07.05.20 Heute ist Frankreich

Aus lauter Frust. Eigentlich hätte ich diese Woche den Wohnwagen aufbereitet, um nächste Woche unseren vierzehntägigen Jahresurlaub anzutreten. Nach Frankreich. Die Sterne standen Anfang des Jahres auch selten günstig, für diese überfällige Maßnahme. Die Kunden waren größtenteils informiert und die „Vertretung“ organisiert. Haus, Hof und Tiere hätte die Kinder übernommen und ich wäre mit meiner Frau endlich mal wieder in das Land des Baguettes gefahren, um in der Abendsonne vorm Wohnwagen alkoholisierte Traubenprodukte der Region in den Farben Weiß und Rot zu kosten. 

Soweit der Wunschtraum. Die allseits bekannten Faktoren der Reisebeschränkung und vor allem die aufgebrauchte Urlaubskasse machen unsere Pläne zu Nichte. Selbst ein Wochenende in Holzminden an der Weserschleife ist derzeit nicht drin. Zu wichtig ist es, im Büro zu bleiben und die Aufträge abzugrasen, die der Markt so bietet und zu klein das Budget, weil man ja nicht weiß was noch so kommt oder wie es überhaupt weiter geht. Der Grashalm, dass die aus März verschobenen Messeaufträge nun im September zum tragen kommen, ist im Coronawind umgeknickt. Auch für den Herbst sind alle Messen bereits abgesagt.

Wir können von Glück reden, dass dieser Bereich nur ein Viertel unseres Umsatzes ausmacht. Trotzdem sind 25% weniger Umsatz mit Ansage nicht grade spaßig. Wenn man dazu noch unterm Strich die letzten zwei Monate zum Stundenlohn von unter 6 Euro gearbeitet hat, ohne Rentenabsicherung, da alle „nicht systemrelevanten“ Ausgaben zusammengestrichen wurden, kein Grund zum Jubeln und kein Faktor, der Motivation bis in die Fingerspitzen erwarten lässt. 

Trotzdem natürlich zu viel, um unser vor vier Jahren begonnenes Projekt Glashütte in den Wind zu schreiben. Zu viel Herzblut, Schweiß und Tränen stecken im Gemäuer und die Tatsache, dass es vor Corona gut gelaufen ist, lässt mich nicht daran zweifeln, dass es der richtige Schritt war. Nur wird uns gerade mal wieder sehr viel Mut und Ausdauer abverlangt und ein Glaube an die Hoffnung, dass sich dieses auszahlt.

Noch eine kleine Anekdote von der N-Bank gefällig? Ich hoffe in die Gunst eines Kredites zu gelangen: Niedersachsen-Liquiditäts-Kredit. In der Sache keine schlechte Maßnahme. Soweit vorweg. Kann ja nicht alles immer schlecht reden. Bis auf die Tatsache, dass ich natürlich keinen Kredit aufnehmen wollte und mir ein Kredit in der veranschlagten Höhe für die Zukunft sämtliche Investitionen verbaut, da meine Liquidität zwar gepuscht wird, meine Kreditwürdigkeit aber an die Grenze gelangt. Aus Erfahrung weiß ich, dass das nicht gut ist, denn in meiner Branche ändert sich viel und man sollte immer etwas in der Hinterhand haben, um auf Marktsituationen und Neuerungen zu reagieren. Zu behaupten, dass ich mit dem derzeitigen Maschinenpark die nächsten fünf Jahr hinkomme, wäre töricht zu glauben. Aber was soll ich tun? Es wird jetzt in Zukunft ein deutlich schwierigeres Unterfangen.

Die Antragstellung stellte sich als nicht schnell und einfach heraus, wie von der Politik angepriesen, sondern als umfangreich – also so wie es bei jedem anderem Darlehen auch ist. Besonders schön war, dass ich mir am 22. April die Vertragsformulare nach einer Registrierung herunterladen konnte, um alle notwendigen Unterlagen zusammen zu sammeln. Das Ausfüllen der Formulare ist auch keine Sache, die man mal so nebenbei macht. Als ich am 24. April alles soweit fertig hatte, mein Steuerberater auch noch die notwendigen Bilanzen generiert hatte, wollte ich den umfangreichen Datenwust nun ordnungsgemäß auf den Server der N-Bank laden. Leider zu spät. Denn am 24. April hatte sich das Antragsformular geändert und alle Formulare aus der Vorzeit wurden nicht mehr anerkannt. Kein Wunder also, dass ich nicht auf einen Stundensatz eines Mindestlohn-Arbeiters komme, wenn man Sisyphusarbeit leisten muss.

Mein Ricard wird warm.
Gesund bleiben und Mama die Daumen drücken!

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