05.09.16 Die Halle

Bei einer Halle von 450 qm mit einer Deckenhöhe von geschätzt 20 Meter war mir natürlich von Anfang an klar, dass hier eine Lösung gefunden werden muss, damit die Halle auch als Büro, benutzt werden kann. Die Dachfläche mal eben mit einer Dämmung zu versehen war finanziell gar nicht darstellbar und außerdem blieb das Problem, einen solchen Raum annähernd temperiert zu bekommen, dass es als Arbeitsraum nutzbar war.

In einer ersten Planung hatte ich eigentlich geplant die Decke abzuhängen und einzelne, große Glasflächen zu integrieren, damit man den Blick auf die imposante Dachstuhlkonstruktion trotz eingezogener Decke bestaunen konnte. Geschickt ausgeleuchtet, hätte das sicherlich gewaltig ausgesehen. Aber wie eben schon erwähnt: Hätte. Der Architekt und auch die Eigentümer waren von den Kosten, die die Extra-Konstruktion mit sich gebracht hätte nicht so überzeugt, wenn auch die Idee gut ankam. Allein aber aus statischen Gründen, und die Statik erwies sich eh noch als Problem, war die Idee mit dem Glas vom Tisch.

Im Hinterkopf war die Glasscheiben Idee eigentlich auch noch als Leckerli für den Denkmalschutz gedacht. Aber was die Deckenkonstruktion angeht, war dies gar nicht nötig. Außerdem muss ich mal erwähnen, dass wir mit dem Denkmalschutz die wenigsten Probleme bei der Planung hatten, was sicherlich auch daran lag, dass der Architekt vom ersten Planungsschritt an das Denkmalschutzamt mit einbezogen hat und so konstruktiv zusammengearbeitet wurde und nicht Architekt und Denkmalschützer bockig auf den jeweiligen Standpunkten verharrten.

Hier ein paar Bilder von der Decke und dem Baufortschritt. Leider ist die Qualität nicht so berauschend. Da ich ja mein Handy grundsätzlich nach Neukauf mit einer Spider-App versehe, darf ich jetzt nur noch ein altes Handy benutzen. Die Kamera ist leider grottig schlecht, was ich mir auch schon als Rüffel von meiner Tochter zugetragen wurde. „Papa, dass geht gar nicht.“ Also die nächsten Fotos, mache ich mit einer „richtigen“ Kamera.

 

04.09.2016 – Ein eigenes Büro

Wir haben eine Halle von rund 450 qm. Ganz schön groß im Vergleich zu den knapp 100 qm auf dem sich das Büro derzeit befindet. Aber ich freue mich schon darauf, dass die „Chefetage“ (meine Frau und ich) ein eigenes Büro bekommen, die Produktion einen separaten, großzügigen Teil der Halle und der DTP-Bereich seine eigenen vier Wände erhält. Für alle die nichts mit Grafik zu tun haben: Der DTP-Bereich ist bei uns der Teil im Büro, wo Menschen stumm vor große Bildschirmen kauern, viel Kaffee trinken und auf eine vermeintlich zündende Idee warten, die die Werbewelt revolutioniert.

Dass ich ein eigenes Büro bekommen werde, ist natürlich im Vergleich zu früher der Luxus pur. Keine kreischenden Maschinen während man Kundengespräche am Telefon abwickelt. Ein Ort, an dem man Firmengeschicke, Finanzen oder Probleme bereden kann, ohne dass alle Mitarbeiter zuhören können oder man flüstern muss oder gar im Radius von zwei gegenüber liegenden Schreibtischen Mails schreibt, damit es halt nicht jeder mitkriegt. Ein Stück Firmenprivatsphäre, die m.E. genau so wichtig ist, wie die Kommunikation zwischen allen, die in der Firma arbeiten.

Mein persönliches Problem sehe ich allerdings darin, dass ich bislang natürlich auch alles mitkriege, was meine Mitarbeiter so machen. Mit welchen Kunden sie telefonieren, was arbeitstechnisch grade abgewickelt wird, worum sich mal wieder der Kopf zerbrochen wird oder wo ich helfend einschreiten muss, damit der Liefertermin zu halten ist. Alles Dinge, die bisweilen sowohl für mich als auch für die Mitarbeiter selbstverständlich waren.

Bei der Größen und der Unterteilung des neuen Büros, werden ganz andere Laufwege aber auch Kommunikationsweg nötig sein. Es wird kein Zurufen geben „Frau Soundso machen Sie doch mal eben“, aber die Hemmschwelle für jedes kleine, eigentlich selbst zu lösende Problem, den Chef zu fragen wird auch viel größer und fördert – hoffentlich – das selbstständig Arbeiten und das Treffen und Verantworten von getroffenen Entscheidungen.

Mal sehen ob das so klapp. Und das meine ich jetzt nicht nur von Mitarbeiterseite aus. Auch ich muss mich ganz klar in meiner unorganisierten Arbeitsweise verändern, was mir ganz bestimmt sehr schwer fallen wird. Aber zum Glück habe ich ja meine Frau an der Seite, die ja eine Eins mit Sternchen in „Organisationstalentismus“ hat. Die wird mir da sicherlich helfen, auch wenn die Hilfe so ausfallen könnte, dass man sehr kontrovers diskutiert, um es harmlos auszudrücken. Was im neuen Büro aber auch endlich möglich ist, ohne dass die Mitarbeiter gleich denken, dass der große Ehestreit zwischen Chef und Chefin im Gang ist.

Hier habe ich mal ein paar Zeichnung zusammengestellt um mal bildlich darzustellen, wie wir jetzt grade noch arbeiten und wie es in Zukunft aussehen wird:

02.09.16 Das Konzept und die Folge

Nach den vielen Rückschlägen, die wir mit unseren Expansionsplänen in den letzten Monaten erlitten hatten, gab es eine gewisse Grundskepsis. Frei nach dem Motto: zu schön um wahr zu sein, kümmerte ich mit zusammen mit meiner Frau sowohl um die Umsetzung eines eventuellen Neubaus als auch um die weitere Immobiliensuche. Aber siehe da, mein Konzept für die Glashütte schien verhandlungswürdig, denn eine Einladung vom Verwalter zu einem Gespräch mit der Eigentümerschaft ließ nicht lange auf sich warten. Die Einladung ging aufs Rittergut zum hochoffiziellen Vorstellungsgespräch.

Wir hatten ein Konzept vorgelegt, was sich sehen lassen konnte. Wir hatten den Rückhalt auf der finanziellen Seite durch solide zusammengestellte Zahlen meines Steuerberaters und wir hatten uns, die wir eine Vision im Kopf hatten, die uns nicht schwer fiel sie darzustellen, weil sie ehrlich und leidenschaftlich war. Das half auch über die Tatsache des legeren Auftretens unsererseits in Jeans und mit Dreads hinweg.

Auch wenn unsere Ungeduld täglich größer wurde, behielten wir die Nerven und rund einen Monat nach dem besagten Vorstellungstermin kam die Nachricht, dass tatsächlich eine Architekt beauftragt wurde, um mein laienhaftes Sanierungs- und Nutzungskonzept zu prüfen und über Realisierbarkeit zu recherchieren.

Und siehe da, das Puzzle setzte sich langsam zusammen. In weiteren Gesprächen verhandelten wir hart aber fair um Konditionen und Baumaßnahmen und erstellten einen Vorvertrag für die Miete der Glashütte und somit setzte sich die Maschinerie der Bürokratie in Bewegung. Es sollte nun wirklich losgehen.

31.08.2016

Wer glaubt schon an Liebe auf den ersten Blick? Auch wieder ein Thema, mit dem man einen ganzen Blog füllen könnte. Bei dem Besichtigungstermin der Glashütte war es aber um meine Frau und mich geschehen. Nach schon nur 5 Minuten in der imposanten Halle war mein Hirn voll mit Ideen und Bildern, wie es hier mal aussehen könnte und auch in der dazugehörigen Betriebsleiterwohnung erging es uns nicht anders.

Als ich telefonisch den Termin zur Begehung mit dem Verwalter besprach, war ich anfangs schon sehr skeptisch. Wie auch bei den anderen Objekten die wir zuvor besichtigt hatten, musste am Telefon natürlich erst mal kurz von meiner Seite erklärt werden, was wir denn mit dem Objekt vor hätten und welche Art von Gewerbe wir betreiben würden. Das Wort Werbeagentur für meine Firma zu nutzen fällt mir immer etwas schwer (werde ich sicherlich später im Blog noch mal näher beschreiben) aber bevor ich meinem zeitlich gestressten Gegenüber am Telefon erkläre, was wir wirklich so alles machen, musste das Wort als Kurzbeschreibung herhalten. Einem Verwalter, Vermieter oder auch Immobilienmakler innerhalb eines kurzen Telefonats davon zu überzeugen, dass man der richtige Partner für das Mietobjekt ist, gleicht schon etwas einer Telefonakquise mit einem Neukunden. Bloss nichts falsches sagen, sonst ist man raus.

Grade beim ersten Treffen im Objekt Glashütte war ich schon recht nervös. Die Tatsache, dass das Objekt wirklich noch frei war, wir recht zügig einen Besichtigungstermin bekamen und das Wort Werbeagentur scheinbar nicht ein sofortige Abwinken des Verwalters nach sich zog, überraschte mich ein wenig, aber im positiven Sinne.

Es war bitterkalt am Tag des ersten Treffens auf der Glashütte, was den Besichtigungstermin zeitlich etwas einschränkte aber trotzdem ausreichte, sich ein Bild vom Ganzen zu machen. Aber es brauchte nur zwei Tage nach dem Vor-Ort-Termin und ich hatte ein 20seitiges Nutzungskonzept, einen Finanzierungsplan und natürlich einen Plan für die Raumaufteilung erstellt. So sehr hatte mich das Glashüttenfieber gepackt und mit meiner Frau an der Seite, die genau wie ich Feuer und Flamme war, träumten wir schon mal von der „Ideen zur Umsetzung für ein langfristiges Mietobjekt zum Leben, Arbeiten und Genießen“, so der Titel meines Konzeptes, welches als Art Bewerbungsschreiben im Briefkasten des Verwalters landete.

30.08.2016

 

Nach einem Jahr der Suche und der gestern berichteten Misserfolge musste ein Plan B her, der endlich die Expansion der Firma vorantreiben sollte. Tag für Tag standen wir uns weiter im Büro auf den Füßen und blockierten gegenseitig einen reibungslosen Arbeitsablauf und immer noch keine Lösung in Sicht. Keine wirkliche Perspektive die Firma zu vergrößern. Einen neuen leistungsfähigeren Maschinenpark in Betrieb zu nehmen. Sich nicht ständig darauf zu konzentrieren, wie, wer, wann, welche Arbeiten verrichten kann ohne dabei jemand anderen in die Quere zu kommen.

Plan B bestand in einer Lösung, die mir eigentlich nicht so sehr behagte: Neubau. Trotzdem dauerte es nur zwei oder drei Nächte und mein Gebäude für eine Büro-Produktions-Agentur war geboren. Oder wie der Architekt den wir später zur Beratung mir hinzuzogen titulierte: „Neubau eines Grafikcenters“. Der Grund, warum ich relativ schnell einen guten Plan für den Neubau hatte, der selbst bei einem Architekten auf große Zustimmung stieß, lag eher in einen Zufall begründete. Nur wenige Wochen vor der Planung besuchte ich eine Vortrag von Erik Spiekermann. Vielleicht ist der Name nicht jedem geläufig, aber hundertprozentig hat jeder, der im grafischen Bereich tätig ist, schon mal mit einer Schrift von Erik Spiekermann gearbeitet. Neben der Tatsache, dass der gute Herr Spiekermann ein begnadeter Typograph und Gestalter ist, kann er auch hervorragende Vorträge halten und hat ein tolles Konzept für die kreative Büroplanung entwickelt. Hier konnte ich also für meinen Entwurf viele Dinge beherzigen,die ich im Vorfeld vielleicht nicht bedacht hätte. Ganz speziell ging es auch um die Arbeitsweise von kreativen Köpfen, die nicht so wie auch ich es gewohnt war, immer den Schreibtisch als Arbeitsort suchen, sondern dank mobiler Technik eben so gut auf einem kuscheligen Sofa oder in der lauschigen Küche zu guten Arbeitsergebnissen kommen können.  Jeder der mal ein Büro plant, sollte sich dahin gehend mal etwas schlauer machen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Unterm Strich und um es kurz zu halten, hatte ich zwar ein geniales Grafikcenter auf dem Papier, aber die Umsetzung scheitert nicht zu letzt an den Kosten, die relativ schnell von Planungsschritt zu Planungsschritt in die Höhe schnellten und ich dann rechtzeitig die Notbremse zog.

Somit war es eher der Frust, als die intensive Suche, die mich wiedermal ins Netz trieb und somit auf das Gewerbeportal der Region Hannover brachte. Nicht unbedingt eine Seite, die man auf anhiebt findet, bzw. auch nicht grade zum stöbern verleitet. Und auch aus dem Eintrag war nicht ersichtlich, ob es sich um eine vergessene Netzleiche handelte oder doch noch aktuell war. Die Email-Adresse für den Erstkontakt war aber doch wider Erwarten aktiv, und ich bekam sogar innerhalb weniger Minuten die automatische Abwesenheitsnotiz des Ansprechpartners zurück gemailt. Der ungefähre Wortlaut: „…bin noch 14 Tage im Urlaub. Die Mail wird nicht weitergeleitet“. Ich hätte keinen Cent darauf verwettet, das sich jemand nach 14 Tage bei mir meldet, aber es passieren immer wieder kleine Wunder und somit kam es zum ersten Besichtigungstermin der Glashütte im Steinkrug.

29.08.2016

Pferdebesuch an der Glashütte und schon zeigt sich der erste fatale Planungsfehler: Es fehlt ein Pferdeanbinder und ein Wassertrog. Hier muss zwingend nachgebessert werden.

Am Wohnwagen-Wochenende habe wir zwei grundlegende Entscheidungen getroffen, wie es mit uns – also mit der Firma – weiter gehen sollte. Wie es mit uns im privaten weiter gehen sollte, stand von vornherein gar nicht zur Disposition. Also zum einen: wir mussten uns räumlich vergrößern um besser, schneller und stressfreier produzieren zu können und die Arbeitsstruktur musste neu durchorganisiert werden. Eigentlich waren es drei Entscheidungen die wir trafen, denn es gab auch das Szenario die Firma zu veräußern, was wir aber nur kurz theoretisch durchspielten. Letzteres schien uns aber nach kurzer Diskussion als keine gute Lösung.

Die Arbeitsstruktur zu verändern war und ist immer noch eine viel größere Baustelle, als mal eben ein Industriedenkmal umzubauen, daher werde ich diese Thema hier im Blog erstmal etwas beiseite schieben, damit ich euch nicht gleich vergraule. Die räumliche Veränderung hingegen erschien uns als vermeintliche Leichtigkeit, gab es doch bei uns in der Region – im Radius von 5 km sehr viel Leerstand von Ladengeschäften oder auch Bürofläche.

„Oder auch“ war aber schon das erste Problem. Unser Anforderung bezog sich ja sowohl darauf Büroräume anmieten zu wollen, als auch produktionsgeeignete Flächen. Eine Kombination die auch schon aus der Vielzahl der angebotenen Gewerbeimmobilien einen Großteil aussiebte. Trotzdem gab es noch zwei, drei sehr vielversprechende Objekt für unser Gewerbe. Meine Sympathie Immobilienmaklern gegenüber war schon immer etwas angeschlagen und sollte auch in der fast einjährigen Suche nicht deutlich besser werden. Um es nicht all zu sehr in die Länge zu ziehen, sei nur gesagt, dass Spielhallen wohl doch eine weit aus bessere Lobby gegenüber einem produzierenden Gewerbe haben. Somit wurde das erste Wunschobjekt, nach dem wir über Monate hingehalten wurden, doch nicht unsers.

Auch das sehr harmonisch verlaufenden Gespräch mit einem Stiftungsmitglied, welches extra zum Besichtigungstermin der zweiten Wunschimmobilie aus dem Ruhrgebiet anreiste, machte einen sehr angenehmen und konstruktiven Eindruck. Und die von uns angestrebten Umbaumaßnahmen, die der Vermieter hätte tragen müssen, wurden gebilligt und für realistisch und umsetzbar erachtet. Natürlich gab es im Gespräch den Wunsch ein langfristiges Mietverhältnis anzustreben, was ja ganz auf unserer Wellenlinie lag. Und auch in der noch folgenden Korrespondenz konnten wir sogar Einigkeit über Mietzins (sogar mit Staffelmiete) und Renovierungsarbeiten erzielen.

Der Mietvertrag machte mich dann aber doch stutzig. Aus dem mündlich vereinbarten 10 Jahres-Vertag wurde ein mir nicht erklärbares Vertragswerk, was lediglich über 36 Monate abzuschließen war. Ohne Option auf Verlängerung, aber seltsamer Weise mit sämtlichen Umbaumaßnahmen.

Wer schon mal einen Digitaldrucker mit 160 cm Druckbreite von A nach B bewegen musste, kann sich vielleicht gut vorstellen, dass diese Arbeit nicht zu den Hobbyaktivitäten eines Firmeninhabers zählt, sondern dass diese bestenfalls einmal durch ein Fachfirma aufgestellte Maschine nur ein zweites mal bewegt wird, nämlich dann, wenn das Entsorgungsunternehmen klingelt und nicht wenn nach kurzer Zeit eben mal der Mietvertrag ausgelaufen ist und nicht verlängert wird. Und ich habe davon nicht nur eine im Maschinenpark.

Somit verliefen also auch diese Bemühungen über drei Monate im Sande. Geschmückt wurde diese Zeit auch von den kleine netten Anekdoten, dass einige Laden- oder Geschäftsinhaber scheinbar gar kein Interesse daran hegen, ihren Leerstand wieder zu vermieten. Alle Immobilien, die wir uns im Lauf der Zeit angesehen und verhandelt haben, bis auf die Spielhalle, stehen noch heute leer. Bei einigen Vermietern habe ich auch an Sinn und Verstand zweifeln dürfen, wenn es um die Argumentation der überteuerten Mietpreise ging. Hier noch ein kleiner Hinweis von mir an diese Herrschaften: Die Stadt Springe ist ein nettes, liebenswertes Örtchen aber es liegt nicht gleich neben dem Alsterviertel und auch nicht in Tempelhof.

Wie wir zu dem Objekt „Neue Glashütte“ gekommen sind, erzähle ich Euch morgen. Aber eines sei schon verraten: bei immobilienscout24.net stehen diese Angebote in den seltensten Fällen.

 

28.08.2016

Da kommt man von der Wochenendarbeit an der Glashütte nach Hause und kommt leider nicht über die Türschwelle im Hausflur ohne nicht eine halbe Flasche Wein getrunken zu haben, weil die Nachbarn mal wieder das Treppenhaus zur Partymeile umfunktioniert haben. Das macht das Leben doch aus, spontan zu sein und Spaß zu haben. Wenn wir das Büro und die dazugehörigen Betriebsleiterwohnung in der neuen Glashütte beziehen, werde ich diese Momente ganz bestimmt vermissen. Aber man kann im Leben ja leider nicht alles haben.

Nichtsdestotrotz muss es natürlich hier weiter gehen. Schließlich habe wir ja heute wieder einen Tag lang bei über 30° geschafft, um unserem Ziel, unser Büro in dem Industriedenkmal Neue Glashütte zu eröffnen, näher zu kommen.

Aber stehen geblieben waren wir ja eigentlich am Wohnwagenwochenende, an dem die Weichen für die nun langsam in Kraft tretenden Veränderungen beschlossen wurden. Die größte Problematik in unserem derzeitigen Büro ist der Platzmangel. Das wurde uns bei der Analyse der Arbeiten und der auftretenden Fehler recht schnell deutlich. In der Zeit, in der ich nur mit einer einzigen Mitarbeiterin im Büro gearbeitet habe, wurde dieses sich Problem noch nicht so deutlich. Meine damals einzige Mitarbeiterin war so gesehen meine linke Hand und ich konnte von Schreibtisch zu Schreibtisch agieren und alle Aufgaben, die ich abwälzen wollte und konnte, mal eben meiner Mitarbeiterin zurufen und darauf hoffen, dass sie zu meiner Zufriedenheit erledigt wurden. Eine detaillierte Tagesplanung war nicht weiter notwendig und wenn der Arbeitstag nicht im Vorfeld von mir durchorganisiert war, dann kam es halt schon vor, dass es zu „Pausenzeiten“ für meine Mitarbeiterin kam, die ich billigend in Kauf nahm, um in Ruhe arbeiten zu können.

Natürlich war mir schon bewusst, dass diese Arbeitsweise nicht ganz richtig sein konnte. Da ich aber genug Arbeit hatte und somit die Kasse immer gut gefüllt war – nicht zuletzt weil ich in Ruhe Arbeiten konnte, weil ja jemand da war, der mir z.B. die störenden Telefonate von Hals hielt – fiel der Missstand nicht weiter ins Gewicht. Ich denke auch, dass jeder Einzelkämpfer, der personell aufstockt so agiert und selbige Erfahrung gesammelt hat. Aber spätestens, wenn die Arbeit ein weiteres Mal überhand nimmt und eine weitere Kraft notwendig wird, ist dieses System zum scheitern verurteilt. Das Problem dabei ist nur, dass man es als Chef auch merken muss und nicht so weitermachen kann wie zuvor.

Ich habe so weiter gemacht wie immer und wir haben es sogar mehr als drei Jahre geschafft absolut unorganisiert zu arbeiten und nicht den Bach runter zu gehen. Vielleicht hätten wir auch noch ein viertes Jahr hin bekommen, doch es wurde immer deutlicher, dass diese Arbeitsweise mehr darauf beruhte, dass letztendlich die Verantwortung und auch die Arbeiten an mir hängen blieben und ich trotz gut bezahlter Mitarbeiter nicht ansatzweise mehr Zeit für z.B Neukundenakquise oder betriebliche Innovationen hatte und somit dieses System nur so lange funktional war, so lange ausreichend Aufträgen am Start waren. Was würde eigentlich passieren, wenn das nicht mehr der Fall sein würde?

27.08.2016

Um Euch einen kleinen Einblick zu verschaffen, um was es hier und mir geht, gibt es natürlich eine Vorgeschichte zu erzählen. Jedoch fange ich mal eher mit der Kurzform an und lasse jetzt nicht 20 Jahre Selbständigkeit Revue passieren. Sicherlich werde ich aber mal in dem ein oder anderen Eintrag etwas intensiver auf die vergangen Ereignisse oder Erfahrungen zurückblicken und berichten, aber ansonsten gilt für mich immer: Nach vorne blicken und nicht der Vergangenheit schwelgen.

Der Knackpunkt und die Entscheidung eine großes Projekt in Angriff zu nehmen, kam vor rund zwei Jahren. Zusammen mit meiner Frau, in unserem Wohnwagen, bei einem Wochenendtrip, den wir dringend nötig hatten, um uns mal unter vier Augen wiederzufinden. Das klingt jetzt vielleicht etwas unromantisch, dass man, wenn man schon ein Wochenende in trauter Zweisamkeit verlebt, mal eben den Betrieb neu organisiert. Aber eigentlich war es genau dass, was in unserem Leben wohl in diesem Moment gefehlt hat: eine Perspektive – eine Vision – ein Traum. Ein gemeinsamer Traum.

Mit seiner Frau einen gemeinsamen Betrieb zu führen bringt so viel Stoff, dass es problemlos mögliche wäre einen separaten Blog hierüber zu schreiben. Aber das soll hier nicht unser Thema sein. Soviel sei aber gesagt: bei uns funktioniert es. Und im Endeffekt verdanke ich es auch meiner Frau, dass wir jetzt an diesen Punkt an dem wir grade angelangt sind, stehen. Denn: Was kann es besseres geben, als eine kritische Beobachterin im eigenen Betrieb zu haben? Viele Firmen hauen Unsummen an Kohle heraus, um für diese Aufgabe Unternehmensberater zu beschäftigen. Meine Frau ist da etwas kostengünstiger und sie ist eine gute Beobachterin und verfügt über eine recht gute Menschenkenntnis. Man könnte auch sagen, sie ist eine Fehler-Scannerin, was aber sehr negativ klingt und um das jetzt noch zu toppen kommt das böse Wort: Sie hat QUALITÄTSMANAGEMENT in ihrem Blut.

Eigentlich war es jahrelang so: Ich habe vor mich hin gearbeitet. Mal mehr, mal weniger. Dann wurde es zu viel für mich alleine, was zu Folge hatte, dass jemand dazu kam, der helfen sollte und als das immer noch nicht reichte, kam noch eine/einer Weitere/r. Somit wuchs der 1-Mann Garagen-Betrieb zu einem 3 Personen-Team, zeitweise sogar zu einem 4er Team. Was durchaus funktioniert hat – zumindest in meinen Augen.

Wieso und weswegen ist eine längere Story und im Moment von nicht so enormer Wichtigkeit, aber meine Frau stieß als Arbeitskraft zu unserem 3er Team mit in die Firma. Ursprüngliche kommt sie aus einer ganz fremden Branche, was ja aber bei uns im Graphischen alles andere als ein Problem darstellt und sie war eine lange Zeit nur mit einem Hiwi-Job in meiner Firma betraut. Aber durch die Tatsache, dass sie neben der einfach zu verrichtenden Arbeit viel Zeit hatte, die Arbeitsabläufe zu beobachten, bekam sie eine Menge mit, was in der Firma eigentlich ablief und vor allem was schief lief. Tja, und so gesehen brachte sie diese Tatsache so nach und nach ein wenig auf die Palme, was besagtes Wohnwagen-Wochenende zur Folge hatte und – weil sie aus der medizinischen Branche kommt „Betriebsblindheit im Endstadium“ bei mir und in meinem Betrieb diagnostizierte.

Morgen geht es weiter. Ich bin heute reichlich erledigt, da wir den ganzen Tag an unserer neuen Firma gearbeitet haben. Habe ich Euch eigentlich schon gesagt was wir mit der Firma machen? Wir expandieren. Von derzeit rund 100 qm auf über die vierfache Größe. Aber die Größe allein ist gar nicht das entscheidene. Unser neues Büro bezieht ein altes Industriedenkmal. Eine alte Glashütte. Hier ein paar Fotos die vielleicht Lust auf mehr machen:

Vom Mut, neue Wege zu gehen

Umbau – Einzug – Los geht’s!

Im ersten Teil des Blogs habe ich viel über die Umbauten und die sich damit ergebenen Ereignisse berichtet. Nun haben wir das erste Quartal in den neuen Geschäftsräumen in der Neuen Glashütte in Steinkrug hinter uns gebracht und wie das im „normalen“ Leben so ist, passieren nicht mehr ganz so viel berichtenswerte Handwerker-Anekdoten. Auch die unvorhergesehen zu treffenden Sondermaßnahmen sind jetzt (hoffentlich) nicht mehr zu erwarten. Daher gab es auch eine kleine Blog-Pause von meiner Seite, die aber nicht bedeuten soll, dass ich hier jetzt nichts mehr schreibe. Schließlich war es zwar ein mutiger Schritt, die Firma und unser Leben in einem Industriedenkmal anzusiedeln, aber ob das, was wir uns von diesem Schritt erhoffen auch in Erfüllung gehen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen und bis dahin wird viel passieren, was es zu berichten gilt. Denn ob unser Projekt letztendlich zum Erfolg führt, lässt sich zwar planen, aber oft kommt es in der Realität anders als man denkt.

Über mich

Ich bin noch keine 50. Ich habe zwei gesunde, schon ganz schön erwachsene Kinder, eine Frau, die ich liebe und von der ich es weiß, dass sie selbige Zuneigung mir auch zugesteht und ich habe einen Job. Ich habe sogar einen guten Job, denn ich bin Selbstständig und das auch nicht erfolglos.

Im Prinzip könnte ich mich also glücklich schätzen und im Prinzip könnte alles so weiter gehen bis ich das Rentenalter erreiche und mich im Haus am See zur Ruhe setze und meinen Lebensabend geniesse. Allerdings gibt es ein gewaltiges Problem: Ich bin noch keine 50 und damit haben ich noch viele Arbeitsjahre vor mir und: ich bin Grafiker.

Vielen sehen jetzt sicherlich keine Veranlassung, sich runzelige Sorgenfalten auf der Stirn wachsen zu lassen und freuen sich darüber, wie schön doch ein so kreativer Beruf sein mag und wie spannend es sein muss, mal einen Werbespot für Adidas zu drehen oder die Hochglanz-Imagebroschüre für Philips zu gestalten.

Ja, das ist sicherlich spannend, aber obwohl ich schon 20 Jahre in diesem Beruf tätig bin, habe ich noch keinen Werbespot drehen dürfen und auch mit Image-Broschüren für ein Kundenklientel, welches sich solche Broschüren leistet, arbeite ich derzeit auch nicht. Wobei ich – und daher ist mein Handeln, meine Selbständigkeit ja auch erfolgreich – sehr wohl schon für Adidas und auch für Philips gearbeitet habe. Sie können jetzt aber gerne mal in der Konzernzentrale der genannten Unternehmen anrufen und nach meiner Lieferantennummer fragen. Dort wird man meine Firma nicht finden, denn ich habe zwar schon die Hand von dem ein oder anderen hohen Tier dieser Firmen geschüttelt, doch werden diese Menschen sich nicht an mich erinnern, denn meine Tätigkeiten für diese Großfirmen beschränkten sich bis lang immer auf Subunternehmer-Tätigkeiten. Viel eher noch gehen sie in den Bereich des Sub-Sub-Subunternehmers.

Ich verdiene aber trotzdem mein Geld und ganz bestimmt verdienen die Unternehmen, die mich als Subunternehmer buchen, auch noch an meiner Arbeit mit, aber solange ich meinen gewünschten Stundenlohn erhalten, soll mir diese Tatsache recht egal sein und bei allen negativen Schlagzeilen, die man über das Subunternehmertum so hört und liest, habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, aus denen sich schon über Jahre eine intensive Zusammenarbeit entwickelt hat und sehe somit mehr Vor- als Nachteile für meine Firma, diese Arbeiten zu übernehmen. Ganz bestimmt liegt es aber auch daran, dass ich eine sehr kleine Firma habe, dass ich mich damit zufrieden geben kann und mal ehrlich, es gibt doch nur einen Bruchteil an Einzel- oder Kleinunternehmern die es schafft, die Bürotüren der Führungsspitze von Weltunternehmen zu öffnen.

Als ich mich vor 20 Jahren selbständig gemacht habe, habe ich aber überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, wie es nach 20 Jahren meiner selbständigen Tätigkeit denn so aussehen würde. Den einzigen Gedanke habe ich daran verschwendet, wie cool es sein wird, eigenständig zu sein und als eigener Chef zu agieren. Zum Glück, als alter Sicherheitsfanatiker, habe ich schon damals an die Rente gedacht und im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen schon gleich mit dem ersten Tag meiner Selbständigkeit in die Private Rentenkasse eingezahlt. Nicht viel aber der Anfang war gemacht.

Heute hat man die Blauäugigkeit, die ich damals noch an den Tag legte, leider verloren. „Leider“ sage ich deswegen, weil man sich zu oft viel zu viele Gedanken macht und sich aus Sorge oder auch aus Planungswillen den Kopf blockiert, um anständig, frei und kreativ zu arbeiten.