28.05.20 Epidemic Festival

Wie so oft kommt die Lösung plötzlich und unerwartet. Nun wird dieser Blogeintrag nicht die Welt verändern und auch nicht das Corona-Virus vernichten, aber er hilft vielleicht wieder ein Stück weit aus dem Koma des nicht wirklich dagewesenen Lockdown zu kriechen. 

Ich hatte mich schon seit Anfang der Krise gefragt, ob es einen Weg gibt, wirtschaftlich dem ganzen etwas positives abzugewinnen. Mein Fazit bisher: Leider nein. Ja, wir haben Fußbodenaufkleber für Handel und Gewebe produziert und einige Schilder, Poster und Acrylglasverkleidungen verkauft. Ich kann aber nicht behaupten, dass ich in irgendeiner Weise aus der Pandemie Sache Profit geschlagen habe. Die gefertigten Produkten haben nicht mal die Verluste abgedeckt, sondern lediglich dazu beigetragen nicht ganz den Kopf in den Sand zu stecken. Wie sagte doch eine befreundeter Landwirt letzten zu mir: Wenn man bis zum Hals in der Gülle steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Ich mag diese Art von Humor.

Ich bin nicht auf den Zug aufgesprungen und habe Masken genäht und bedruckt. Die letzten zwanzig Jahre meiner Selbständigkeit habe ich mich daran gehalten, nur Dinge zu fertigen und zum Kauf anzubieten, von denen ich überzeugt war. Diese Einstellung werfe ich jetzt nicht mal eben über den Haufen. Genau so habe ich in meinen T-Shirt-Shop nicht auf einmal blödsinnige Corona-Shirts mit dämlichen Sprüchen angeboten. Bevor ich auf dieses Niveau sinke, gehe ich lieber zum Nachbarn und stecke mal flugs meine Hand in die laufende Kreissäge. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass mir auch nicht besonders viel kreatives eingefallen ist, was man in Zusammenhang mit Corona sinnvoll vermarkten kann. Bis auf ein paar bedruckte Turnbeutel mit #supportyourlocals und individueller Postleitzahl ist nichts weiter von mir auf den Markt gebracht. Die wiederum sind aber gut (!) und auch neben dem Produkt als solches, deutlich nachhaltiger, weil die Beutel langlebig sind und man diese Aussage gerne noch nach einer Corona-Krise nutzen darf.

Auch noch in anderen Farben erhältlich

Jetzt bin ich aber in der wunderbaren Lage auch noch ein hervorragendes, kreatives und nachhaltiges Kleidungsstück in Form eines T-Shirts zu promoten. Ein ehemaliger Kollege und begnadeter Grafikdesigner aus einer alten Wirkungsstätte rief mich die Tage an. Ich würde da doch so in T-Shirts machen, sogar in Bio. Er hätte da mal so eine Idee.

Thomas kenn ich noch aus Zeit, in der ich mich als Grafiker im Angestelltenverhältnis durchschlug. Wir haben zusammen gearbeitet und teilten uns ein Büro. Markenzeichen dieses kreativen Raumes war das permanent dudelnde Radio. Wir verdrückten beide eine Träne als damals DT64 seinen Sendebetrieb einstellen musste und dem Mainstream-Sender Sputnik weichen musste (Jetzt könnt ihr alle mal schön googeln in welchem Jahrhundert das war).

Nun muss man wissen, dass so wohl ich, als auch besagter Thomas liebend gerne die lauen Sommerabende auf Open-Air-Festivals verbringen und neben lauschigen oder auch härteren Klängen gerne das ein oder andere Kaltgetränk zu uns nehmen. Diesen Sommer sind wir dahingehend natürlich die Gekniffenen. Alle Konzerte, alle Festival sind ja erstmal abgesagt. „The Lost Summer“. Somit auch keine Gelegenheit sich am Merchendise-Stand durchzudrängeln und ein T-Shirt seiner Lieblingsband zu konsumieren und mit stolzer Brust und leichtem Bierbauch durch die Gegend zu tragen.

Thomas hat aus der Not eine Tugend gemacht. Denn so gesehen, sind wir Teil einer ganz besonderen Generation. Generation Zero, sozusagen. Und auch wenn man der Situation nicht viel abgewinnen kann, so hat man die Möglichkeit, seinen Kindern und Enkelkindern später mal zu erzählen, wie das damals so war. Denn wir waren mit dabei, auf der Welttour des „Epidemic-Festival 2020“

Ich finde eine sehr schöne, kreative Idee mit der Lebenslage klar zu kommen. T-Shirts gibt es über www.daug-design.de und wenn wir uns über die Tantiemen einig werden (Design ist ein knallhartes Geschäft) wahrscheinlich auch in Kürze bei uns im Shop unter www.myartworkshirt.de .

Zoomt mal ran: echt krasse Bands spielen da 😉

07.05.20 Heute ist Frankreich

Aus lauter Frust. Eigentlich hätte ich diese Woche den Wohnwagen aufbereitet, um nächste Woche unseren vierzehntägigen Jahresurlaub anzutreten. Nach Frankreich. Die Sterne standen Anfang des Jahres auch selten günstig, für diese überfällige Maßnahme. Die Kunden waren größtenteils informiert und die „Vertretung“ organisiert. Haus, Hof und Tiere hätte die Kinder übernommen und ich wäre mit meiner Frau endlich mal wieder in das Land des Baguettes gefahren, um in der Abendsonne vorm Wohnwagen alkoholisierte Traubenprodukte der Region in den Farben Weiß und Rot zu kosten. 

Soweit der Wunschtraum. Die allseits bekannten Faktoren der Reisebeschränkung und vor allem die aufgebrauchte Urlaubskasse machen unsere Pläne zu Nichte. Selbst ein Wochenende in Holzminden an der Weserschleife ist derzeit nicht drin. Zu wichtig ist es, im Büro zu bleiben und die Aufträge abzugrasen, die der Markt so bietet und zu klein das Budget, weil man ja nicht weiß was noch so kommt oder wie es überhaupt weiter geht. Der Grashalm, dass die aus März verschobenen Messeaufträge nun im September zum tragen kommen, ist im Coronawind umgeknickt. Auch für den Herbst sind alle Messen bereits abgesagt.

Wir können von Glück reden, dass dieser Bereich nur ein Viertel unseres Umsatzes ausmacht. Trotzdem sind 25% weniger Umsatz mit Ansage nicht grade spaßig. Wenn man dazu noch unterm Strich die letzten zwei Monate zum Stundenlohn von unter 6 Euro gearbeitet hat, ohne Rentenabsicherung, da alle „nicht systemrelevanten“ Ausgaben zusammengestrichen wurden, kein Grund zum Jubeln und kein Faktor, der Motivation bis in die Fingerspitzen erwarten lässt. 

Trotzdem natürlich zu viel, um unser vor vier Jahren begonnenes Projekt Glashütte in den Wind zu schreiben. Zu viel Herzblut, Schweiß und Tränen stecken im Gemäuer und die Tatsache, dass es vor Corona gut gelaufen ist, lässt mich nicht daran zweifeln, dass es der richtige Schritt war. Nur wird uns gerade mal wieder sehr viel Mut und Ausdauer abverlangt und ein Glaube an die Hoffnung, dass sich dieses auszahlt.

Noch eine kleine Anekdote von der N-Bank gefällig? Ich hoffe in die Gunst eines Kredites zu gelangen: Niedersachsen-Liquiditäts-Kredit. In der Sache keine schlechte Maßnahme. Soweit vorweg. Kann ja nicht alles immer schlecht reden. Bis auf die Tatsache, dass ich natürlich keinen Kredit aufnehmen wollte und mir ein Kredit in der veranschlagten Höhe für die Zukunft sämtliche Investitionen verbaut, da meine Liquidität zwar gepuscht wird, meine Kreditwürdigkeit aber an die Grenze gelangt. Aus Erfahrung weiß ich, dass das nicht gut ist, denn in meiner Branche ändert sich viel und man sollte immer etwas in der Hinterhand haben, um auf Marktsituationen und Neuerungen zu reagieren. Zu behaupten, dass ich mit dem derzeitigen Maschinenpark die nächsten fünf Jahr hinkomme, wäre töricht zu glauben. Aber was soll ich tun? Es wird jetzt in Zukunft ein deutlich schwierigeres Unterfangen.

Die Antragstellung stellte sich als nicht schnell und einfach heraus, wie von der Politik angepriesen, sondern als umfangreich – also so wie es bei jedem anderem Darlehen auch ist. Besonders schön war, dass ich mir am 22. April die Vertragsformulare nach einer Registrierung herunterladen konnte, um alle notwendigen Unterlagen zusammen zu sammeln. Das Ausfüllen der Formulare ist auch keine Sache, die man mal so nebenbei macht. Als ich am 24. April alles soweit fertig hatte, mein Steuerberater auch noch die notwendigen Bilanzen generiert hatte, wollte ich den umfangreichen Datenwust nun ordnungsgemäß auf den Server der N-Bank laden. Leider zu spät. Denn am 24. April hatte sich das Antragsformular geändert und alle Formulare aus der Vorzeit wurden nicht mehr anerkannt. Kein Wunder also, dass ich nicht auf einen Stundensatz eines Mindestlohn-Arbeiters komme, wenn man Sisyphusarbeit leisten muss.

Mein Ricard wird warm.
Gesund bleiben und Mama die Daumen drücken!

25.04.20 Vermummungsverbot

Als wir uns gegen den Transport von Castoren quer durch Deutschland gestellt haben, galt es noch es einzuhalten: Das Vermummungsverbot. Bedecken von Mund und Nase mit einem Tuch, Sturmhaube oder Maske stand unter Strafe und tut es eigentlich heute auch noch. Mit dem kleinen Unterschied, dass es ab Montag auch unter Strafe steht sich nicht zu vermummen, soll heißen, dass es nicht erlaubt ist, ohne eine Maske – Bedeckung von Mund und Nase – einkaufen zu gehen, ganz gleich ob im Supermarkt oder im sonstigen Einzelhandel. 

Gut zu Corona Zeiten ist sowieso alles anders und schwupp, gelten in Deutschland auch nicht mehr einheitliche Richtlinien oder Gesetzte. Selbst ich muss mit meinem Gewerbe aufpassen. Wir haben zwar nur sehr geringfügigen Kundenverkehr, aber rechtlich gesehen bin ich als Gewerbetreibender dafür haftbar, dass meine Kundschaft sich daran hält, eine Maske zu tragen, wenn sie in mein Betrieb kommt und etwas abholen oder kaufen oder bestellen möchte. Ich hingegen bin – zumindest in Niedersachsen – nicht verpflichtet ein Maske zu tragen. In Bayern wäre das anders, weil bayrische Corona Viren wahrscheinlich ganz anders strukturiert sind, als die trägen niedersächsischen… 

Aber auch ich muss mich umstellen, denn wenn ich am Montag in den Supermarkt gehe, um Wein und Kuchen für die Großmutter zu kaufen, muss ich eine Maske aufsetzen. Da es ja bekanntlich keine Masken zu kaufen gibt, darf ich aber auch ein Schal oder Tuch benutzen. Und ich werde mir auch keine medizinische Maske kaufen, da es wesentliche wichtigere Menschen gibt, die diese Schutzvorrichtungen brauchen als meine Wenigkeit. Also werde ich mit einem Lappen vor Mund und Nase durch die Gänge laufen und mich in Sicherheit vor dem Corona Virus wiegen. Mit einem gewöhnlichen Stück Stoff aus dem täglichen Hausgebrauch. 

Entschuldigt bitte, aber werden wir eigentlich alle für völlig bekloppt gehalten? 

Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen krank werden, weil sie diese blödsinnige Maske seit einer Woche unter dem Kinn tragen und schon mehrere Stunden durchgespeichelt haben und meinen, im Supermarkt diese schnell mal über die Nase zu ziehen, um gesund zu bleiben. Wie töricht ist die Menschheit, wie geistesabwesend ist unserer Politik. Das kann doch nicht der richtige Weg sein. Blinder Aktivismus. Wir müssen irgendetwas tun, damit keiner sagen kann wir haben nichts getan. 

Nun gut.Wenn ich in den nächsten 14 Tagen einkaufen gehen will, was ich auch muss, weil ich nicht gehamstert habe, werde ich nicht darum hin kommen mir ein Stoff-Fetzen vor das Gesicht zu packen. Weil ich zum einen sonst gar nicht in den Supermarkt komme oder den kleinen Einzelhändler in Verlegenheit bringe, dass er eine Strafe kassiert, weil er nicht darauf geachtet hat, dass seine Kunde maskiert ist. 

Es bleibt ein fader Beigeschmack, dass Menschen uns regieren, die uns Dinge für gut und wichtig verkaufen wollen, die einfach nur lachhaft sind. 

Bleibt gesund, mit Abstand und ordentlich Hände wachsen. Hat ja einige Wochen ohne Maske prima funktioniert. Sollte mich jemand beim einkaufen treffen, ich sehe dann so aus:

17.04.20 Bitterer Beigeschmack

Wir sind gesund! Das ist mal die gute Nachricht des heutigen Tages und dafür muss man auch mal Dankbarkeit zeigen. Das gesunde Denken einiger Mitmenschen im Bereich von Gewerbetreibenden scheint jedoch ein wenig in Mitleidenschaft geraten zu sein. Fairer Weise kann man aber dafür nicht den Corona-Virus verantwortlich machen. Ich würde das eher als eine Hauptsache-Ich-Überlebe- Erkrankung bezeichnen.

Wir hatten heute eine regionale Anfrage zur Fertigung von Fußbodenaufklebern. Wie ihr sicherlich alle schon mitbekommen habt, dürfen ab Montag ja wieder so einige Geschäfte öffnen. Es macht mir den Eindruck, dass bei einigen Ladeninhabern diese Nachricht sehr überraschend gekommen ist und man nicht darauf vorbereitet war, seinen Laden auch irgendwann mal wieder zu öffnen. Das macht mich etwas stutzig. Sollte man doch meinen, dass Geschäftsinhaber nur darauf gewartet haben, wieder die Ladentür zu öffnen. Allerdings waren die Leute vielleicht der Meinung, dass man eben mal drei Wochen seinen Laden zu macht und danach alles ist wie früher. Deswegen werden diese Geschäftsleute jetzt etwas panisch und reagieren seltsam, haben sie doch etwas blauäugig in die Zukunft geschaut.

Auf jeden Fall gab es eine Anfrage, mal eben ganz schnell zu Montag eine größere Anzahl von Aufklebern zu fertigen, die auf den Betonfußboden draußen auf den Bürgersteig geklebt werden können. Solche Aufkleber gibt es und ist auch kein Hexenwerk diese zu produzieren. Das Material hierfür hätte ich sogar problemlos organisieren können. Man muss schon von organisieren sprechen, weil aufgrund der erhöhten Nachfrage diese Folien bei einigen Großhändlern auch schon ausverkauft sind. Ähnlich wie Acrylglas (man sagt eigentlich aus Gewohnheit gerne Plexiglas dazu. Plexiglas ist aber eine eingetragene Marke, ähnlich wie wir zu Taschentüchern immer Tempo sagen.). Wenn ich heute mein Großhändler für Acrylglas anrufe und kurzfristig Material bestellen will, höre ich am anderen Ende des Hörers ein lautes, schallendes Lachen. Acrylglas ist ausverkauft. Lieferzeit zirka vier Wochen. Ist ja auch klar, denn jeder braucht an der Kasse einen Spuckschutz, der vorzugsweise auch noch durchsichtig ist.

Zurück zum Ursprung: Die angefragten Aufkleber für eine Organisation von regionalen Ladenbesitzern wurden nicht bei mir bestellt. Sie haben im Internet eine Quelle gefunden, die günstiger war, als mein Angebot für die gewünschte Anzahl an Aufklebern. Grundsätzlich kein Problem. Das ist die freie Marktwirtschaft. Der einzig bittere und sehr bedenklich Beigeschmack der bleibt ist der, dass diese Organisation von Ladenbesitzern ganz laut nach „Kauft regional, unterstütz unsere kleinen Einzelhändler“ schreit und jammert dass der Einzelhandel stirbt. Danke sage ich jetzt. Es tut mir wirklich leid. Aber ich werde bei Euch nicht mehr kaufen! Wenn ihr über Leichen geht und Euch immer nur die Rosinen raus pickt, damit es Euch gut geht ohne einmal nach links oder rechts zu schauen und den tollen Slogan #supportyourlocals nicht auch selber verinnerlich, kann ich Euch leider nicht mehr unterstützen und werde meine nächste Jeans, meine Uhr oder auch meine Schuhe im Internet kaufen. Nicht, weil mir das Spaß macht oder Geiz geil ist. Nein, weil ich keine Lust habe, Geschäftsinhaber zu unterstützen, die nur auf ihren Vorteil erpicht sind und die von Gemeinsam und Solidarität nicht einmal in der Schule etwas gehört haben.

Ein Hand wäscht die Andere. So läuft das bei mir und bislang bin ich damit sehr gut gefahren!

Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille und die ist überaus lobenswert hier zu erwähnen. Wir haben einen Kunden, der bei uns seine Arbeitskleidung bestellt, welche wir mit Drucken versehen. Das machen wir für diesen Kunden eigentlich immer zum Ende des Jahres. Er hat diesen Auftrag einfach vorgezogen, um uns jetzt zu unterstützen. Er braucht die Klamotten ja eh. Super Einstellung und sehr hilfreich, zudem der Zahlungseingang innerhalb 24 Stunden nach Lieferung erfolgte. Großes Dankeschön.

Noch so ein Ding, was mir fast Pippi in die Augen treibt: Ein Großkunde der uns als Lieferant nicht verlieren möchte, hat uns angeboten Vorabzahlungen zu leisten, für Dinge, die wir im zweiten Halbjahr leisten werden. Ist das nicht der Hammer?

Dazu kommen natürlich auch unsere Lieferanten. Den geht es ja auch nicht unbedingt rosig. Trotzdem halten sie zu uns, auch wenn wir das Zahlungsziel von 30 auf 60 Tage erhöht haben, um unsere Liquiditätsprobleme auf deren Rücken auszutragen. Sie sind weiterhin immer zuverlässig. Da zeichnet es sich aus, dass man nicht immer bei billig24punktde bestellt, sondern seit 20 Jahren seine Lieferanten ebenso pflegt wie seine Kunden.

Positives Fazit: Wir können alle durch diese Krise gewinnen, wenn wir es gemeinsam meistern.

Bittere Erkenntnis: Egal wie groß die Not, es wird immer Menschen geben, die nur an ihren eigenen Vorteil denken.

08.04.20 Wilde Sau

Ich habe Euch in dem Blogeintrag mit der Soforthilfe von vor einigen Tagen noch versprochen, dass ich Euch Optionen aufzeige, die es möglich machen an die Corona-Sofort-Hilfe zu gelangen. Im Vorfeld möchte ich aber schon erwähnen, dass ich keines dieser Beispiele für mich berücksichtigt habe. Sie bewegen sich aber durchaus im legalen Rahmen – Rechtssicherheit hiermit allerdings ausdrücklich ausgeschlossen.

Variante 1: Gut Ding will Weile haben.

Ich erhalte die Soforthilfe wenn ich keine Einnahmen darstellen kann. Kein Problem also, wenn der Laden geschlossen ist. Nach Möglichkeit mindestens die Monate April, Mai, Juni. Mit null Einkünften erhalte ich volle 9.000 Euro (ausgehend von einem Kleinstunternehmen bis 5 Mitarbeiter und betrieblichen Kosten von mind. 3.000 Euro im Monat). Als Ladenbesitzer ist diese Variante nicht leicht umzusetzen, weil es wirklich der Notwendigkeit bedarf, keinerlei Einkünfte zu haben. Sollte man seien Laden im Mai wieder öffnen dürfen, hat man, wie schon am Beispiel der vorangegangenen Einträge, leider verloren. Bei einem Betrieb der keinen direkten Kundenverkehr hat, ist es aber durchaus einfacher zu gestalten. 

Es heisst ganz klar, dass ich in den Monaten April, Mai und Juni keine Einkünfte haben darf. Es heisst aber nicht, dass ich nicht arbeiten darf. Soll heißen: Ich kann jeden Auftrag, den meine Firma erreicht ordnungsgemäß abarbeiten, nur darf ich die Rechnung nicht in den Monaten April, Mai, Juni stellen. Wenn ich also genügend Kapital in der Hinterhand habe, dann arbeite ich drei Monate durch und schreibe alle Rechnungen erst im Juli. Somit habe ich null Umsatz in den drei im Antrag relevanten Monaten erwirtschaftet und komme in den Genuss von 9.000 Euro von Vater Staat. Geschenkt und sogar legal, wenn ich nachweisen kann, dass ich Liquiditätsprobleme hatte, was bei drei Monaten ohne Rechnungsausgang gar nicht so schwierig ist. 

Dass man im Juli dann mal eben eine Rechnung mit einem fünf- oder sechsstelligen Betrag für die Leistungen der letzten drei Monate schreibt und auch bezahlt bekommt, spielt antragstechnisch keine Rolle. Bei Firmen, die keinen Wareneinsatz haben, sondern nur ihr geistiges Gut verkaufen, eine sehr interessante Variante.

Variante 2: Wilde Sau.

Ihr habt sowieso kein Bock mehr auf die nichts einbringende Ich-AG? Habt die Schnauze voll täglich unter Mindestlohn zu arbeiten, weil der Arbeitstag eines Selbständigen halt nicht nur acht, sondern 12 oder mehr Stunden abverlangt? Dann schlage ich folgende Methode vor, die selbst mein Steuerberater als lustig und überlegenswert bewertete.

Schaffe dir ein Liquiditätsproblem, indem du zum nächsten Getränkemarkt fährst und dein Firmen-Transporter bis unter das Dach voll mit alkoholhaltigen Getränken lädst und sie schön auf Firmenkosten bezahlst – für das anstehende Betriebsjubiläum. Und komm mir jetzt nicht damit, dass Du kein Betriebsjubiläum hast, weil deine Firma erst 3,805137 Jahre am Start ist. Mensch, sei mal kreativ! 3,805137 Jahre bedeuten 33.333 Stunden. Rechne das mal hoch und berücksichtige auch Minuten oder gar Sekunden, dann wird es dir leicht fallen an jedem X-beliebigen Tag ein echtes steuerrelevantes Betriebsjubiläum auszurufen! 

Danach fährst Du zu deinem Porsche-Händler deines Vertrauens. Bitte aber erst den Transporter mit den Getränken entladen und nicht naschen! Bei aller Krisenstimmung: Drink an Drive ist ein absolutes NoGo! Alternativ ist auch der Audi-Händler eine Alternative. Mit dem klimaegalen SUV Q8 RS mit schlanken 600 PS hilfst Du der Luftverschmutzung sich wieder an die Zeit mit Flugverkehr zu gewöhnen. 

Dort least Du Dir ein schönes Auto für schlanke 3.000 EUR Leasingrate in Monat. Merke: Leasingraten werden im Soforthilfe-Antrag berücksichtigt! Wenn Du diese Kosten angibst, deine Arbeit ruhen lässt, weil es einfach geiler ist auf den leeren Autobahnen zu cruisen als im Büro zu sitzen, hast Du null Einkommen und auch als Kleinstunternehmer mit eigentlich nur sehr geringen laufenden Kosten das Recht auf volle 9.000 Euro. Das deckt locker die Spritkosten bei den derzeitigen Preisen. 

Nach drei Monaten bist Du natürlich am Arsch. Aber bis dahin hattest Du jede Menge Spaß und mit dem ganzen Alkohol auch jeden Abend null schlechtes Gewissen, weil du es einfach weggetrunken hast. Nach drei Monaten kannst Du dann immer noch Grundsicherung beantragen und die angemeldete Insolvenz ist nicht einmal verschleppt. 

Wenn ich Euch jetzt noch schreibe, dass meine Partnerin noch steuerfreies Gehalt aus der Firma ziehen kann, weil sie mich aufgrund der Leberzirrhose pflegen muss… dann wird meine Frau und Lektorin diesen Beitrag leider nicht einstellen.

05.04.20 Mal Danke sagen!

Mein letzter Blog-Beitrag hat viele Reaktionen hervorgerufen. Ich hatte den Blog auch über mein WhatsApp Status verbreitet. So viele Klicks hatten wir noch nie. Vielen Dank dafür. Klar waren da auch kritische Worte dabei, die die Sachlage anders sehen. Keine Frage. Der Beitrag war für mich aber nicht nur in Bezug auf mein eigenes Wohl wichtig, sondern auf die Tatsache, dass es ganz vielen Kleinstunternehmen und Soloselbstständigen so geht, dass sie einfach gar nicht mehr wissen, wie sie mit der derzeitigen Situation klar kommen sollen. Jeder Steuerberater sagt was anderes, jeder Jurist zieht andere Schlüsse und jeder Betroffene hegt Hoffnungen.

Es ist einfach eine Schande, dass uns von der Politik ein Haufen von Fragen vorgeworfen wird, die uns keiner beantworten kann oder deren Antworten aus einem unklaren Eiertanz bestehen. Kleines Beispiel: In den FAQ der NBank (ich hatte im letzten Beitrag erwähnt, dass diese Institution für die Vergabe der Gelder in Niedersachen zuständig ist) vom 02.04.20 stand eindeutig, dass private Krankenversicherungen mit zu den veranschlagten Kosten gehören. Die Änderung der FAQ am 03.04.20 besagt, dass Krankenversicherungen generell nicht zu den anzurechnenden Kosten gehören. Man hat wohl scheinbar einfach vergessen das NICHT mit zu tippen und es am Tag darauf schnell mal nachgeholt.

Seht ihr jetzt was ich meine? Ist das pure Willkür, mit der hier Maß genommen wird? Sowas ist doch in einem Staat wie unserem eigentlich gar nicht möglich – dachte ich bislang. Mal davon ganz abgesehen, dass es ja wohl eine absolute Farce ist, dass eine Krankenversicherung für Selbstständige nicht zu den grundlegenden Kosten gehört. Jeder Mini-Jobber hat ein Anrecht darauf – und das auch völlig zurecht.

Weiteres no-go meiner Meinung nach: Warum gelten eigentlich in jedem Bundesland andere Maßstäbe für eine BUNDES-Soforthilfe? Jedes Bundesland hat einen eigenen Antrag und legt die Vergabekriterien entsprechend unterschiedlich aus. Wer mal ein bisschen im Netz rum surft, wird relativ schnell viele verschiedene Formulare und Regeln bemerken, die in den einzelnen Bundesländern zur Anwendung kommen. Niedersachsen scheint auch hier wieder eher Träger der roten Laterne zu sein, was die Höhe der Zuschüsse angeht. Wobei man ja fairerweise sagen muss, dass die Höhe der Fördersumme ja gar keine Rolle spielt, wenn man sie eh nicht bekommt.

Was mich sehr berührt hat, sind die Fragen von vielen Leuten, ob sie irgendwie helfen können.

Ja! Ihr könnt helfen.

Hinterfragt in der Zukunft einfach mal Euer Einkaufsverhalten – und ich persönlich schließe mich da nicht aus. Ist es wirklich notwendig ein Buch über den Versand zu bestellen? Der Buchladen um die Ecke besorgt Euch das Buch doch genau zu schnell. Ich habe letztes Jahr Stauden über den Versandhandel bestellt. So ein Schwachsinn. Der Gärtner an der Ecke hätte diese Pflanzen auch gehabt. Klar, sicher ein Euro teurer, aber ich hätte noch einen klugen Tipp zum einpflanzen bekommen und wahrscheinlich wären dann alle Blümchen auch angegangen.

Und Leute, Ihr habt Kontakt! Ihr könnt mit Menschen reden. Ihr seht doch, was einem grade so fehlt. Wenn wir die kleinen Läden nicht unterstützen und immer nur bis zum Mausklick denken, dann hat sich das mit der Vielfalt in unseren Städten sehr schnell erledigt.

Helft also mit und #supportyourlocals ! Wenn es den kleinen Einzelhändlern gut geht, dann bestellen Sie auch bei mir wieder ihre grafischen Sachen und somit schlagt ihr zwei Fliegen mit einer Klappe.

Ein weiteres Dankeschön möchte ich noch an meine Kunden senden. Den geht es allen ja nicht besser als uns, aber trotzdem halten sie zu uns und versuchen im Rahmen des Möglichen bei uns zu bestellen, um uns als Lieferanten nicht zu verlieren.

Und eines kann ich Euch versprechen. Die Wut macht uns nur noch stärker! Wir lassen uns nicht unterkriegen und alle zusammen schaffen wir das auch!

Danke an Finja für die Unterstützung bei der Logo-Gestaltung

03.04.2020 Ammenmärchen


Ich war hell auf begeistert und sehr positiv gestimmt, dass trotz der desolaten Lage durch das Corona-Virus Licht am Horizont zu erkennen war, als diese Nachricht über den Äther tickert. 9.000 Euro Soforthilfe vom Bund. 3.000 Euro Soforthilfe vom Land Niedersachsen. Strahlende Politiker im Rampenlicht, die Gutes vor den Augen der Öffentlichkeit kund taten. Das war am 21. März 2020.

Schon zwei Tage später relativierte sich die Aussage. Das kleine Wörtchen bis 9.000 Euro Soforthilfe wurde hinzugefügt. Über den Zeitpunkt der Verfügbarkeit wurde kein Wort verloren. Laut Duden bedeutet sofort „ohne zeitliche Verzögerung, unverzüglich“; somit wurde aus der Soforthilfe eine „Bleiben sie ruhig, irgendwann kommt sicherlich bald Hilfe“-Hilfe.

Zwischenzeitlich wurde auf den Zugriff von 3.000 Euro Soforthilfe vom Land Niedersachsen verwiesen. Leider war sie aber nicht zu beantragen, da Serverprobleme auftraten, da die zuständige Landesbank noch mit dem Lochkartensystem arbeitet und sich zum Gespött der IT-Branche machte. Als ich endlich die Förderbedingungen in der Nacht zum 27. März einsehen konnte, stellte sich schnell heraus, dass ich mit meiner Firma nicht zu den Förderwürdigen gehöre, der für eine Soforthilfe in Frage kam. Ärgerlich, unsere Umsätze waren im März erst um knapp 40% eingebrochen und hatten somit die geforderten 50% noch nicht erreicht. Die Alternative Liquiditätsprobleme anzugeben kam auch nicht in Frage. Ich bin in der komfortablen Lage auf recht hohe Überziehungskredite von meinen Banken zurückgreifen zu können. Diese hätte ich dann erst mal ausschöpfen müssen. So ein Dispo wird in der Regel mit 10-11% verzinst. Dann hätte ich die 3.000 Euro Förderung gleich an meine Bank weitergeleitet. Sowas macht vielleicht Sinn in einer Bankenkrise, um diese zu retten, aber nicht um ein Kleinstunternehmen am Leben zu halten. Alles halb so schlimm, dachte ich mir, stelle ich den Antrag eben erst im April. Da es ab Mitte März mit der Auftragslage rapide bergab ging, würden wir im April die 50% Umsatzeinbußen-Marke leider problemlos erreichen. Die paar Tage konnte ich ja noch abwarten, schließlich gab es eine Antragsfrist bis zum 30.04.2020.

In der Newsletter der NBank (die Bank, über die alle Soforthilfen abgewickelt werden müssen) wurde am 31.03.2020 um 18 Uhr bekannt gegeben: Jetzt kommt die Corona-Soforthilfe vom Bund! Programmstart 31.03.20 um 23.59 Uhr.

Was, Antragsschluss war eben doch noch der 30.04.? Mal eben die Bedingungen geändert? Was soll das denn? Wie geht das? Ist das erlaubt? Ist das fair und was ist mit dem Zitat von Herrn Scholz? Herr Altmaier, wie war das doch gleich mit Ihren Worten „Wir lassen niemanden allein“?

Von zwei selbstständigen Leuten in meinem Freundeskreis, die den Antrag rechtzeitig am 28.03. gestellt haben, konnte mir noch keiner einen Geldeingang bestätigen. Schnell geht anders, dabei erfüllen sie zu 100% die dritte Möglichkeit an die Soforthilfe zu gelangen: Ihr Laden wurde geschlossen. Somit also auch nichts dran zu rütteln, dass diese Geschäftsleute noch viel schlechter dran sind als ich mit meiner Firma und den Zuschuss genau so nötig haben.

Nein, ich war am 31.03. um 23.59 Uhr nicht am Rechner und habe versucht auf die Seite der NBank zu gelangen. Ich habe mir das Antragsformular erst am nächsten Morgen herunter geladen. Gut so, hatte ich wenigstens noch eine Nacht zum Durchschlafen. Jetzt wo ich das Formular und das Kleingedruckte kenne kann ich nicht mehr schlafen. Mich plagen leider Existenzsorgen. Denn ich bekomme keine 9.000 Euro vom Bund. Ich bekomme auch nicht bis 9.000 Euro. Ich bekomme gar nichts! Denn die Bedingungen haben sich verändert: Man bekommt jetzt einen Zuschuss für gewerblich Miete, Pacht und Leasingraten abzüglich eventueller Einnahmen und das errechnet sich wie folgt:

Angenommen ich habe anrechenbare Kosten von 4.500 Euro. Darin enthalten gewerbliche Miete Strom, Gas, ein Leasingfahrzeug und auch noch eine Maschine die über eine Leasing läuft. Nichts ungewöhnliches für ein kleines Unternehmen. Dazu kommen eigentlich auch noch Kosten für eine Rentenversicherung, die man aber nicht einrechnen darf, laufende Kredite (sind nicht mit einzuberechnen, da man diese ja stunden lassen kann) ebenso wie ein Gehalt, welches man sich natürlich zahlt um eine private Miete zu bezahlen und Lebenshaltungskosten abzudecken – darf nicht mit veranschlagt werden! Unterm Strich entstehen eigentlich nicht nur 4.500 Euro, sondern monatliche Kosten von realistisch angenommen 8.500 Euro. Um gut über die Runden zu kommen, Steuern zu bezahlen und eventuell auch eine kleine Rücklage bilden zu können, um später zu investieren, erwirtschaftet man monatlich rund 15.000 Euro Betriebseinnahmen. Gesundes kleines Unternehmen. Alles Tutti. Läuft und der Staat verdient jeden Monat mit. Jetzt kommt der Umsatzeinbruch. 50 % weniger Einnahmen durch Corona. Jetzt sieht die Rechnung wie folgt aus:

Einnahmen 7.500 Euro reicht also hinten und vorne nicht. Jetzt kommt die großartige Förderung, mal bildlich dargestellt wie es im Soforthilfeantrag aussieht:

Lasst Euch von dem Minus vor den Zahlen nicht täuschen. Es zeig nur die Differenz an. Bewilligte Fördersumme ist Null, da ich leider zu viel Einnahmen habe. Fakt ist nur, die 7.500 Euro Einnahmen reichen nicht, um die eigentlichen Kosten von 8.500 Euro zu decken. Das heißt, um nicht in die Miesen zu geraten muss ich meine Rentenversicherung beitragsfrei stellen, Kredite stunden und auf mein Gehalt verzichten. Das sieht der Staat auch so vor, denn jetzt kommt die Krönung: Weil ich ohne Gehalt mein private Miete nicht bezahlen kann und mir auch keine Lebensmittel kaufen kann, darf ich Grundsicherung beantragen. Grundsicherung ist nichts anderes als Arbeitslosengeld II. In Zahlen 432 EUR.

Ich habe hier auch noch mal ein Beispiel eines kleinen Einzelhändlers. Sehr solider Mensch. Kauf nichts auf Pump, und hat nicht einmal sein Auto über die Firma geleast. Gesamt kommt er auf 600 Euro anrechenbare Kosten. Im ersten Monat hat sein Laden zwangsweise zu. Somit Einnahmen gleich null. Im Mai verkauft er für 100 Euro Gutscheine, weil es nette Menschen gibt die #support your local machen. Ab Juni geht sein Laden langsam wieder los und die Einnahmen steigen aus 1000 Euro. Schon schlecht für den Zuschuss, wie man sieht:

Nun könnte man meinen, dass es ganz viele Leute gibt, die einfach die Zahlen so eintragen, dass sie auf die volle Summe von 9.000 Euro kommen. Klar geht. Machen sicher auch welche. Ist aber langfristig gesehen etwas heikel. Zum einen gibt man eine Eidesstattlich Erklärung ab und sollten die Angaben falsch sein, was sich anhand der notwendigen Betrieblichen Auswertung schnell nachvollziehen lässt (und das rückwirkend bis 10 Jahre), wird dieses als Straftat gewertet und kann mit Freiheitsentzug oder Geldstrafe geahndet werden. Es könnte sogar noch etwas schlimmer kommen, denn vor dem Gesetz kann ein falscher Antrag auch als Subventionsbetrug gewertet werden, im Klartext Freiheitsentzug bis zu fünf in schweren Fällen bis zu zehn Jahre.

Wenn ihr das jetzt alles nicht verstanden habt, macht das nichts. Ich habe auch nur drei Nächte dafür gebraucht. Zeigt aber recht deutlich, dass die Aussage von Herrn Scholz in Form von „schnelle unbürokratische Hilfe“ der absolute Hohn ist.

Und als Dank, bekomme ich jetzt von den unwissenden Nachbarn zu hören, dass es mir ja nicht schlecht gehen kann, mit den 9.000 Euro Soforthilfe die der Staat mir schenkt. Danke GroKo.

Der Eintrag basiert auf meinem Kenntnisstand des heutigen Tages. Die Informationen und aufgestellten Regeln haben derzeit ja eine Halbwertzeit von wenigen Tagen (siehe Änderungen von Antragsfristen). Wer weiß, wie sich das alles noch entwickelt.

In den nächsten Tagen werde ich ein paar Tipps zu kreativen Buchführung geben. Der Unmut über diese Fördergeschichte bringt mich auf wirklich schräge Gedanken. Wir lesen uns.

30.03.20 Pustekuchen

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas zu der Corona-Krise schreiben soll. Es fällt mir echt schwer. Nicht weil ich nicht auch was zu jammern hätte oder mein Leid klagen könnte. Es ist viel mehr das Problem der Blockade. Schreibblockade. Eigentlich sollte man meinen: Endlich mal etwas Ruhe. Zeit, ein Buch zu lesen oder einen Film zu gucken. Vielleicht einen Brief zu schreiben oder ein paar neue Motive für meine T-Shirts zu entwerfen. Aber Pustekuchen. Ich kann nicht. Ich bin gesund, zumindest eine Person, die mir wichtig ist, befindet sich an meiner Seite und Klopapier haben wir auch genügend. So gesehen alles in Ordnung und besser als bei anderen Leuten. Aber ich bin wie gelähmt.

Mir macht einfach zu schaffen, dass ich nichts tun kann, um den derzeitigen Zustand des Stillstandes zu verändern. Ich muss abwarten. Warten ist so mit das Schlimmste, was man mir antun kann. Wir sind gefangen, verband zum Nichtstun und das wo wir doch so gerne arbeiten. Die Motivation sinkt von Tag zu Tag und zerrt am Gemüt. Dabei geht’s bei uns sogar noch. Wir mussten nicht schließen, da wir ja mit dem Umzug vom Ladenlokal in die Glashütte den Schritt vollzogen hatten, uns aus dem aktiven Kundenverkehr zu verabschieden. Montagen im Außenbereich sind uns sogar auch möglich. Einziges Problem: Es gibt kaum Aufträge. Die größeren Firmen haben Haushaltssperren, die Kleinunternehmer versuchen tagelang einen Onlinezugang zur NBank zu ergattern, um minimale Förderpfennige zu erhaschen, die maximal für die Versorgung von Mehl und Nudeln reicht – soweit im Laden vorrätig. Sie kämpfen ums Überleben, was keinen Platz im Kopf lässt, zukunftsorientiert an Werbung oder ähnliche Projekte zu denken. Bezüglich der Fördergelder werde ich in einem anderen Beitrag etwas von mir geben, um mit dem Ammenmärchen aufzuräumen, dass ich vom Staat finanzielle Unterstützung erhalte. 

Der Garten ist noch ein schöner Ausgleich. So ordentlich und aufgeräumt war er noch nie. Wir haben den Mini-Gartenteich, der Schnecken und Molche beherbergt, neu mit Steinen eingefasst. Die Mäuseplage vom letzten Sommer hatte dort am Teich alles unterwandert und zerstört. Ich habe unendlich viel Glück einen Gewerbeschein zu besitzen. Somit bin ich privilegiert in einem Baumarkt Material zu beschaffen. Für einen 25 Kilo Zementsack für 2,99 Euro habe ich 20 Minuten angestanden und musste meine Gewerbeanmeldung abfotografieren lassen. Zum hobbymäßigen shoppen darf aber auch ich nicht in den Laden. Der Sack Zement wurde mir ans Tor gebracht.

Leute, wir wissen gar nicht wie gut es uns immer noch geht! Das, wovon ich rede, ist in hunderten Ländern der Alltag, ganz ohne Corona. Auch meine Tante aus Frankreich – ein Land was durchaus mit Deutschland zu vergleichen ist – berichtet von viel krasseren Einschränkungen selbst in der tiefsten Provinz. Raus zum Einkaufen nur in der Entfernung bis zum nächsten Laden. Also nicht mal überlegen ob Edeka, Lidl oder Aldi heute auf dem Einkaufsplan steht. Das Ganze auch nur unter Vorweisung eines Passierscheins und dann wieder schnell ab nach Hause.

Wir können dankbar sein, dass es bei uns noch nicht so läuft. Noch nicht sage ich allerdings mit Absicht. Gestern Nacht waren mal wieder laute Bässe am Lagerfeuer zu hören. Sechs Menschen die das Kontaktverbot ignorieren. Sechs Menschen, die weiterhin fröhlich biertrinkend das Virus weiterverbreiten können, sollten sie infiziert sein, ohne es zu wissen. Was nur sechs Personen anrichten, wenn sie weiterhin eventuell infiziert an ihre Arbeitsstätten gehen, sollte mittlerweile jedem bekannt sein. Aber wenn das Gehalt jeden Monat, wenn auch vielleicht in schmaler Form auf das Konto kommt, muss man sich ja um andere Menschen keinen Kopf machen.

Ich kann Herrn Bosselmann (für alle die nicht aus der Region kommen: Inhaber einer großen Bäckereikette) gut verstehen. Mit seinem Video auf Instagram hat er Millionen erreicht. Mich selbst hat es auch sehr berührt. Ich zolle ihm einen großen Respekt, dass er in der Krise seine Mitbewerber nicht über den Tisch zieht, sondern für sie wirbt. Am nächsten Tag stand in einer Zeitung die böse Headline von „Rauen Sitten“ bei Bosselmann. Er hatte mehreren Personen fristlos gekündigt. Leider musste man mal wieder erst das Kleingedruckte lesen, um die ganze Wahrheit zu erfahren. Er hat einigen Leuten fristlos gekündigt, weil sie auf Corona-Partys waren und damit die 200 Kollegen, den Betrieb und damit in Verbindung nicht nur seine, sondern auch die Existenzgrundlage aller Mitarbeiter gefährdet hatten. Richtig so! Werdet mal wach!

Nun sind doch ein paar Zeilen zusammen gekommen. Leider nichts lustiges. Ich werde mich bemühen für den nächsten Eintrag was zu finden, über dass es sich auch schmunzeln lässt. Bleibt gesund und noch ein Bild vom Gartenteich zur Beruhigung.

11.12.19 Einer mehr!

Angefangen habe ich denn Blog vor über drei Jahren mir dem Worten „Ich bin noch keine 50.“. Die Zeit vergeht und der Zeitpunkt naht mit deutlichen Schritten, dass schon bald eine eins hinter der fünf stehen wird. Macht mir nichts, denn gefühlt bin ich immer noch 25, vorausgesetzt ich muss nicht schwer heben, nicht den ganzen Tag auf den Knien rutschen und nicht drei Tage hintereinander 14 Stunden arbeiten. Finden diese Tätigkeiten statt, revidiere ich den vorangegangenen Satz umgehend.

Die Tatsache, dass man nicht ewig jung bleibt, ist mir nicht unbekannt. Schließlich haben wir uns ja vor einigen Jahren dahingehend versucht darauf einzustellen, in dem wir in die Glashütte gezogen sind und gewillt sind das Büro zu vergrößern und zu verjüngen. Dass das bislang leider noch nicht so funktioniert hat, habe ich in mehreren Einträgen schon berichtet. Trotzdem lassen wir uns nicht unterkriegen und ändern den Plan ein wenig, in dem wir personelle Vergrößerungen in die folgenden Jahre verschieben. Wird schon noch was werden und – und das ist die Hauptsache – wir können uns Wein und Kuchen leisten und auch pünktlich unsere Miete bezahlen.

Der 2019er Dezember ist und wird aber ein ganz besonderer Monat und das liegt nicht an Glühwein und Weihnachtsbaum. Es liegt auch nicht an StarWars, auch wenn ich hiermit verkünde: Das Imperium bleibt beständig. Vielleicht der Titel von Teil 10? Nein, ich meine das Baruth-Imperium. Zum Einen schließt die eine Tochter ihr Studium und macht dann was mit Medien und Film (zukunftsweisende Ausrichtung) und zum Anderen beschert unsere zweite Tochter der Sippe Nachwuchs. Heute geboren.

Ihr dürft uns jetzt also getrost Oma und Opa nennen und das meine ich nicht mit einem wehleidigen Gejammer, sondern mit stolz erhobener Brust. Mit 50 Opa – oder auch Oma – sein finde ich wirklich klasse. Solange mir der liebe Gott noch genügend Lebenszeit schenkt, werde ich da richtig was von meinem Enkelkind haben. Selbstredend wird er auch mal bei uns im Büro sein und dann werde ich jede Minute nutzen, um ihn beruflich schon mal zu prägen.

Das Ergebniss: in zehn Jahren leitet meine Tochter die Firma und ich verkürze auf halbe Tage bis in 16/17 Jahren der Enkel bei uns ausgebildet wird und ich dann in den Ruhestand gehe. Welch perfekter Plan.

Ach so, meine lieben Kinder, stimmt, wir haben über meine Pläne ja noch gar nicht gesprochen. Ist doch aber eine tolle Idee oder?

In diesem Sinne, schöne Weihnachtszeit.

03.10.19 Zu Zweit

Vor drei Jahren waren die Arbeiten an dem Umbau der Glashütte im vollen Gang. So lange ist das schon her und eigentlich ist es doch erst eben gewesen. Fertig ist trotzdem noch nicht alles und wahrscheinlich wird auch nie alles fertig werden, weil ja doch immer wieder an der ein oder anderen Stelle was dazu kommt. Egal ob im Haus oder drum herum.

Ziel des Blogs war es auch nicht nur über den Umbau, sondern auch über unsere Arbeit zu berichten. Denn mit dem Umbau hatten wir auch relativ konkrete Vorstellungen darüber, wie es in dem neuen Umfeld firmentechnisch laufen soll. Und siehe da, man kann alles planen, aber wie es wirklich kommt, kann niemand voraussagen.

Bei uns ist es auch ganz anders gekommen, als wir uns das erwünscht haben. Was jetzt nicht heißen soll, dass wir nicht auch so mit der Lage gut klar kommen, aber der Grundgedanke war ein anderer. Das muss man sich nach drei Jahren einfach auch mal zugestehen. Um allen Unkenrufen aber zuvor zukommen: an der Tatsache, den gewagten Schritt sich zu vergrößern und in die Glashütte zu gehen gibt es nichts zu rütteln. Wenn ich mir vorstellen müsste weiterhin in dem früheren Umfeld von Arbeit und Privat zu leben, wäre das mir, meiner Frau und in der Weiterführung der Firma nicht gut bekommen.

Die Maßnahme den Copy-Shop-Charakter abzulegen und auf Privatkunden nahezu gänzlich zu verzichten, war ein sehr wichtiger und wie man an den Umsatzzahlen auch merkt ein absolut sinnvoller Schritt. Mit weniger Personal gleichbleibende Umsätze und einen höheren Gewinn zu erzielen finde ich, ist der richtige Weg. Wenn ich daran denke, wieviel Zeit wir früher für Beratungstätigkeiten investiert haben, um Kleinkunden zu beraten, die letztendlich dann doch bei www.wirdruckenscheisseaberbillig.de bestellt haben, war dieser Schritt Gold wert.

Gut möglich, dass ich die Tatsache mit weniger Personal auszukommen nicht in meine Planung damals mit einbezogen habe. Gestartet haben wir mit 5 Leuten und Anfang des Jahres waren wir noch vier ohne dass wir das so wollten. Wenn meine Tochter zum Ende Ihres Studiums unseren Betrieb als Studentische Hilfskraft verlässt und sich in einer großen Agentur in Hamburg mal die Medienhörner abstößt, dann sind wir tatsächlich nur noch zu zweit im Büro. Meine Frau und ich.

Es ist nicht so, dass wir nicht auch zu zweit gut zusammen arbeiten können, ganz im Gegenteil. Wir sind ja wirklich kleine Arbeitstiere, die ohne Problem mal einen 12-14 Stunden Tag hinlegen können, aber die Tatsache, dass man zusammen den Arbeitstag und auch im Anschluss die Freizeit verbringt, führt dazu, dass sich die Neuigkeiten des Tages im Rahmen halten, weil man sie ja sowieso schon zusammen durchlebt hat. Input von außen durch eine(n) Mitarbeiter(in) gibt es da dann auch nicht, was beziehungstechnisch eine kleine Herausforderung wird, wenn man sich Abends vorm Kamin nicht wirklich mehr was zu erzählen hat. Für die Firma ist das auf Dauer auch nicht so prickelnd. Anregungen und Kritik durch jemand Außenstehenden, bringen einen in der Regel weiter nach vorne, denn wenn man nur zu zweit oder gar alleine arbeitet wird man ja relativ schnell betriebsblind und das kann schnell nach hinten losgehen.

Warum wir seit Einzug in die Glashütte so ein unglückliches Händchen mit unsere Angestellten haben, kann ich mir nicht erklären und im Endeffekt kann ich das auch nicht als Misserfolg titulieren sondern eher in die Schublade „Pech gehabt“ ablegen. Denn alle drei in den letzen drei Jahren neu eingestellten Mitarbeiterinnen ist es gesundheitlich nicht vergönnt gewesen, langfristig – wie von uns geplant – bei uns zu bleiben.

Nun werden wir zu zweit das Jahr erst einmal zu Ende bringen. In der Regel sind die Monate November und Dezember eher nicht so arbeitsintensiv, dass es wirtschaftlich gesehen vielleicht die beste Lösung ist, uns ohne hohe Kosten für Gehälter gesund zu schrumpfen, uns zu sammeln und im nächsten Jahr wieder neu durchzustarten.

In einigen Tagen werden wir noch mal ein verlängertes Herbstwochenende mit dem Wohnwagen bestreiten. Das letzte Mal als wir das gemacht haben, ist schon einige Jahre her aber hatte zur Folge, dass wir unser Grafikbüro vollständig umgekrempelt haben und letztendlich auch den Entschluss zum Umzug gefasst haben. Werden wir sehen was daraus diesmal wird. Wäre ja auch wirklich doof, wenn es keine Veränderungen mehr im Leben geben würde.

Zu Zweit am Tag der Deutschen Einheit – passt doch. Prost gemeinsames Deutschland (auch wenn das Foto schon ein paar Tage her ist).