird, satten Profit zu generieren. Nicht zu letzt aus Imagegründen wird promotet was das Zeug hält, aber eine technische Meisterleistung ist die E-Technik leider nicht und auf das weltweite Fahrzeuggeschehen eh nicht anzuwenden und somit zum scheitern verurteilt.

Das Bild, das für Fahrradfahrer auf den Gehwegen Brücken gebaut werden müssen, damit aus dem 12 Stockwerk des Hochhauses alle Fahrzeuge an der Straße mit Strom versorgt werden können, dessen Kabel dann auf den Bürgersteigen liegen, lässt eher einen Schildbürgerstreich vermuten oder einfach die Tatsache, dass Klimawandel dann doch nur für Besserverdiener und Eingenheimbesitzer relevant ist und nicht für die Masse.

Langer Vortext aber eigentlich gar nicht der Punkt auf den ich kommen wollte und der mich eigentlich zu diesem Blog-Eintrag motiviert hat. Um es zu erklären muss ich aber doch ein wenig ausholen, aber ich verspreche, nicht wieder abzuschweifen und über weltverbessernde Themen zu philosophieren.

Wie auch schon im letzten Jahr (ich hatte berichtet) haben wir im September diesen Jahres wieder die Tore der Glashütte für einen Verklebe-Lehrgang für Fahrzeug-Vollfolierungen geöffnet. Unser Lieferant, die Firma Farben Frikell aus Braunschweig (und ich schreibe hier ganz bewusst den Firmennamen, denn ich bin der Meinung, dass man das bei netten, kompetenten Lieferanten ruhig machen kann) hat die organisatorischen Dingen übernommen und wir den Kaffee und die schöne Glashütten-Halle zur Verfügung gestellt. Als Seminar-Leiter konnte wieder Robin Bös verpflichtet werden und somit war klar, dass wir zwischen viel lehrreichen Sequenzen auch eine Menge Spaß haben würden. Robin (wer mal sehen möchte, was der Kerl so macht, hier der Link auf seine Internetseite: www.robinboes.com ) hat mir aber bei diesem Lehrgang ein wenig die Augen geöffnet und dass nicht mit der Technik wie er ein Auto mit Folie beklebt, sondern mit einer kleinen Lebensweisheit aus dem Bereich der Arbeitsqualität. Dazu muss man wissen, dass Robin genau wie ich auch, sehr pedantisch an die Aufträge herangeht, die einem erteilt werden. Klar, man will immer das Beste geben und korrekte Arbeit abgeben. Das es aber manchmal einfach Dinge gibt, die es zulassen, es mit der Genauigkeit etwas großzügiger zu sehen und trotzdem zu einem guten Ergebnis zu gelangen, muss man als Pedant einfach lernen.

Dass er damit sowas von Recht hat, ist mir umgehend nach dem Lehrgang auf der IAA klar geworden. Ja, es ist mein Ziel, immer gute und exakte Arbeit abzuliefern. Aber man muss dafür seine eigenen Ansprüche einfach mal an die Kunden anpassen. Um das zu verstehen ein kleines Beispiel: bei der Folierung von Fahrzeugen gibt es sehr knifflige Stellen (Türgriffe zum Beispiel). An diesen Bauteilen kann ich unendlich viel Zeit verbringen, um die Folie in einem Stück zu verkleben. Viel einfacher ist es aber, wenn man an geeigneter Stelle einen Cut vollzieht. Das widerstrebt natürlich dem Ehrgeiz eines Profis, ist aber für den Endkunden nicht zu sehen und tut dem ganzen Erscheinungsbild keinen Abbruch. Klar, ein Experte würde diese Schnittstelle sehen, weil er danach sucht. Der Kunde aber nicht, weil er vom gesamten Ergebnis überzeugt ist. und es tut der Sache keinen Schaden an, es hat keinen Einfluss auf die Haltbarkeit und auch auf das Aussehen, reiner Ehrgeiz halt.

Und damit zum Kernpunkt: Warum muss ich es mir – nur für mein eigenes Ego – schwer machen, wenn es auch viel einfacher und schneller gehen kann und zu einem akzeptablen Ergebnis führt?

Zurück zu dem Messestand, den wir bekleben sollten. Unsere Aufgabe war es, eine Wand in S-Form (also mit Außen- und Innenwölbung) zu bekleben. Ungefähr 15 Meter lang und rund 1,70 Meter hoch mit einem durchgehenden Motiv und das ganze in 4,50 Meter Höhe auf einem Gerüst. So etwas geht natürlich nicht aus einem Stück, sondern wird in mehreren Bahnen aneinander geklebt, ähnlich wie bei einer Tapete. Nur passen muss es natürlich, was hierbei die Schwierigkeit ist.

Bei diesen Konstruktionen kommt es – besonders beim Messebau – vor, dass nicht alles auf den Millimeter genau gebaut werden kann. Somit kann es dann grade nach einer Wölbung in der Wand dazu kommen, dass der passgenau gedruckte Digitaldruck nicht mehr optimal an das Folgestück passt. Man sieht sowas auch recht häufig bei großen Plakatwänden, die an den Straßen stehen. Diese werden auch aus mehrteiligen Papierstücken zusammengekleistert. Oft sieht man dort einen Versatz, dass die Einzelteile nicht korrekt aneinander passen. Bei Plakatwänden fällt das nicht jedem so auf, weil sie oft an der Straße stehen und man nur schnell mit dem E-Auto (sorry) vorbeifährt. Bei so einen Messestand, der ja zum Großteil auch dafür gebaut wird um visuell zu wirken, muss da schon wesentlich genauer geklebt werden.

Um es nicht in die Länge zu ziehen: Wir haben es nicht hinbekommen, die vierte Druckbahn nach einer Wölbung passgenau anzufügen. Und es lag einzig und alleine daran, dass ich zu genau sein wollte. Wir hatten im Motiv einen Versatz von ca. 1 Millimeter. Was man, wenn man direkt davor steht natürlich sieht, wenn man aber aus 4,50 Entfernung in die Höhe schaut, nicht wirklich wahr nimmt. Das weiß ich jetzt natürlich auch, aber in dem Moment, als wir diese Bahn geklebt haben, war mein falscher Ehrgeiz zu groß, dass wir uns einen Wolf an der Bahn geklebt haben, um es passig zu bekommen. Wir haben rund 1 ½ Stunden dafür gebraucht, wofür wir sonst nur 25 Minuten benötigen. Völlig überflüssig.

Glücklicher Weise zog sich die Montage geplant über mehrer Tage. Somit hatten wir Zeit, uns nach Feierabend noch mal Gedanken zu machen, wie wir es besser machen können. Zum Glück fiel mir dann Robin ein und die Aussage, das ganze mal mit einem gewissen Abstand zu betrachten und vielleicht aus „exakt“ auch nur mal „genau und ordentlich“ zu machen.

Und so haben wir es dann auch getan. Wir haben natürlich sauber gearbeitet, aber uns nicht an Klitzekleinigkeiten aufgehalten, sondern haben uns, wenn wir uns nicht sicher waren ein Bild vom Standpunkt des Betrachters gemacht. Das hat uns zwar zeitweise mal 5 Minuten mehr Zeit gekostet, weil man erst vom Gerüst herunterklettern musste. Aber was sind diese 5 Minuten gegen 1 ½ Stunden Mehrzeit bei der Montage.

Letztendlich haben wir so unsere Ziele erreicht: Fertigstellung in angebotener Montagezeit zum vorgesehenen Zeitpunkt zu den angebotenen Kosten. Der Auftraggeber war zufrieden und der Chef des 7 Mrd Euro Unternehmens war begeistert. Was wollen wir mehr.

Nicht das wir uns falsch verstehen. Gepfuscht wird nicht. Wer pfuscht kann es nicht und sollte es sein lassen! Aber man darf die Arbeit optimieren, wenn das Ergebnis stimmt.