11.02.2021 Eiszeit

Ich darf es zu Hause nicht mehr erzählen, es hagelt Proteststürme und böse Worte, aber ich muss es ja mal los werden: Vor rund 52 Jahren hatten wir ähnliche Schnee-Zustände wie in den letzen Tagen. Vielleicht kann sich nicht jeder daran erinnern, auch ich kann nicht tatsächlich als Zeitzeuge vernommen werden, aber der Aussage meiner Mutter nach, hatte sie nicht unerhebliche Mühe zu meiner Entbindung aufgrund von heftigen Schneefällen und anhaltender Kälte ins Krankenhaus zu kommen, um einen weiteren Sohn – meine Wenigkeit – auf die Welt zu bringen. Und natürlich wird an dem Tage, an dem sich meine Geburt jährt immer sehr ausschmückend darüber berichtet, währenddessen sich meine Frau die Ohren zu hält.

Ich will auf dem Thema von früher nicht weiter herum reiten. Aber tatsächlich haben wir dieses Jahr Mitte Februar heftig mit Schnee und Kälte zu kämpfen. Wir sind hier im Steinkrug auch kein bisschen verschont geblieben und müssen über dreißig Zentimeter Schnee bewältigen. Nun gibt es nichts zu jammern, denn wir haben als Jahreszeit Winter im Kalender stehen und da darf es auch gerne schon mal schneien. Wir sind bloß ein bisschen verwöhnt, so dass uns die Mengen die Frau Holle zu uns geschickt hat, ein wenig (über)fordern.

Mit Schnee an sich habe ich überhaupt kein Problem. Ich liebe es, mit meinem Transporter über die fest gefahrene Schneedecke zu driften. Mein T5 ist dahingehend sehr zuverlässig und wühlt sich durch die Schneemassen. Aber wenn denn dann doch soviel Eiskristalle zu Boden fallen, dass es zur Herausforderung wird, überhaupt erstmal das Fahrzeug frei zu schaufeln, dann geht es schon ans Eingemachte. 

Schon recht bedrohlich wurde die Lage am Mittwoch. Da war eigentlich schon mit Neuschnee alles gegessen. Aber auf dem Dachboden der Glashütte hatte sich durch den scharfen Ostwind jede Menge Schnee angesammelt, der durch die Dachziegeln geweht ist. Wir sprechen hier nicht von einer Menge von zwei, drei Eimern, die man schnell mal zusammenfegt und die Sache bereinigt, sondern von teilweise bis zu zehn Zentimetern Schnee, der auf dem Rauspund der Deckendämmung lag. Selbstredend habe ich den Zustand gleich dem Eigentümer der Glashütte gemeldet, jedoch wurde die Lage aufgrund der hohen Minustemperaturen, die ja nach wie vor vorherrschen, als nicht so dringlich erachtet. Dass uns aber in der Dringlichkeit die Deckenheizung für die Halle einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, hätte wohl keiner gedacht. Die uns wohltuende Wärme bringende Heizung an der Decke – ich habe über die Konstruktion schon bei den Baumaßnahmen ausführlich berichtet – hat leider den Schnee zum nicht unerheblichen Teil, trotz der verbauten Dämmung, soweit gebracht, dass er sich entschieden hat den Aggregatzustand von Eis zu Wasser zu verändern. Und das in kürzester Zeit. Wir hatten alle eher damit gerechnet, dass wir wegen der zweistelligen Minusgrade, doch ein wenig mehr Reaktionszeitraum hatten. Ende vom Lied war, dass am Mittwoch Morgen Wassereinbuch von der Hallendecke an verschiedenen Stellen zu vermelden war. Und das auch noch im Bereich, wo unsere Drucker stehen.

Es gab bisweilen nicht viele Momente, an denen ich gezweifelt habe, hier in der Glashütte das richtige Projekt für mein bzw. unser Leben begangen zu haben. Aber ich gestehe, dass ich ein Stück weit davor war alles hin zu schmeißen. Es gibt schönere Momente im Leben als morgens mit den Worten der Frau geweckt zu werden, dass es in der Halle von der Decke tropft. 

Stand heute, Donnerstag Abend: Ein nicht unerheblicher Verbrauch von Strech-Folie, um alle Maschinen vor Tropfwasser zu schützen. Ein diffuse Menge an Rotwein, um die Nerven in Schach zu halten und ein sehr schnell und beherzt eingreifender Eigentümer, der umgehend Leute geschickt hat, um die Schneemengen über ein vom Dachdecker geöffnetes Dach zu entsorgen. Vielen Dank an dieser Stelle für die fleißigen Hände, die mit Schneeschaufeln auf dem Dachboden hantiert haben und für das umgehende Eingreifen des Verwalters der Glashütte.

Unterm Strich sind wir bislang glimpflich davon gekommen. Kein Maschinenschaden und ein Produktionsausfall von nur einem halben Tag, wenn man mal von der Schädigung der Leber durch übermäßigen Rotwein absieht. Aber leider ist es auch noch nicht ausgestanden. Zwar tropft jetzt nichts mehr, aber die Deckendämmung ist mit Sicherheit aufgrund der großen Wassermengen in Mitleidenschaft gezogen worden und muss ausgetauscht werden. Das Thema wird uns also noch ein bisschen beschäftigen.

Akut bleibt somit erstmal weiter die Schneeentsorgung im Außenbereich. Ich habe nichts gegen Schnee schippen. Ich mache das sogar ganz gerne. Problem stellte sich nun mehr aber wohin mit den ganzen Massen an weißer Pracht. Bei den Bergen, die sich bis jetzt aufgetürmt haben, gehe ich mal davon aus das wir bis weit in den März noch was davon haben werden. 

Zumindest hat es heute, seit Freitag, mal wieder mit der Post geklappt. Endlich war die Zuwegung soweit befahrbar, dass die Paketdienste im Steinkrug wieder zugestellt haben. In der Briefpost war ein Kuvert meiner Mutter. Ob sie mich wohl an das Schneechaos 1969 erinnern möchte?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.