Vom Mut, neue Wege zu gehen

Umbau – Einzug – Los geht’s!

Im ersten Teil des Blogs habe ich viel über die Umbauten und die sich damit ergebenen Ereignisse berichtet. Nun haben wir das erste Quartal in den neuen Geschäftsräumen in der Neuen Glashütte in Steinkrug hinter uns gebracht und wie das im „normalen“ Leben so ist, passieren nicht mehr ganz so viel berichtenswerte Handwerker-Anekdoten. Auch die unvorhergesehen zu treffenden Sondermaßnahmen sind jetzt (hoffentlich) nicht mehr zu erwarten. Daher gab es auch eine kleine Blog-Pause von meiner Seite, die aber nicht bedeuten soll, dass ich hier jetzt nichts mehr schreibe. Schließlich war es zwar ein mutiger Schritt, die Firma und unser Leben in einem Industriedenkmal anzusiedeln, aber ob das, was wir uns von diesem Schritt erhoffen auch in Erfüllung gehen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen und bis dahin wird viel passieren, was es zu berichten gilt. Denn ob unser Projekt letztendlich zum Erfolg führt, lässt sich zwar planen, aber oft kommt es in der Realität anders als man denkt.

11.02.2021 Eiszeit

Ich darf es zu Hause nicht mehr erzählen, es hagelt Proteststürme und böse Worte, aber ich muss es ja mal los werden: Vor rund 52 Jahren hatten wir ähnliche Schnee-Zustände wie in den letzen Tagen. Vielleicht kann sich nicht jeder daran erinnern, auch ich kann nicht tatsächlich als Zeitzeuge vernommen werden, aber der Aussage meiner Mutter nach, hatte sie nicht unerhebliche Mühe zu meiner Entbindung aufgrund von heftigen Schneefällen und anhaltender Kälte ins Krankenhaus zu kommen, um einen weiteren Sohn – meine Wenigkeit – auf die Welt zu bringen. Und natürlich wird an dem Tage, an dem sich meine Geburt jährt immer sehr ausschmückend darüber berichtet, währenddessen sich meine Frau die Ohren zu hält.

Ich will auf dem Thema von früher nicht weiter herum reiten. Aber tatsächlich haben wir dieses Jahr Mitte Februar heftig mit Schnee und Kälte zu kämpfen. Wir sind hier im Steinkrug auch kein bisschen verschont geblieben und müssen über dreißig Zentimeter Schnee bewältigen. Nun gibt es nichts zu jammern, denn wir haben als Jahreszeit Winter im Kalender stehen und da darf es auch gerne schon mal schneien. Wir sind bloß ein bisschen verwöhnt, so dass uns die Mengen die Frau Holle zu uns geschickt hat, ein wenig (über)fordern.

Mit Schnee an sich habe ich überhaupt kein Problem. Ich liebe es, mit meinem Transporter über die fest gefahrene Schneedecke zu driften. Mein T5 ist dahingehend sehr zuverlässig und wühlt sich durch die Schneemassen. Aber wenn denn dann doch soviel Eiskristalle zu Boden fallen, dass es zur Herausforderung wird, überhaupt erstmal das Fahrzeug frei zu schaufeln, dann geht es schon ans Eingemachte. 

Schon recht bedrohlich wurde die Lage am Mittwoch. Da war eigentlich schon mit Neuschnee alles gegessen. Aber auf dem Dachboden der Glashütte hatte sich durch den scharfen Ostwind jede Menge Schnee angesammelt, der durch die Dachziegeln geweht ist. Wir sprechen hier nicht von einer Menge von zwei, drei Eimern, die man schnell mal zusammenfegt und die Sache bereinigt, sondern von teilweise bis zu zehn Zentimetern Schnee, der auf dem Rauspund der Deckendämmung lag. Selbstredend habe ich den Zustand gleich dem Eigentümer der Glashütte gemeldet, jedoch wurde die Lage aufgrund der hohen Minustemperaturen, die ja nach wie vor vorherrschen, als nicht so dringlich erachtet. Dass uns aber in der Dringlichkeit die Deckenheizung für die Halle einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, hätte wohl keiner gedacht. Die uns wohltuende Wärme bringende Heizung an der Decke – ich habe über die Konstruktion schon bei den Baumaßnahmen ausführlich berichtet – hat leider den Schnee zum nicht unerheblichen Teil, trotz der verbauten Dämmung, soweit gebracht, dass er sich entschieden hat den Aggregatzustand von Eis zu Wasser zu verändern. Und das in kürzester Zeit. Wir hatten alle eher damit gerechnet, dass wir wegen der zweistelligen Minusgrade, doch ein wenig mehr Reaktionszeitraum hatten. Ende vom Lied war, dass am Mittwoch Morgen Wassereinbuch von der Hallendecke an verschiedenen Stellen zu vermelden war. Und das auch noch im Bereich, wo unsere Drucker stehen.

Es gab bisweilen nicht viele Momente, an denen ich gezweifelt habe, hier in der Glashütte das richtige Projekt für mein bzw. unser Leben begangen zu haben. Aber ich gestehe, dass ich ein Stück weit davor war alles hin zu schmeißen. Es gibt schönere Momente im Leben als morgens mit den Worten der Frau geweckt zu werden, dass es in der Halle von der Decke tropft. 

Stand heute, Donnerstag Abend: Ein nicht unerheblicher Verbrauch von Strech-Folie, um alle Maschinen vor Tropfwasser zu schützen. Ein diffuse Menge an Rotwein, um die Nerven in Schach zu halten und ein sehr schnell und beherzt eingreifender Eigentümer, der umgehend Leute geschickt hat, um die Schneemengen über ein vom Dachdecker geöffnetes Dach zu entsorgen. Vielen Dank an dieser Stelle für die fleißigen Hände, die mit Schneeschaufeln auf dem Dachboden hantiert haben und für das umgehende Eingreifen des Verwalters der Glashütte.

Unterm Strich sind wir bislang glimpflich davon gekommen. Kein Maschinenschaden und ein Produktionsausfall von nur einem halben Tag, wenn man mal von der Schädigung der Leber durch übermäßigen Rotwein absieht. Aber leider ist es auch noch nicht ausgestanden. Zwar tropft jetzt nichts mehr, aber die Deckendämmung ist mit Sicherheit aufgrund der großen Wassermengen in Mitleidenschaft gezogen worden und muss ausgetauscht werden. Das Thema wird uns also noch ein bisschen beschäftigen.

Akut bleibt somit erstmal weiter die Schneeentsorgung im Außenbereich. Ich habe nichts gegen Schnee schippen. Ich mache das sogar ganz gerne. Problem stellte sich nun mehr aber wohin mit den ganzen Massen an weißer Pracht. Bei den Bergen, die sich bis jetzt aufgetürmt haben, gehe ich mal davon aus das wir bis weit in den März noch was davon haben werden. 

Zumindest hat es heute, seit Freitag, mal wieder mit der Post geklappt. Endlich war die Zuwegung soweit befahrbar, dass die Paketdienste im Steinkrug wieder zugestellt haben. In der Briefpost war ein Kuvert meiner Mutter. Ob sie mich wohl an das Schneechaos 1969 erinnern möchte?

10.01.2021 New Year

Hallo. Hier ist es das neue Jahr. Die Änderung der Jahreszahl ist das einzige Indiz dafür, dass sich was geändert hat. Sonst ist eigentlich alles beim Alten geblieben, wobei das natürlich nicht ganz richtig ist, denn beim „Alten“ bleiben würde ja bedeuten, dass ich keine Hochrechnung starten muss, um zu überlegen, ob meine Familie mich besuchen darf oder ich unangemeldet bei Freunden aufschlagen kann.

Mit anderen Worten, gleiten wir also weiter auf einer Spur der Verzweiflung nach der Suche nach Normalität. Ganz gleich ob privat oder geschäftlich. Wobei ich auf geschäftlicher Seite nicht unbedingt klagen kann, das muss ich fairer Weise dazu sagen. Wir haben das letzte Jahr ganz gut überstanden. Im Sommer habe ich noch von einem blauen Auge gesprochen, am Ende des Jahres ist es nur noch ein Veilchen. 

Unsere bisweilen aktive Strategie, uns mit den Dienstleistungen aus unserer Hand recht breit aufzustellen, hat sich als „Rettung“ erwiesen. Wie oft habe ich darüber nachgedacht, dass eine Spezialisierung, zum Beispiel auf das Messegeschäft, deutlich mehr Effektivität bringt. Drei Kreuze mache ich heute, dass wir daran festgehalten haben, uns nicht zu spezialisieren, sondern weiterhin ein weit gefächertes Angebot für unsere Kunden bereit zu halten. 

Wir haben halt den Vorteil, dass wir als sehr kleine Firma flexibel reagieren können. Unser Maschinenpark ist zwar nicht zu verachten, aber wir stehen einfach nicht an dem Punkt, dass wir so kalkulieren, dass Maschine XY täglich so und soviel Stunden mit Aufträgen bestückt werden muss, damit sich der Laden rechnet, was bedeutet, dass ich keine Bauchschmerzen bekomme, wenn der ein oder andere Drucker mal ein oder zwei Tage steht. 

Anderen Geschäftszweigen geht es da bedeutend schlechter. Die Messebranche habe ich da ja grade angesprochen. Wobei auch hier bei vielen Unternehmen die Möglichkeit einer Umstrukturierung besteht. Ganz anders verhält es sich im Sektor der Kultur. Künstlerische Darbietungen für offenes Publikum kann man nicht neu oder anders strukturieren. Diese Veranstaltungen leben vom Dabeisein sein oder Mitmachen. Natürlich habe ich mir im letzten Jahr diverse Live-Stream Konzerte von größeren und kleinen Künstlern angesehen. Aber mal Hand auf’s Herz, wenn ich den Bass nicht spüre oder nicht fühle, wie Menschen in meiner Sitzreihe sich vor Lachen oder sonstiger Emotionen nicht mehr einkriegen, dann ist das durch ein technisch in mein Wohnzimmer generiertes Bild nicht zu ersetzten.

Es fehlt mir, mich einfach in einer Menge von gleichgesinnten Fans treiben zu lassen, mich vom Künstler oder Star ansprechen zu lassen und Musik/Kunst nicht nur visuell, sondern auch aktiv mitzuerleben. Ich möchte das nicht missen.

Um diesen „normalen“ Zustand weiterhin die Erhaltung zu sichern, wenn wir mit der Pandemie in zwar nicht absehbarer, aber erhoffter Zeit abgeschlossen haben, sehe ich es als zwingend Notwendig, diese Institutionen in dieser Zeit, ohne großen Hilfen von Seiten des Staates, zu unterstützten und am Leben zu erhalten. Mag sein, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist aber steter Tropfen höhlt den Stein und deswegen haben ich anstelle von Weihnachtskarten und Präsente für unsere Kundschaft das Geld ausgegeben, um ein paar Kulturschaffenden das überleben zu erleichtern. Nachahmung empfohlen auch ganz ohne den Aspekt von Christkind oder Steuererleichterung. Mal einen Zehner für die Kultur zu investieren, tut nicht weh, wenn man selber von der Krise nicht gebeutelt ist. Unsere Gaben gingen an die Sumpfblume in Hameln, den Kulturpalast in Hannover Linden und dem Bei Chez Heinz. Leider nur drei von hundert weiteren lohnenswerten Kulturinstitutionen, aber besser als nix. 

Frohes Neues. 

16.12.20 ZUR LAGE DER NATION

Angie spricht erst zum Ende des Jahres zu uns, da aber aufgrund von eingeschränkten sozialen Kontakten ein gewisser Redebedarf bestehet, tue ich dieses heute schon zu meiner kleinen aber steig wachsenden Fangemeinde. Damit sei auch gleich mal ein Dank gerichtet, an alle, die meinen Block schon seit vielen Jahren verfolgen oder auch erst vor kurzer Zeit dazugestoßen sind.

Wir nähern uns wieder der Zeit, in der ich verstärkt die Funktionsfähigkeit meiner Feuerlöscher überprüfe, denn ich bin ein Freund von echten Kerzen auf dem Adventskranz und auch am Tannenbaum. Letzteren habe ich dieses Jahr zum ersten mal aus einer regionalen Mischkultur (!) selber geschlagen. Nachdem unsere Versuche der Jahre zuvor leider gescheitert sind, einen lebenden Baum nach dem Weihnachtsfest wieder auszuwildern. Also haben wir uns entschieden einen Baum aus dem Deister selber zu ernten. Wir haben ein kleines Familienevent daraus gemacht. Darf man ja in der heutigen Zeit eigentlich gar nicht mehr kund tun, aber da wir es unter freiem Himmel, mit ausreichend Abstand und sogar Maske gemacht haben, muss ich einfach kein schlechtes Gewissen haben und darf es auch veröffentlichen. Seltsame Zeit, in der man sich rechtfertigen muss, mit seiner Familie in Kontakt zu treten.

Der angeordnete Lockdown bringt vielleicht wieder ein wenig Ruhe in die Bevölkerung oder sage ich dass nur, weil ich dieses Jahr schon so gut wie alle Geschenke beisammen habe? Normalerweise gehöre ich ja auch zu den Käufern, die froh sind, dass am 24.12. die Geschäfte noch geöffnet haben. Anscheinend hatte ich es aber dieses Jahr im Pippi, so dass ich mit meiner Frau schon Anfang des Monats, an einem Montag Morgen um 10 Uhr, zum Weihnachts-Shoppen aufgebrochen bin, um unsere Liebsten mit Überraschungen zu versorgen. Sehr befremdlich fand ich die schon Montag Mittag entstandene lange Schlange vor dem Apple-Store in der Innenstadt von Hannover. Also ich arbeite seitdem es Computer gibt mit Apple. Mein erste eigener Mac hatte schlanke 5 MB RAM und eine unglaubliche Festplatte von 120 MB. Das Höllengerät hat damals knappe 10.000 DM gekostet, inklusive dem 14 Zoll (!) Farbmonitor. Auch wenn ich dem Betriebssystem treu geblieben bin, und mittlerweile auch andere Geräte von Apple besitze, ich habe dafür noch nie in einer langen Schlage in einer unromantischen, häßlichen Fußgängerzone im regnerischen Hannover gestanden. Was machen die da alle und vor allem was wollen die da in diesem Shop kaufen? Die Anzahl der Produkte, die diese Firma auf den Markt bringt ist ja relativ überschaubar oder habe ich was versäumt? Vielleicht kann ich es aber auch nicht verstehen, da ich diese Technologie nie als Statussymbol gesehen habe, sondern eher als Mittel zum Zweck und der einzige Grund ein Besuch im Apple-Store darin bestand irgendein Kabel zu besorgen, welches seinen Geist aufgegeben hat und durch kein anderes herkömmliches Kabel ersetzt werden kann, weil das nun mal die Apple Kundenbindungsstrategie ist. 

Seit Frühjahr ist ja alles anders geworden, was ein Jahresrückblick zur Vorweihnachtszeit irgendwie schwierig gestaltet. Denn alles war anders und jeder wartet eigentlich nur darauf, dass alles wieder so wird, wie es einmal war. Das es nicht so kommen wird, daran mögen wir einfach noch nicht glauben. Das wir uns daran gewöhnen werden, halte ich aber für wahrscheinlich. So sind wir Menschen eben. Gewöhnungstiere. Wobei das nicht immer ganz zutrifft. Besonders nicht bei den Fällen, bei dem ich ernsthaft glaube, dass der Corona-Virus nachhaltig auf das Hirn geht. An solche Situationen kann und will ich mich einfach nicht gewöhnen. Mal im Ernst: Warum kommt zum Beispiel seit Corona immer ein unfreundlicher Herr mit seinem Auto mit Bochumer Kennzeichen und stellt sich unvorteilhaft auf den schmalen Waldpfad gleich neben unsere Zufahrt in den Weg, um im Wald Joggen zu gehen, wobei der großräumige Parkplatz keine hundert Meter entfernt ist? Es kann nicht daran liegen, dass er schlecht zu Fuß ist, was ich ja noch ansatzweise verstehen könnte. Ist das hier ein „Drive In Wald“?. Ist scheinbar ein neuer Trend, sollte man als Waldbesitzer eine Vermarktung in Betracht ziehen, wo doch mit Borkenkäfer befallenem Holz kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. 

Auch der nahe gelegene Waldkindergarten wird mir immer suspekter. Müssen Kinder immer schreien und kreischen. Ja, klar sie sollen dass. Keine Frage. Ich bin der Letzte der was gegen Kinderlärm sagt. Aber hat das nicht auch etwas mit Respekt der Natur gegenüber zu tun? Ist es nicht selbstverständlich, dass ich mich mitten im Wald etwas ruhiger verhalte, weil ich eben nur Gast dort in der „Wildnis“ bin und den eigentlichen Bewohnen nicht in die Quere kommen will. Ist es nicht sinnvoll im Kindesalter schon so etwas wie „Miteinander“ zu lehren und nicht permanent auf die freie Entfaltung von Grenzen suchenden Zöglingen zu pochen? Ist das nicht der Grundstein den man legt, damit man wieder eine Generation heranwachsen lässt, bei der Rücksicht nicht politisch durch Corona Sanktionen vermittelt werden muss, sondern wieder als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird? 

Damit kommen wir unweigerlich wieder zum Anfang des Eintrags. Was soll Angie uns eigentlich bei Ihrer Neujahresansprache großartiges sagen? Ich habe ihr ja schon alles vorweg genommen. Sorry Angie. Damit bleibt ihr nur die Zusammenfassung meiner geschriebenen Worte, was darauf hinausläuft, dass sie sagen wird, wie schwer der Verzicht an sozialen Kontakten ist. Sie wird an unsere Vernunft und an unser Gewissen, Geduld und Einsicht appellieren. Ist nichts Falsches dran und Corona ist keine politische Erfindung. Und vielleicht sollte ich Bundeskanzler werden… oder nicht so viel Rotwein trinken. 

Frohes Fest. 

Regionaler Tannenbaum im Baumwollnetz !

16.11.20 Mäusepippi

Montage gehören oft zu den blöden Tagen. Das tut mir für den Montag schon ein wenig leid, dass er für solche Sachen nur zu oft herhalten muss, aber es wird wohl am meist gechillten Wochenende liegen, dass man Montag einfach nicht so richtig auf dem Damm ist oder vielleicht auch etwas dünnhäutiger. Da haben es der Dienstag und die Folgetage schon ein wenig einfacher. Da ist man einfach schon etwas abgestumpfter. Nur selten kann aber ein Montag auch lustig sein. Eher regt er zum Nachdenken an. 

Montag Morgen den Firmentransporter in die Werkstatt zur Inspektion zu bringen, werde ich in Zukunft genauer überdenken. Eine Inspektion ist nicht überlebensrelevant für ein Fahrzeug, dient dieser einprogrammierte Intervall doch mehr als lukratives Zubrot für entsprechende Wartungsbetriebe. Man wiegt sich aber mit der regelmäßigen Wartung eines Autos in Sicherheit und man möchte gerne einen Stempel in sein Service-Heft haben, weil man der Meinung ist, mit diesem Siegel eine Verlängerung der Lebenszeit für das Fahrzeug zu erwirken. Da ich wohl auch so ticke, habe ich sogar einen Werkstatt-Termin mit 18 Tagen (in Worten achtzehn) Vorlaufzeit in Kauf genommen.

Nun bin ich kein Mensch, der besonderen Wert auf sein Fahrzeug legt. Es ist ein Gebrauchsgegenstand. Fahrtüchtig und sicher muss es natürlich sein, aber ich verzichte darauf, es nach jedem Regenguss abzuledern und mir meine Samstage mit der Reinigung des Innenraums zu verderben. Zugemüllt ist mein fahrbarer Untersatz aber auch nicht. Vielleicht liegt mal eine (leider) leere Tüte Kaubonbons in der Ablage oder es steht noch ein (leider) leerer Einwegkaffeebecher im Getränkehalter. Es gibt aber keinen Grund sich in irgendeiner Form zu ekeln, die drei Sitzplätze in der Fahrerkabine zu benutzen und es stinkt auch nicht. Schon gar nicht nach Mäusepippi. Aber dazu später.

Was Autos angeht bin ich auch ein absoluter Looser der Männerwelt. Ich verspüre kein Bedürfnis mit ölverschmierten Händen kopfüber im Motorraum eines Autos zu stecken. Ich habe auch kein Interesse mir Felgen auszusuchen oder mit irgendwelchen Gimmicks mein Vehicle zu pimpen. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich weiß wie ein Motor funktioniert und ich kann ein Diesel vom Benziner unterscheiden. Schließlich habe ich in meiner Ausbildung mehrere Wochen einen DEULA Lehrgang besucht. Radwechsel oder mal die Beleuchtung des Anhängers checken ist kein Problem. Aber ich habe einfach keine Lust dazu! Es nervt mich. Jeder hat in der Schule gelernt einen Strich mit einem Lineal auf das Blatt Papier zu bekommen und doch gibt es Menschen in meinem Umfeld, die es nicht hinkriegen, weil sie einfach keinen Sinn darin sehen etwas gerade zu unterstreichen, so als kleines Gegenbeispiel.

Ich schweife ab. Jetzt mal zum Punkt. Der Transporter hatte schon seit dem letzten Jahr einen kleinen Wassereinbruch auf der Beifahrerseite. Es rannen bei Regenwetter ein paar Tropfen in den Fußraum. Nicht erkennbar, woher dieses Wasser nun eigentlich kam. Bei der letzten Inspektion hatte ich diesen Missstand angemerkt, bekam jedoch die unbefriedigende Antwort, dass da nichts zu finden sei und wohl im Handschuhfach mal ein Getränk oder ähnliches ausgelaufen sein musste. 

Also meine Frau und ich sind seit fast dreißig Jahren zusammen und die Anzahl an Geheimnissen, die man so mit sich trägt, sind überschaubar. Auf jeden Fall zählt nicht dazu, dass einer von uns Beiden – und nur wir fahren dieses Auto – heimlich im Auto trinkt und dabei auch noch was verschüttet oder gar im Handschuhfach (der sauberste Ort des ganzen Fahrzeuges, da immer verschlossen) Getränke lagert. Somit war diese Fehlerdiagnose eher aus der Riege: „Keine Ahnung, aber das sag ich natürlich nicht, weil ich ja der Fachmann hier bin“. Ich habe nicht weiter nachgehakt und den ganzen Sommer über war es warm und trocken und kein Rinnsal im Fußraum zu orten. 

Zum neuen Inspektionstermin 2020 am heutigen Montag, hatte ich einen kleinen Zettel geschrieben, auf dem Sachen vermerkt waren, die ich gerne bei der Inspektion von Fachleuten behoben haben wollte. Die aus drei Punkten bestehende Liste, die ich aufgrund der Corona-Situation zusammen mit dem Schlüssel und Fahrzeug nur abgegeben wollte, um meine Kontakte möglichst übersichtlich gering zu halten, bestand aus den Bitten (das Wort hatte ich tatsächlich auf das Blatt Papier geschrieben): Fahrer-Tür quietscht beim Schließen, Wischwasser bitte auffüllen (ich weiß wie das geht, aber siehe oben) und Feuchtigkeit auf Beifahrerseite prüfen. 

Für meine kontaktarme Übergabe des Fahrzeuges erntete ich Unverständnis, wollte man doch gemeinsam mit mir Zeit am Auto verbringen und alles bis in Detail besprechen. Das ist vielleicht besonders servicefreundlich und manch ein Rentner nimmt diesen Zeitvertreib liebend gern an. Mein Interesse an Autos ist aber siehe oben und außerdem ist das ein Transporter, der meine Selbständigkeit, dank einer Fahrzeugbeschriftung, signalisiert und damit vielleicht auch im entferntesten die Information, dass ich mein Geld nicht damit verdiene, unter ein Auto zu gucken. Das wäre doch gleichzusetzen damit, dass ich jedem Kunden, der bei mir was drucken lässt, erstmal einen kleinen Einblick in die Technik des Vierfarbdruckes gebe und die Vorzüge meiner 9-Farben Druckmaschine erkläre, die einen weit größeren Farbraum hat, als herkömmliche Maschinen, was wiederum vielen meiner Kunden scheißegal ist, denn sie wollen einfach nur – und das möglichst schnell – etwas gedruckt haben.

Dass ich mir mit meiner kleinen handschriftlichen Wunschliste selbst ins Knie geschossen hatte, merkte ich, als ich zur vereinbarten Zeit meinen Transporter wieder aus der Werkstatt holen wollte. Es folgte ein Meisterstück zur Steigerung von Kundenzufriedenheit. Da ich die Frechheit besaß (es tut mir leid es so zu sagen zu müssen, aber es kam wirklich so rüber) einfach so den Auftrag um die Punkte auf dem Zettel zu erweitern, was es unmöglich werden ließ, die Inspektion pünktlich zu beenden. Ich böser Kunde ich. Dass die Inspektion auch ohne meine Sonderwünsche noch gar nicht fertig war, stellte sich erst in einem etwas hitzigen Gespräch heraus, welches ich hier nicht wiedergeben möchte. Bis auf die Aussage, die mich zum Titel dieses Blog-Eintrags verleitet hat: 

Die Tropfen im Fußraum könnten Mäusepippi sein. Die würden so riechen. Könnte sein, dass sich eine Maus im Luftfilter eingenistet hat. 

Das muss man sich mal so auf der Zunge zergehen lassen. Mäusepippi. Leute, ich bitte Euch. Schon mal die Nase in einen Käfig gehalten – und was anderes ist die Fahrerkabine des Transporters nun auch nicht – in dem Mäuse leben und der mal so zwei, drei Wochen nicht sauber gemacht wurde? Mein lieber Herr Gesangsverein, was habe ich mit meiner Frau gelacht – ihres Zeichens Tierarzthelferin hat sie mit diesen Gerüchen schon oft zu tun gehabt. Und ehrlich. Ich wäre nicht mal mehr mit dem Auto zur Werkstatt gefahren ohne es grundlegend zu dekontaminieren, wenn es nach Mäusepisse im Auto stinken würde. Ich wohne zwar am Wald, aber ich bin nicht blöd und kann es gar nicht leiden, wenn man mir so kommt. 

Ende vom Lied war, dass ich ohne meinen Transporter vom Hof gegangen bin und ihn erst vier Stunden später abholen konnte. Der Wassereinbruch ist nicht erkundet, dafür bräuchte man das Fahrzeug mal so zwei, drei Tage um zu sehen wo es her kommt.

Um meine Unzufriedenheit, die hauptsächlich darin besteht, dass ich nicht informiert wurde, dass das Fahrzeug zum vereinbarten Termin nicht zur Abholung bereit war, in etwas Konstruktives zu wandeln habe ich kostenfrei eine kleine Lehrstunde in Sachen Kundenkommunikation erstellt, die auf dem heutigen Tag basiert.

Wenn ein Fehler passiert oder ein Termin nicht gehalten werden kann – und das kann immer passieren, dass sieht bei uns nicht anders aus – gilt folgendes für Mitarbeiter zu beachten (klingt Oberlehrerhaft, aber eigentlich schon schade, dass man es in der heutigen Zeit überhaupt noch kund tun muss):

  • Kommuniziere mit dem Kunden!
  • Suche nach einem Weg die Sache ins Reine zu bringen!
  • Lass niemals den Kunden die Lösung suchen (Der sucht nämlich nicht lange, sondern entscheidet sich in Zukunft für einen anderen Dienstleister.).
  • Erzähle nicht dem Kunden von personellen Problemen (Bei einer Terminvergabe mit einer Laufzeit von über vierzehn Tagen, ist das für den Kunden nicht nachvollziehbar, auch wenn es vielleicht gerade so ist).
  • Suche nie einen Schuldigen, der nicht greifbar ist und schiebe die Schuld schon gar nicht auf den Kunden.
  • Erkläre dem Kunden als Mitarbeiter nicht, dass die Chefetage falsche Entscheidung getroffen hat (Ich kann zwar auch nicht verstehen warum man Kurzarbeit anberaumt, wenn was zu tun ist, aber in meinem Beisein die Autorität des Chefs zu untergraben, ist schon echt ein Hammer).
  • SEI EINFACH EHRLICH!

Ich bin echt nicht schnell aus der Ruhe zu bringen. Aber bei dieser Serviceglanzleistung ging selbst mein Blutdruck in die Höhe. Ich bin kein Mensch der laut rumschreit. Aber ich bin einer der schreibt und das ist viel schlimmer. Das verhallt nicht, das bleibt!

Morgen ist Dienstag. Der hat es wieder gut, denn der Montag hat mal wieder alles abgekriegt. Wir sollten in Zukunft erst Dienstag die Woche beginnen, um den Montag zu schonen. 

Mäusepippi? Das muss eine große Familie sein, die da im Transporter haust.

25.10.20 1000 und mehr Nächte

Das Vierjährige naht. Zumindest wenn man den Blog-Eintrag über die erste Übernachtung in der Glashütte zurückverfolgt. Das was damals aufregend war, ist Routine geworden. So ist der Mensch – ein Gewöhnungstier. Fortlaufend haben sich Dinge weiterentwickelt oder sind immer noch nicht erledigt, weil es immer wieder etwas wichtigeres, besseres oder schöneres zu tun gab. That’s Life, wer braucht schon Fußleisten. 

Am Esstisch in der Küche steht nun ein Kinderstuhl für den Enkel und ich genieße es, mich beim Einkaufen auf den Mutter-Kind-Parkplatz zu stellen. Im Übrigen eine Diskriminierung meines Geschlechtes, welches sich die Gesellschaft andersherum nicht erlauben darf. 

Das Bett steht schon lange nicht mehr an der Position wie bei Einzug und das Wohnzimmer ist auch schon zwei mal umgeräumt. Pinsel und Farbe hatte ich letztens auch wieder in der Hand um ein paar Dinge zu verschönern. 

Viele Sachen, die man sich vorgestellt hat, sind nicht eingetroffen. Andere, meist unverhoffte Dinge sind passiert. Es sind Tränen vor Glück, Freude aber auch aus Zweifel oder Sorge geflossen. Aber kein einziger Tag war bisher dabei, an dem wir unseren Schritt bereut haben. Kein Tag an dem wir uns unsicher waren.

So sehr der täglich Wahnsinn uns im Griff hat oder private oder geschäftliche Probleme zu bewältigen sind, vergessen wir nicht, was wir uns hier erschaffen und geschafft haben. Alleine aus dieser Tatsache heraus, schöpfen wir sehr viel Kraft und grade in schwierigen Zeiten lassen wir uns nicht unterkriegen und es macht uns jeden Tag stärker.

Klingt alles gut aber Friede, Freude, Eierkuchen ist natürlich auch nicht. Schon gar nicht bei den krass steigenden Corona Fallzahlen. Die Angst, dass alles was man sich aufgebaut hat, den Bach hinunter geht, schwebt schon über einem, dass lässt sich nicht leugnen. Wir sind bislang mit einem blauen Auge davon gekommen. Wollen wir hoffen dass es so bleibt und ich in weiteren 1000 Tagen wieder davon berichte, wie schön es ist. 

Vor vier Jahren gab es ein Torten-Bild. Das darf heute natürlich auch nicht fehlen. Wieder mal ein Tag mit 14.000 Kalorien. Aber lecker, was die Tochter da so zaubert.

17.09.20 Update

Die Schwalben sind auf den Weg in Richtung Süden. Noch einige Zeit konnten wir die Flugschule bestaunen, bis es zur großen Sammlung der Vögel kam und sie gemeinsam aufgebrochen sind. Wir konnten zumindest während der Flugübungen fünf Tiere zählen, Mutter und Vater sowie drei mal Nachwuchs. Wir hoffen sehr, dass sie uns nächstes Jahr wieder besuchen und weitere Nester bauen. Ich werde auch noch mehr Bretter als Nisthilfen installieren. Auch wenn es nicht zu Brüten genutzt wurde, so hatte es für die Jungvögel einen Zweck.

Anna ist leider nicht wieder in Erscheinung getreten. Und mit ihr ist leider auch die Zuverlässigkeit meines Paketdiensten entschwunden. Einen Monat hat es ganz gut funktioniert. Mit ganz gut meine ich nicht optimal oder so, wie man es sich wünscht und einem auch angeboten wird. Aber ich bin ja genügsam in dieser Beziehung geworden. Wie gesagt, einige Wochen hat die Abholung von Paketen geklappt. Ein Kunde von mir unkte heute, dass der Grund die Urlaubsvertretung des Fahrers war, der seinen Job gewissenhafter betreibt. Jetzt ist halt wieder der ursprüngliche Fahrer am Werk und der hat nun mal einfach kein Bock neben der Tatsache, dass er angestellt ist Pakete um auszuliefern auch noch welche einzusammeln. Ich kann Anna gut verstehen. So was macht mürbe.

Corona ist auch noch nicht vom Tisch. Die Hochsaison für Messen im September und Oktober ist gegessen. „Smoke it in a Pipe“, wie mir ein vollgekiffter französischer Strandurlauber seinerzeit seine Lebensphilosophie predigte. Lang, lang ist es her, mit einem Urlaub am Atlantik. Daher schnell mal ein Meer-Bild für die Sehnsucht.

Die Ökobilanz ist etwas aus den Augen geraten. Waren wir doch alle auf einem guten Weg unserem Planeten etwas mehr Lebenszeit zu schenken, diskutieren wir heute wieder über Heizpilze und der Mehrwegbecher darf nicht mehr wiederbefüllt werden. Trotz Kostenreduktion an allen Ecken und Kanten mache ich aber bei den Basics nicht mit. An Ökostrom aus 100% Wasserkraft und Ökogas wird nicht gerüttelt. Ebenso nicht an FairWare T-Shirts. Wir wollen ja nicht auf Kosten Anderer zurück in die Steinzeit.

Leider denken nicht alle so und Andere optimieren sich grade an den Abgrund. Letztens habe ich bei einer großen Firma für Papier und Grafikbedarf in Hemmingen, nicht weit von uns, eine Bestellung platziert. Ich brauchte Tintenpatronen (sechs Stück), eine Rolle Klebefolie und Wellpappe, weil wir ja auf den Plastikmüll verzichten wollen und schön alles in Recycling-Wellpappe verpacken. Unser Umweltgedanke schadete allerdings in extremer Weise der Klimabilanz. Die Firma arbeitet Deutschlandweit mit vielen Partnerunternehmen zusammen und daraus folgte: 2 Tintenpatronen kamen mit UPS aus Queis, weitere drei aus Bremen mit einem zweiten Paket. Aus Hemmingen kam auch noch ein Paket mit der letzten Patrone. Normalerweise kommt ein LKW und beliefert uns direkt mit Ware. Ist natürlich klar, dass sich für eine verbleibende Tintenpatrone kein LKW lohnt. Also drei Pakete für Tinten per Paketdient. Dann kam der LKW aber doch noch zu uns, weil ich ja Folie bestellt hatte. Hätte er da die Tinte nicht doch einfach mitbringen können? Und es kommt noch besser. Tags drauf kommt wieder der 18-Tonner auf den Hof gefahren und bringt eine Rolle Wellpappe, die er tags zuvor vergessen hatte. Leider nur eine Rolle, hatte ich doch eigentlich zwei Rollen bestellt… Ich habe es aber nicht reklamiert. Ich wollte nicht noch einmal eine Rolle Papier von einem LKW durch den Steinkrug chauffieren lassen. So, und nun soll mir doch einer mal erklären, was an dieser Auslieferung meiner Bestellung optimiert war? Grade bei Tintenpatronen sind die Margen absolut gering. Da behaupte ich mal glatt, dass durch dreimal Versand ordentlich draufgezahlt wurde. Eine Rolle Wellpappe für 14 Euro mit einem 18-Tonner anzuliefern halte ich auch für inakzeptabel. Eine echte Optimierung wäre es gewesen, mich nach meiner Bestellung mal kurz zurück zu rufen und zu hinterfragen, ob denn alle meine Bestellten Artikel Just-In-Time geliefert werden müssen, oder ob sie es nicht vielleicht sammeln könnten und ein oder zwei Tage später und dafür komplett anliefern dürfen. Wäre von meiner Seite echt kein Problem gewesen.

Im übrigen wachsen ganz seltsame Pflanzen in unserem Beet in der Nähe des Vogelhäuschens. Ich weiß genau, dass ich die dort nicht ausgesät habe und somit liegt die Vermutung nah, dass es Saatkörner aus dem Vogelfutter waren, die mal daneben gefallen sind und gekeimt haben. Es erklärt mir auch, dass so viele Vögel unser Vogelhaus besuchen. Wenn es da so lustige Saatkörner gibt, lässt es sich doch einfach entspannter durch den Tag schweben.

29.08.20 Kannste mal

Ihr kennt das sicherlich: Man bittet Euch um einen Gefallen. Kein Problem, wenn man lieb gefragt wird, ist man in der Regel ja immer bemüht zu helfen wo man kann. Gefallen erbringen hat nichts damit zu tun, eine Gegenleistung zu erwarten. Man gibt es gerne. Meine Frau und ich haben in unserem Urlaub auch einer Freundin und ihrem Mann beim Bau einer Terrasse unterstützt. Ganz ohne zu erwartende Gegenleistung, einfach aus dem Grund heraus, dass wir alles geben ihr zu ermöglichen mit den Rollstuhl noch einmal Sonnenlicht zu erblicken und nicht 24/7 im Pflegebett liegen zu müssen, obgleich sie jünger ist als wir. Die leuchtenden Augen der Dankbarkeit geben einem mehr als ein Honorar oder das Versprechen sich zu revanchieren.

Anders verhält es sich jedoch bei Gefallen, um die ich gebeten werde, die in Wirklichkeit keine Hilfestellung darstellen, sondern aus puren Eigennutz gestellt werden. Klassisches Beispiel in meiner Branche ist die Aussage: „Mensch, du machst ja T-Shirts oder Aufkleber. Ich hab da so eine Idee. Kannste mal…“ Nein. Kann ich nicht. Nicht ganz richtig, kann ich ja schon, aber ich will es nicht! 

Letztens hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich helfen kann ihm ein Grafikprogramm zu erklären. Dieser „Bekannte“ ist ein Mensch den ich sicherlich mag und schätze, aber mit dem ich in meinem Leben außer einer Geschäftsbeziehung über drei Ecken noch nie etwas zu tun hatte. Wieso kommt dieser Mensch auf die Idee, dass ich meine Freizeit opfere, um ihm einen „Gefallen“ zu tun, damit er es leichter hat mit einem Programm umzugehen, welches für Profis konzipiert wurde? Natürlich für lau, so nach Feierabend, wenn es ihm passt. Hallo? Jemand zu Hause? Fragt irgendjemand von Euch einen Malermeister, ob er Euch mal so nebenbei beibringen kann wie man ordentlich tapeziert? Geht jemand von Euch zum Tischler und fragt einen Tischlermeister, ob er mal erklären könnte wie man eine Schublade baut? Ich behaupte, das sich so etwas die allerwenigsten überhaupt trauen zu fragen. Warum bitte schön, verlangt man von mir, dass ich mein über Jahrzehnte erlerntes Handwerk einfach so preis gebe und das selbstverständlich für lau, mal eben nebenbei nach Feierabend? Jeder Maurer der nebenbei eine Garage hochzieht oder der Elektriker der ein paar Strippen neu verlegt hält am Ende des Arbeitstages – auch wenn es ein Gefallen für den Nachbarn war – die Hand auf und wird selbstverständlich für seine erbrachte Arbeitsleistung entsprechend entlohnt. Entschuldigung, aber wenn ich mich an den Rechner setze und jemandem etwas erkläre, dann bedeutet das für mich pure Arbeit und ich sehe keinen Grund, dass meine Arbeit nicht auch entlohnt werden sollte.

Wenn ich aus Gefallen mal ein paar Aufkleber machen soll, dann bedeutet das nichts als Arbeit für mich und ist gleichzusetzen mit Zement mischen oder Kabelkanäle installieren. Es bedeutet Arbeit, zu der ich in meiner Freizeit nicht bereit bin sie zu leisten, genau so wie jeder normale Mensch auch. Wenn ich im Rahmen eines „Gefallens“ Arbeit leisten soll, damit der Empfänger ein Benefit bei seinen Freunden hat, weil er sie mit ein paar irrwitzigen Aufklebern ausstatten kann, dann ist das kein Gefallen, sondern eine Dienstleistung, denn ich habe davon gar nichts! Ihr könnt mir gerne mal schreiben, welche Dienstleistung ihr als Gefallen in der letzen Zeit umsonst bekommen habt. Ich bin sehr gespannt. 

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Es geht mir nicht darum, dass man mir unter der Hand Geld zu steckt. Das habe ich nicht nötig. Es geht mir um Wertschätzung meiner Arbeit, ganz genau so wie bei einem klassischen Handwerker à la Zimmermann, Dachdecker oder auch einer Reinigungskraft! Diese Überheblichkeit „ist ja nur ein bisschen was am Computer, das ist ja keine Arbeit“ kann ich nicht leiden und dulde ich auch nicht.

Bevor ich für Menschen, die diese Einschätzung vertreten, arbeite, gehe ich lieber mit meinem Enkelkind auf dem Spielplatz schaukeln. Die leuchtenden Augen geben mir mehr als ein feuchter Händedruck und das schmierig, scheinheilige Versprechen, dass für meine getane Arbeit sicherlich mal der ein oder andere Auftrag herausspringen wird. 

13.08.20 Anna

Hurra, hurra die Post ist da. So haben wir die letzen Jahre hier im Steinkrug verbracht. Drei, vier Tage lang kein Briefausträger in Sicht und dann die geballte Ladung an einem Tag. Mittlerweile ist das Schnee von gestern, denn ein neuer Post-Fahrer hat unseren Bezirk übernommen und seit dem klappt es ganz prima mit der Zustellung von Briefen und Paketen und auch die Mitnahme unserer frankierten Geschäftspost funktioniert, auch wenn wir noch in der glücklichen Lage sind im Steinkrug über einen Briefkasten zu verfügen, der sogar regelmäßig geleert wird. Nun muss der junge Briefbote noch lernen, dass der Vormieter seit fast zehn Jahren hier nicht mehr zugegen ist und dass wir keinen Wert auf die eingeworfene Werbung für den damaligen Gartenbaubetrieb haben. Vor allem nicht, wenn in diesen großen Umschlägen immer nur linke Musterhandschuhe für Gartenbau-Interessierte mitgeliefert werden und nie ein komplettes Paar.

Einige oder besser gesagt nur Probleme haben wir mit einem Paket-Dienst. Nun möchte ich hier keine Anekdoten über Paketzustellung berichten. Davon gibt es ja nun wirklich Unmengen kurioser Berichte im Netz. Mir geht es da eher um die umgekehrte Paket-Dienstleistung. Wir versuchen seit März diesen Jahres Business-Kunde eines Paketdienstes zu werden, der unsere Pakete, welche wir an unsere Kunden und Besteller versenden möchten, bei uns abholt und ordnungsgemäß zustellt. Best möglicher Weise sogar in dem Zeitraum zustellt, den wir für das Paket vorgesehen haben, um es beim Namen zu nennen: Express.

Nun sind wir keine Viel-Versender. Soll heißen, wir haben vielleicht ein Versandaufkommen von 10 bis 20 Paketen im Monat. Damit sind wir natürlich auch nicht der attraktivste Kunde. Aber es gibt Paketdienste, die diese Kleinkunden wie mich kategorische ablehnen und es gibt welche, die trotz meines geringen Sendevolumens ihre Dienstleistung für mich bereitstellen. Dass ich als Kleinkunde nicht die besten Konditionen bekomme, ist selbstredend. Das ist mir aber relativ gleichgültig, denn die Alternative für mich besteht darin, jedes Paket in das Nachbardorf zur Postfiliale zu kutschieren und dass kostet meine Zeit und wirtschaftlich gesehen somit auch Geld. So nehme ich also einen höheren Paketpreis gerne in Kauf, wenn die Pakete aus meiner Firma abgeholt werden. 

Und jetzt kommen wir zu Theorie und Praxis: Der besagte Paketdienst ist sehr bemüht, mich als Kunden zu gewinnen. Nach meiner Anmeldung als Business-Kunde per Internetkontaktformular erhalte ich schon innerhalb von nur drei Stunden eine Rückmeldung per Telefon, womit ich nun wirklich nicht gerechnet habe. 24 Stunden später verfüge ich über eine personalisierte Preisliste, einen Online-Zugang zum Business-Portal, wo ich meine Pakete zur Abholung anmelden kann und nach weiteren 24 Stunden erreicht mich ein Paket mit hilfreichen Versandutensilien, wie ein Maßband, Versandaufkleber, Express-Paket-Band etc. Alles in allem sehr vorbildlich und super professionell. 

Ich mache es kurz und bringe es auf den Punkt: Es funktioniert nicht. Meine Sachbearbeiterin heißt Anna. Sie ruft aus dem Süden Deutschlands bei mir an und ist sehr bemüht mich bei Laune zu halten und mich als Neukunden nicht zu verlieren. Eigentlich tut es mir schon richtig leid um Anna. Sie gibt wirklich alles und würde meine Frau nicht zusammen mit mir im Büro sitzen und das Desaster der Paketabholung täglich mitbekommen, würde sie meinen, dass Anna eine vermeintliche Nebenbuhlerin sein könnte, so oft, wie ich sie am Telefon habe. Anna versucht aus ihrer Zentrale irgendwo bei Nürnberg alle Register zu ziehen, den beauftragten Subunternehmer für unseren Sektor dahingehend zu motivieren, bei uns in der Glashütte Pakete abzuholen. Leider nahezu erfolglos, denn die Quote für eine abgeschlossene Transaktion im Sinne von Abholung und Zustellung eines stink normalen Paketes ist mittlerweile bei gerade mal 20% angelangt, was für einen zuverlässig auftretenden Paketbeförderer mehr als nur ein Armutszeugnis ist. 

Bekanntlich haben wir jetzt August und es ist nur Annas Beharrlichkeit zu verdanken, dass ich weiterhin gewillt bin Pakete mit diesem Dienstleister zu versenden. Aber Reaktionszeit von 5 bis 7 Tagen zur Abholung eines Paketes sind inakzeptabel, das weiß auch Anna.

Nun habe ich mir eine große Verpackungseinheit von Paketmarkern der Post geholt. Somit unterstütze ich den im Nachbarort gelegenen Schreibwarenladen mit Postfiliale, denn irgendwie müssen die angesammelten Pakete ja mal rechtzeitig zu den Kunden. Die glauben derzeit auch schon, dass ich nicht ganz richtig ticke, wenn ich mal wieder erzähle, dass besagter Paketdienst die Sendung nicht abgeholt hat. Der lieben Anna bleibe ich aber auch treu. Wir mailen täglich. Immer wenn ich ein Paket versenden möchte, melde ich es im Online-Portal ordnungsgemäß an. Definiere den Abholtermin und wird dieser nicht eingehalten, schreibe ich Anna eine E-Mail – ein sogenanntes Ticket – mit meiner Beschwerde über die Nichtabholung und versende das Paket Tags drauf mit der Post. 

Bald brauche ich wieder Nachschub von diesen Paketscheinen der Post. Und Anna hat sich jetzt seit einigen Tagen nicht mehr bei mir gemeldet… Ich will nicht hoffen, dass sie sich auf den Weg nach Hannover gemacht hat, um den Subunternehmer für meinen Sektor mit der bei Ebay ersteigerten Kalaschnikow etwas Nachdruck zu verleihen, meine Sendungen im Namen des Paketdienstes schleunigst abzuholen und zu transportieren. Wenn ihr also mal irgendwo eine Frau seht, die einen Sprinter mir roter Aufschrift mit Waffengewallt bedroht, dann lasst Anna das mal in Ruhe durchziehen, damit sie besser schlafen kann und wir unsere Pakete abgeholt bekommen. 

Kontaktlose Übergabestation für Pakete – auch für Abholer

08.08.20 Schwalben- und Firmenstatus

Wie versprochen vermelde ich vier geschlüpfte Küken aus dem Rauchschwalbennest. Mama und Papa sind wohl auf und jagen um die Glashütte nach den besten Leckereien für die Kleinen. Auf Grund der ganzen Wildwiesen um uns herum, müssten sie eigentlich reichlich Insekten finden, die zum schnelle Wachstum beitragen. Ein Foto gibt’s leider nicht. Wir halten uns erstmal ein wenig zurück und stören das Nest nicht. Wenn die Brut etwas größer ist und die aufgesperrten Schnäbel über den Nestrand gucken, wird noch Zeit für ein Familienfoto sein.

Somit nutzen wir das Hier und Jetzt und machen eine Woche Urlaub im Steinkrug. Nettes Ambiente, wunderschöner Garten. Natur, Tiere, Ruhe und edle Tropfen aus Gerste und Trauben. Sind eigentlich keine schlechten Faktoren für eine erholsame Zeit. Nur, dass das Büro so dicht in der Nähe ist, das stört mich schon. Und ich wette auch darauf, dass trotz Ankündigung unseres Urlaubs irgendein Kunde kommt und unsere Auszeit stört. Das ist der eigentliche Grund, warum ich im Urlaub auch immer gerne einen anderen Standort bevorzuge. Aber wie schon gesagt: Positiv denken und mal wieder genießen, denn wir haben es hier echt schön.

Wir werden in unserem Urlaub noch genügend Zeit haben, das Gelege zu beobachten. Urlaub? Ja, richtig gelesen. Wir machen Urlaub. Eigentlich wollten wir ja im Mai zwei Wochen Betriebsferien machen und samt Wohnwagen nach Frankreich fahren. Aus allseits bekannten Gründen ist es ja nicht dazu gekommen. Zwar ist die Gesamt-Corona-Lage leider noch nicht durchgestanden und steigende Infektionszahlen machen schon nachdenklich, aber wir kriechen etwas auf dem Zahnfleisch und brauchen mal eine kurze Pause. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Juni und Juli wie gewohnt alle Hände voll zu tun hatten. Seit einigen Jahren betreuen wir einen Kunden, dessen Hochsaison in diesen Monaten ist und der uns auch dieses Jahr glücklicher Weise mit Aufträgen bedacht hat. Sowas hat in der Regel zur Folge, dass meine Frau und ich dann zu Arbeitsschweinen mutieren. Stress ist dann unser Adrenalin-Schub, unsere tägliche Droge. 12 bis 14 Stunden, teilweise bei 7/7 ziehen wir gnadenlos durch. Aber es hinterlässt natürlich auch seine Spuren und deswegen hat mich meine Frau genötigt vom 17. bis 21.8. den Laden dicht zu machen. Nicht das ich ein Problem damit habe Urlaub zu machen. Aber für mich bedeutet Urlaub eigentlich immer auch ein Ortswechsel. Wir haben uns aber entschlossen, uns nicht dem Reisewahn hinzugeben und bleiben zu Hause in der Glashütte. Das Risiko für uns einen Auslandaufenthalt zu machen, ist einfach zu groß. Nicht, dass die ganzen Urlaubsländer nicht bemüht sind alle Hygiene-Regeln umzusetzen. Das ist nicht das Problem. Das Risiko liegt einfach in meinen Augen darin, dass man vielleicht grade Pech hat und das Hotel, der Flieger oder der Campingplatz einen Infektionsfall hat und wir nach einer kurzen Woche Urlaub eben noch mal aus Sicherheitsgründen 14 Tage in Quarantäne müssen und somit aus einer Woche drei werden. Und das können wir uns dann doch beim besten Willen nicht erlauben. Denn obgleich ich grade groß getönt habe, dass wir ordentlich zutun hatten, muss man das auch realistisch betrachten: Den Überschuss den wir in Juni und Juli erwirtschaften benötigen wir in der Regel für die schlechten Monate November und Dezember. Dieses Jahr ist es aber so, dass der Juni und Juli die Monate März, April und Mai ausgeglichen hat und es gut sein kann, dass es zum Ende des Jahres echt eng wird. 30 Prozent Umsatzeinbußen durch ausbleibende Messe- und Veranstaltungsaufträge sind nicht aufzuholen. Aber nicht gleich wieder den Kopf in den Sand stecken. Ich bin dankbar, dass wir erstmal wieder aufatmen können. Und wer weiß, was dieses Jahr noch so passiert. Ich wage keine Prognose.

19.07.20 Vogelvieh

Nach den permanent eintreffenden und von mir vorsorglich gesperrten Blog-Kommentaren über Viagra und sonstige Pillen und Dienstleistungen sollte ich den Beitrag vielleicht „Gut zu Vögeln“ nennen. Ich kann es echt nicht verstehen, welch ein Sinn und Zweck darin besteht, meinen Blog mit derartigen Kommentaren zu befeuern. Zum Glück bleibt Euch Lesern dieser Müll erspart, da ich die gesendeten Kommentare nicht automatisch freischalte, sondern vorab sortiere bzw. lösche.

Seit unserem Einzug in die Glashütte achten wir natürlich vermehrt darauf, die Welt der Flora und Fauna nur soweit gehend zu stören, wie es bei einer Ansiedlung eines Gewerbebetriebes und des Menschen unbedingt von Nöten ist. Wenn man so direkt an den Waldrand zieht, muss man sich schon ein wenig auf die Natur einlassen und ein gewisses Miteinander pflegen, ist zumindest meine Meinung.

Seit drei Jahren versuchen wir die Vogelwelt entsprechend zu unterstützen. Nicht nur durch Futter im Winter, sondern auch durch die Möglichkeit von Brut- und Nistplätzen in Form von entsprechenden Behausungen. Ein großes Anliegen meiner Frau war die Ansiedlung von Schwalben in dem einstigen Pferdestall unter der Glashütte. Vor drei Jahren habe ich hierzu extra ein Nist-Brett an der Wand befestigt, um optimale Bedingungen zu schaffen.

Die Gegebenheiten nach drei Jahren scheinen nun optimal zu sein, denn wir können erfreut vermelden, dass wir ein Rauchschwalbennest haben. Natürlich nicht auf dem von mir angebrachten Nistplatz, sondern genau gegenüber. Als Grundlage zur Stabilisierung reichte ein alter aus der Wand stehender Nagel, um ein Meisterwerk der Baukunst aus Schwalben-Schnabel zu errichten und nicht ein profan an die Wand gedübeltes Brett.

Wir haben den Fortschritt Tag für Tag beobachten können und nun sind schon zwei Eier im Gelege. Das wird mächtig spannend. Wir haben ein bisschen unterstützend dazu beigetragen. Da die Schwalben ja meine von Menschenhand gefertigte Bruthilfe nicht angenommen haben, sind wir nicht auf die Idee gekommen uns irgendwie in das Bauwerk einzumischen. Aber wir haben durch ausreichend Bewässerung dazu beigetragen, dass genügend lehmhaltiges Baumaterial in der Umgebung zur Verfügung stand, womit das Nest täglich ein Stück größer und stabiler wurde. Unterstützend wurden noch Schweifhaare und Stroh mit eingearbeitet.

Jetzt sind wir gespannt, wie viele Eier im Gelege Platz finden und wie die Nachzucht sich so macht. Beim vorletzten Ei beginnt die Schwalbe erst mit dem Brüten. Somit werden es nach heutigem Stand mindestens vier Eier werden. Das Foto mit den Eiern ist leider etwas unscharf, weil man nicht so sehr gut an das Nest von oben ran kommt. Wir werden das für Euch dokumentieren.

Nachdem wir in den letzten Jahren das verwilderte Gelände sichtlicht kultiviert haben, ist unser Augenmerk aber stets dabei geblieben, den Insekten und dem Vogelvieh genügend Spielraum zu lassen. Gut, bei den Mäuse, hätte ich das gerne anders geregelt – ich hatte darüber ja schon berichtet. Aber ansonsten ist uns das, glaube ich, ganz gut gelungen. Bunt-, Mittel und auch Grünspecht sind unsere täglichen Begleiter und eine Kolonie aus unendlich vielen spatzen- und meisenartigen Vögeln (meine Frau kann sie alle auseinanderhalten und könnte sie jetzt wahrscheinlich auch alle aufzählen) fordert lautstark nach Futterunterstützung. Das es hier hin und wieder auch während der Sommertage im Vogelhaus etwas zu holen gibt, scheint sich ornithologisch herumgesprochen zu haben. Eichelhäher, Tauben, Gimpel, Kleiber, Bachstelzen, Rotkehlchen, Gartenrotschwänze, Amseln, Drossel, Fink und Star sind alle mit von der Partie. Mit Sicherheit habe ich jetzt irgendein Getier vergessen, was mir aus Protest morgen vor die Füße kackt oder sich mal wieder in die Halle verfliegt. So ist das mit dem Vogelvieh halt. Trotzdem freut es mich sehr, wenn die Vogelstimmen die Geräuschkulisse der nahe gelegenen B 217 übertönen.

Dieses Jahr haben wir im hinteren Teil des Gartens eine Naturwiese stehen gelassen. Das Stück wurde – wie berichtet – vor einiger Zeit von ein paar Schafen einmal gründlich abgemäht und der Boden gut befestigt. Somit haben die Wolltiere zwar eine ideale Voraussetzung für ein gutes Rasenstück geschaffen, aber warum soll ich hinter dem Haus eine Parzelle englischen Zierrasen anlegen, wenn Mohn- und Kornblumen oder auch die großen Distel sehr viel fotogener sind und sich eine Menge Insekten ebenfalls daran erfreuen. Außerdem muss ich dazu sagen, dass ich nicht im Besitz eines Aufsitzrasenmähers bin und ich mich freue, wenn ich nur zwei und nicht drei Stunden zum Mähen rund um die Glashütte benötige. Alternativ bietet mir meine Frau an die Meerschweinchen-Kolonie aufzustocken, um mich beim Rasenmähen zu unterstützen, was ich aber aufgrund der schon vorhandenen Anzahl dankend abgelehnt habe.