17.09.20 Update

Die Schwalben sind auf den Weg in Richtung Süden. Noch einige Zeit konnten wir die Flugschule bestaunen, bis es zur großen Sammlung der Vögel kam und sie gemeinsam aufgebrochen sind. Wir konnten zumindest während der Flugübungen fünf Tiere zählen, Mutter und Vater sowie drei mal Nachwuchs. Wir hoffen sehr, dass sie uns nächstes Jahr wieder besuchen und weitere Nester bauen. Ich werde auch noch mehr Bretter als Nisthilfen installieren. Auch wenn es nicht zu Brüten genutzt wurde, so hatte es für die Jungvögel einen Zweck.

Anna ist leider nicht wieder in Erscheinung getreten. Und mit ihr ist leider auch die Zuverlässigkeit meines Paketdiensten entschwunden. Einen Monat hat es ganz gut funktioniert. Mit ganz gut meine ich nicht optimal oder so, wie man es sich wünscht und einem auch angeboten wird. Aber ich bin ja genügsam in dieser Beziehung geworden. Wie gesagt, einige Wochen hat die Abholung von Paketen geklappt. Ein Kunde von mir unkte heute, dass der Grund die Urlaubsvertretung des Fahrers war, der seinen Job gewissenhafter betreibt. Jetzt ist halt wieder der ursprüngliche Fahrer am Werk und der hat nun mal einfach kein Bock neben der Tatsache, dass er angestellt ist Pakete um auszuliefern auch noch welche einzusammeln. Ich kann Anna gut verstehen. So was macht mürbe.

Corona ist auch noch nicht vom Tisch. Die Hochsaison für Messen im September und Oktober ist gegessen. „Smoke it in a Pipe“, wie mir ein vollgekiffter französischer Strandurlauber seinerzeit seine Lebensphilosophie predigte. Lang, lang ist es her, mit einem Urlaub am Atlantik. Daher schnell mal ein Meer-Bild für die Sehnsucht.

Die Ökobilanz ist etwas aus den Augen geraten. Waren wir doch alle auf einem guten Weg unserem Planeten etwas mehr Lebenszeit zu schenken, diskutieren wir heute wieder über Heizpilze und der Mehrwegbecher darf nicht mehr wiederbefüllt werden. Trotz Kostenreduktion an allen Ecken und Kanten mache ich aber bei den Basics nicht mit. An Ökostrom aus 100% Wasserkraft und Ökogas wird nicht gerüttelt. Ebenso nicht an FairWare T-Shirts. Wir wollen ja nicht auf Kosten Anderer zurück in die Steinzeit.

Leider denken nicht alle so und Andere optimieren sich grade an den Abgrund. Letztens habe ich bei einer großen Firma für Papier und Grafikbedarf in Hemmingen, nicht weit von uns, eine Bestellung platziert. Ich brauchte Tintenpatronen (sechs Stück), eine Rolle Klebefolie und Wellpappe, weil wir ja auf den Plastikmüll verzichten wollen und schön alles in Recycling-Wellpappe verpacken. Unser Umweltgedanke schadete allerdings in extremer Weise der Klimabilanz. Die Firma arbeitet Deutschlandweit mit vielen Partnerunternehmen zusammen und daraus folgte: 2 Tintenpatronen kamen mit UPS aus Queis, weitere drei aus Bremen mit einem zweiten Paket. Aus Hemmingen kam auch noch ein Paket mit der letzten Patrone. Normalerweise kommt ein LKW und beliefert uns direkt mit Ware. Ist natürlich klar, dass sich für eine verbleibende Tintenpatrone kein LKW lohnt. Also drei Pakete für Tinten per Paketdient. Dann kam der LKW aber doch noch zu uns, weil ich ja Folie bestellt hatte. Hätte er da die Tinte nicht doch einfach mitbringen können? Und es kommt noch besser. Tags drauf kommt wieder der 18-Tonner auf den Hof gefahren und bringt eine Rolle Wellpappe, die er tags zuvor vergessen hatte. Leider nur eine Rolle, hatte ich doch eigentlich zwei Rollen bestellt… Ich habe es aber nicht reklamiert. Ich wollte nicht noch einmal eine Rolle Papier von einem LKW durch den Steinkrug chauffieren lassen. So, und nun soll mir doch einer mal erklären, was an dieser Auslieferung meiner Bestellung optimiert war? Grade bei Tintenpatronen sind die Margen absolut gering. Da behaupte ich mal glatt, dass durch dreimal Versand ordentlich draufgezahlt wurde. Eine Rolle Wellpappe für 14 Euro mit einem 18-Tonner anzuliefern halte ich auch für inakzeptabel. Eine echte Optimierung wäre es gewesen, mich nach meiner Bestellung mal kurz zurück zu rufen und zu hinterfragen, ob denn alle meine Bestellten Artikel Just-In-Time geliefert werden müssen, oder ob sie es nicht vielleicht sammeln könnten und ein oder zwei Tage später und dafür komplett anliefern dürfen. Wäre von meiner Seite echt kein Problem gewesen.

Im übrigen wachsen ganz seltsame Pflanzen in unserem Beet in der Nähe des Vogelhäuschens. Ich weiß genau, dass ich die dort nicht ausgesät habe und somit liegt die Vermutung nah, dass es Saatkörner aus dem Vogelfutter waren, die mal daneben gefallen sind und gekeimt haben. Es erklärt mir auch, dass so viele Vögel unser Vogelhaus besuchen. Wenn es da so lustige Saatkörner gibt, lässt es sich doch einfach entspannter durch den Tag schweben.

29.08.20 Kannste mal

Ihr kennt das sicherlich: Man bittet Euch um einen Gefallen. Kein Problem, wenn man lieb gefragt wird, ist man in der Regel ja immer bemüht zu helfen wo man kann. Gefallen erbringen hat nichts damit zu tun, eine Gegenleistung zu erwarten. Man gibt es gerne. Meine Frau und ich haben in unserem Urlaub auch einer Freundin und ihrem Mann beim Bau einer Terrasse unterstützt. Ganz ohne zu erwartende Gegenleistung, einfach aus dem Grund heraus, dass wir alles geben ihr zu ermöglichen mit den Rollstuhl noch einmal Sonnenlicht zu erblicken und nicht 24/7 im Pflegebett liegen zu müssen, obgleich sie jünger ist als wir. Die leuchtenden Augen der Dankbarkeit geben einem mehr als ein Honorar oder das Versprechen sich zu revanchieren.

Anders verhält es sich jedoch bei Gefallen, um die ich gebeten werde, die in Wirklichkeit keine Hilfestellung darstellen, sondern aus puren Eigennutz gestellt werden. Klassisches Beispiel in meiner Branche ist die Aussage: „Mensch, du machst ja T-Shirts oder Aufkleber. Ich hab da so eine Idee. Kannste mal…“ Nein. Kann ich nicht. Nicht ganz richtig, kann ich ja schon, aber ich will es nicht! 

Letztens hat mich ein Bekannter gefragt, ob ich helfen kann ihm ein Grafikprogramm zu erklären. Dieser „Bekannte“ ist ein Mensch den ich sicherlich mag und schätze, aber mit dem ich in meinem Leben außer einer Geschäftsbeziehung über drei Ecken noch nie etwas zu tun hatte. Wieso kommt dieser Mensch auf die Idee, dass ich meine Freizeit opfere, um ihm einen „Gefallen“ zu tun, damit er es leichter hat mit einem Programm umzugehen, welches für Profis konzipiert wurde? Natürlich für lau, so nach Feierabend, wenn es ihm passt. Hallo? Jemand zu Hause? Fragt irgendjemand von Euch einen Malermeister, ob er Euch mal so nebenbei beibringen kann wie man ordentlich tapeziert? Geht jemand von Euch zum Tischler und fragt einen Tischlermeister, ob er mal erklären könnte wie man eine Schublade baut? Ich behaupte, das sich so etwas die allerwenigsten überhaupt trauen zu fragen. Warum bitte schön, verlangt man von mir, dass ich mein über Jahrzehnte erlerntes Handwerk einfach so preis gebe und das selbstverständlich für lau, mal eben nebenbei nach Feierabend? Jeder Maurer der nebenbei eine Garage hochzieht oder der Elektriker der ein paar Strippen neu verlegt hält am Ende des Arbeitstages – auch wenn es ein Gefallen für den Nachbarn war – die Hand auf und wird selbstverständlich für seine erbrachte Arbeitsleistung entsprechend entlohnt. Entschuldigung, aber wenn ich mich an den Rechner setze und jemandem etwas erkläre, dann bedeutet das für mich pure Arbeit und ich sehe keinen Grund, dass meine Arbeit nicht auch entlohnt werden sollte.

Wenn ich aus Gefallen mal ein paar Aufkleber machen soll, dann bedeutet das nichts als Arbeit für mich und ist gleichzusetzen mit Zement mischen oder Kabelkanäle installieren. Es bedeutet Arbeit, zu der ich in meiner Freizeit nicht bereit bin sie zu leisten, genau so wie jeder normale Mensch auch. Wenn ich im Rahmen eines „Gefallens“ Arbeit leisten soll, damit der Empfänger ein Benefit bei seinen Freunden hat, weil er sie mit ein paar irrwitzigen Aufklebern ausstatten kann, dann ist das kein Gefallen, sondern eine Dienstleistung, denn ich habe davon gar nichts! Ihr könnt mir gerne mal schreiben, welche Dienstleistung ihr als Gefallen in der letzen Zeit umsonst bekommen habt. Ich bin sehr gespannt. 

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Es geht mir nicht darum, dass man mir unter der Hand Geld zu steckt. Das habe ich nicht nötig. Es geht mir um Wertschätzung meiner Arbeit, ganz genau so wie bei einem klassischen Handwerker à la Zimmermann, Dachdecker oder auch einer Reinigungskraft! Diese Überheblichkeit „ist ja nur ein bisschen was am Computer, das ist ja keine Arbeit“ kann ich nicht leiden und dulde ich auch nicht.

Bevor ich für Menschen, die diese Einschätzung vertreten, arbeite, gehe ich lieber mit meinem Enkelkind auf dem Spielplatz schaukeln. Die leuchtenden Augen geben mir mehr als ein feuchter Händedruck und das schmierig, scheinheilige Versprechen, dass für meine getane Arbeit sicherlich mal der ein oder andere Auftrag herausspringen wird. 

13.08.20 Anna

Hurra, hurra die Post ist da. So haben wir die letzen Jahre hier im Steinkrug verbracht. Drei, vier Tage lang kein Briefausträger in Sicht und dann die geballte Ladung an einem Tag. Mittlerweile ist das Schnee von gestern, denn ein neuer Post-Fahrer hat unseren Bezirk übernommen und seit dem klappt es ganz prima mit der Zustellung von Briefen und Paketen und auch die Mitnahme unserer frankierten Geschäftspost funktioniert, auch wenn wir noch in der glücklichen Lage sind im Steinkrug über einen Briefkasten zu verfügen, der sogar regelmäßig geleert wird. Nun muss der junge Briefbote noch lernen, dass der Vormieter seit fast zehn Jahren hier nicht mehr zugegen ist und dass wir keinen Wert auf die eingeworfene Werbung für den damaligen Gartenbaubetrieb haben. Vor allem nicht, wenn in diesen großen Umschlägen immer nur linke Musterhandschuhe für Gartenbau-Interessierte mitgeliefert werden und nie ein komplettes Paar.

Einige oder besser gesagt nur Probleme haben wir mit einem Paket-Dienst. Nun möchte ich hier keine Anekdoten über Paketzustellung berichten. Davon gibt es ja nun wirklich Unmengen kurioser Berichte im Netz. Mir geht es da eher um die umgekehrte Paket-Dienstleistung. Wir versuchen seit März diesen Jahres Business-Kunde eines Paketdienstes zu werden, der unsere Pakete, welche wir an unsere Kunden und Besteller versenden möchten, bei uns abholt und ordnungsgemäß zustellt. Best möglicher Weise sogar in dem Zeitraum zustellt, den wir für das Paket vorgesehen haben, um es beim Namen zu nennen: Express.

Nun sind wir keine Viel-Versender. Soll heißen, wir haben vielleicht ein Versandaufkommen von 10 bis 20 Paketen im Monat. Damit sind wir natürlich auch nicht der attraktivste Kunde. Aber es gibt Paketdienste, die diese Kleinkunden wie mich kategorische ablehnen und es gibt welche, die trotz meines geringen Sendevolumens ihre Dienstleistung für mich bereitstellen. Dass ich als Kleinkunde nicht die besten Konditionen bekomme, ist selbstredend. Das ist mir aber relativ gleichgültig, denn die Alternative für mich besteht darin, jedes Paket in das Nachbardorf zur Postfiliale zu kutschieren und dass kostet meine Zeit und wirtschaftlich gesehen somit auch Geld. So nehme ich also einen höheren Paketpreis gerne in Kauf, wenn die Pakete aus meiner Firma abgeholt werden. 

Und jetzt kommen wir zu Theorie und Praxis: Der besagte Paketdienst ist sehr bemüht, mich als Kunden zu gewinnen. Nach meiner Anmeldung als Business-Kunde per Internetkontaktformular erhalte ich schon innerhalb von nur drei Stunden eine Rückmeldung per Telefon, womit ich nun wirklich nicht gerechnet habe. 24 Stunden später verfüge ich über eine personalisierte Preisliste, einen Online-Zugang zum Business-Portal, wo ich meine Pakete zur Abholung anmelden kann und nach weiteren 24 Stunden erreicht mich ein Paket mit hilfreichen Versandutensilien, wie ein Maßband, Versandaufkleber, Express-Paket-Band etc. Alles in allem sehr vorbildlich und super professionell. 

Ich mache es kurz und bringe es auf den Punkt: Es funktioniert nicht. Meine Sachbearbeiterin heißt Anna. Sie ruft aus dem Süden Deutschlands bei mir an und ist sehr bemüht mich bei Laune zu halten und mich als Neukunden nicht zu verlieren. Eigentlich tut es mir schon richtig leid um Anna. Sie gibt wirklich alles und würde meine Frau nicht zusammen mit mir im Büro sitzen und das Desaster der Paketabholung täglich mitbekommen, würde sie meinen, dass Anna eine vermeintliche Nebenbuhlerin sein könnte, so oft, wie ich sie am Telefon habe. Anna versucht aus ihrer Zentrale irgendwo bei Nürnberg alle Register zu ziehen, den beauftragten Subunternehmer für unseren Sektor dahingehend zu motivieren, bei uns in der Glashütte Pakete abzuholen. Leider nahezu erfolglos, denn die Quote für eine abgeschlossene Transaktion im Sinne von Abholung und Zustellung eines stink normalen Paketes ist mittlerweile bei gerade mal 20% angelangt, was für einen zuverlässig auftretenden Paketbeförderer mehr als nur ein Armutszeugnis ist. 

Bekanntlich haben wir jetzt August und es ist nur Annas Beharrlichkeit zu verdanken, dass ich weiterhin gewillt bin Pakete mit diesem Dienstleister zu versenden. Aber Reaktionszeit von 5 bis 7 Tagen zur Abholung eines Paketes sind inakzeptabel, das weiß auch Anna.

Nun habe ich mir eine große Verpackungseinheit von Paketmarkern der Post geholt. Somit unterstütze ich den im Nachbarort gelegenen Schreibwarenladen mit Postfiliale, denn irgendwie müssen die angesammelten Pakete ja mal rechtzeitig zu den Kunden. Die glauben derzeit auch schon, dass ich nicht ganz richtig ticke, wenn ich mal wieder erzähle, dass besagter Paketdienst die Sendung nicht abgeholt hat. Der lieben Anna bleibe ich aber auch treu. Wir mailen täglich. Immer wenn ich ein Paket versenden möchte, melde ich es im Online-Portal ordnungsgemäß an. Definiere den Abholtermin und wird dieser nicht eingehalten, schreibe ich Anna eine E-Mail – ein sogenanntes Ticket – mit meiner Beschwerde über die Nichtabholung und versende das Paket Tags drauf mit der Post. 

Bald brauche ich wieder Nachschub von diesen Paketscheinen der Post. Und Anna hat sich jetzt seit einigen Tagen nicht mehr bei mir gemeldet… Ich will nicht hoffen, dass sie sich auf den Weg nach Hannover gemacht hat, um den Subunternehmer für meinen Sektor mit der bei Ebay ersteigerten Kalaschnikow etwas Nachdruck zu verleihen, meine Sendungen im Namen des Paketdienstes schleunigst abzuholen und zu transportieren. Wenn ihr also mal irgendwo eine Frau seht, die einen Sprinter mir roter Aufschrift mit Waffengewallt bedroht, dann lasst Anna das mal in Ruhe durchziehen, damit sie besser schlafen kann und wir unsere Pakete abgeholt bekommen. 

Kontaktlose Übergabestation für Pakete – auch für Abholer

08.08.20 Schwalben- und Firmenstatus

Wie versprochen vermelde ich vier geschlüpfte Küken aus dem Rauchschwalbennest. Mama und Papa sind wohl auf und jagen um die Glashütte nach den besten Leckereien für die Kleinen. Auf Grund der ganzen Wildwiesen um uns herum, müssten sie eigentlich reichlich Insekten finden, die zum schnelle Wachstum beitragen. Ein Foto gibt’s leider nicht. Wir halten uns erstmal ein wenig zurück und stören das Nest nicht. Wenn die Brut etwas größer ist und die aufgesperrten Schnäbel über den Nestrand gucken, wird noch Zeit für ein Familienfoto sein.

Somit nutzen wir das Hier und Jetzt und machen eine Woche Urlaub im Steinkrug. Nettes Ambiente, wunderschöner Garten. Natur, Tiere, Ruhe und edle Tropfen aus Gerste und Trauben. Sind eigentlich keine schlechten Faktoren für eine erholsame Zeit. Nur, dass das Büro so dicht in der Nähe ist, das stört mich schon. Und ich wette auch darauf, dass trotz Ankündigung unseres Urlaubs irgendein Kunde kommt und unsere Auszeit stört. Das ist der eigentliche Grund, warum ich im Urlaub auch immer gerne einen anderen Standort bevorzuge. Aber wie schon gesagt: Positiv denken und mal wieder genießen, denn wir haben es hier echt schön.

Wir werden in unserem Urlaub noch genügend Zeit haben, das Gelege zu beobachten. Urlaub? Ja, richtig gelesen. Wir machen Urlaub. Eigentlich wollten wir ja im Mai zwei Wochen Betriebsferien machen und samt Wohnwagen nach Frankreich fahren. Aus allseits bekannten Gründen ist es ja nicht dazu gekommen. Zwar ist die Gesamt-Corona-Lage leider noch nicht durchgestanden und steigende Infektionszahlen machen schon nachdenklich, aber wir kriechen etwas auf dem Zahnfleisch und brauchen mal eine kurze Pause. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir im Juni und Juli wie gewohnt alle Hände voll zu tun hatten. Seit einigen Jahren betreuen wir einen Kunden, dessen Hochsaison in diesen Monaten ist und der uns auch dieses Jahr glücklicher Weise mit Aufträgen bedacht hat. Sowas hat in der Regel zur Folge, dass meine Frau und ich dann zu Arbeitsschweinen mutieren. Stress ist dann unser Adrenalin-Schub, unsere tägliche Droge. 12 bis 14 Stunden, teilweise bei 7/7 ziehen wir gnadenlos durch. Aber es hinterlässt natürlich auch seine Spuren und deswegen hat mich meine Frau genötigt vom 17. bis 21.8. den Laden dicht zu machen. Nicht das ich ein Problem damit habe Urlaub zu machen. Aber für mich bedeutet Urlaub eigentlich immer auch ein Ortswechsel. Wir haben uns aber entschlossen, uns nicht dem Reisewahn hinzugeben und bleiben zu Hause in der Glashütte. Das Risiko für uns einen Auslandaufenthalt zu machen, ist einfach zu groß. Nicht, dass die ganzen Urlaubsländer nicht bemüht sind alle Hygiene-Regeln umzusetzen. Das ist nicht das Problem. Das Risiko liegt einfach in meinen Augen darin, dass man vielleicht grade Pech hat und das Hotel, der Flieger oder der Campingplatz einen Infektionsfall hat und wir nach einer kurzen Woche Urlaub eben noch mal aus Sicherheitsgründen 14 Tage in Quarantäne müssen und somit aus einer Woche drei werden. Und das können wir uns dann doch beim besten Willen nicht erlauben. Denn obgleich ich grade groß getönt habe, dass wir ordentlich zutun hatten, muss man das auch realistisch betrachten: Den Überschuss den wir in Juni und Juli erwirtschaften benötigen wir in der Regel für die schlechten Monate November und Dezember. Dieses Jahr ist es aber so, dass der Juni und Juli die Monate März, April und Mai ausgeglichen hat und es gut sein kann, dass es zum Ende des Jahres echt eng wird. 30 Prozent Umsatzeinbußen durch ausbleibende Messe- und Veranstaltungsaufträge sind nicht aufzuholen. Aber nicht gleich wieder den Kopf in den Sand stecken. Ich bin dankbar, dass wir erstmal wieder aufatmen können. Und wer weiß, was dieses Jahr noch so passiert. Ich wage keine Prognose.

19.07.20 Vogelvieh

Nach den permanent eintreffenden und von mir vorsorglich gesperrten Blog-Kommentaren über Viagra und sonstige Pillen und Dienstleistungen sollte ich den Beitrag vielleicht „Gut zu Vögeln“ nennen. Ich kann es echt nicht verstehen, welch ein Sinn und Zweck darin besteht, meinen Blog mit derartigen Kommentaren zu befeuern. Zum Glück bleibt Euch Lesern dieser Müll erspart, da ich die gesendeten Kommentare nicht automatisch freischalte, sondern vorab sortiere bzw. lösche.

Seit unserem Einzug in die Glashütte achten wir natürlich vermehrt darauf, die Welt der Flora und Fauna nur soweit gehend zu stören, wie es bei einer Ansiedlung eines Gewerbebetriebes und des Menschen unbedingt von Nöten ist. Wenn man so direkt an den Waldrand zieht, muss man sich schon ein wenig auf die Natur einlassen und ein gewisses Miteinander pflegen, ist zumindest meine Meinung.

Seit drei Jahren versuchen wir die Vogelwelt entsprechend zu unterstützen. Nicht nur durch Futter im Winter, sondern auch durch die Möglichkeit von Brut- und Nistplätzen in Form von entsprechenden Behausungen. Ein großes Anliegen meiner Frau war die Ansiedlung von Schwalben in dem einstigen Pferdestall unter der Glashütte. Vor drei Jahren habe ich hierzu extra ein Nist-Brett an der Wand befestigt, um optimale Bedingungen zu schaffen.

Die Gegebenheiten nach drei Jahren scheinen nun optimal zu sein, denn wir können erfreut vermelden, dass wir ein Rauchschwalbennest haben. Natürlich nicht auf dem von mir angebrachten Nistplatz, sondern genau gegenüber. Als Grundlage zur Stabilisierung reichte ein alter aus der Wand stehender Nagel, um ein Meisterwerk der Baukunst aus Schwalben-Schnabel zu errichten und nicht ein profan an die Wand gedübeltes Brett.

Wir haben den Fortschritt Tag für Tag beobachten können und nun sind schon zwei Eier im Gelege. Das wird mächtig spannend. Wir haben ein bisschen unterstützend dazu beigetragen. Da die Schwalben ja meine von Menschenhand gefertigte Bruthilfe nicht angenommen haben, sind wir nicht auf die Idee gekommen uns irgendwie in das Bauwerk einzumischen. Aber wir haben durch ausreichend Bewässerung dazu beigetragen, dass genügend lehmhaltiges Baumaterial in der Umgebung zur Verfügung stand, womit das Nest täglich ein Stück größer und stabiler wurde. Unterstützend wurden noch Schweifhaare und Stroh mit eingearbeitet.

Jetzt sind wir gespannt, wie viele Eier im Gelege Platz finden und wie die Nachzucht sich so macht. Beim vorletzten Ei beginnt die Schwalbe erst mit dem Brüten. Somit werden es nach heutigem Stand mindestens vier Eier werden. Das Foto mit den Eiern ist leider etwas unscharf, weil man nicht so sehr gut an das Nest von oben ran kommt. Wir werden das für Euch dokumentieren.

Nachdem wir in den letzten Jahren das verwilderte Gelände sichtlicht kultiviert haben, ist unser Augenmerk aber stets dabei geblieben, den Insekten und dem Vogelvieh genügend Spielraum zu lassen. Gut, bei den Mäuse, hätte ich das gerne anders geregelt – ich hatte darüber ja schon berichtet. Aber ansonsten ist uns das, glaube ich, ganz gut gelungen. Bunt-, Mittel und auch Grünspecht sind unsere täglichen Begleiter und eine Kolonie aus unendlich vielen spatzen- und meisenartigen Vögeln (meine Frau kann sie alle auseinanderhalten und könnte sie jetzt wahrscheinlich auch alle aufzählen) fordert lautstark nach Futterunterstützung. Das es hier hin und wieder auch während der Sommertage im Vogelhaus etwas zu holen gibt, scheint sich ornithologisch herumgesprochen zu haben. Eichelhäher, Tauben, Gimpel, Kleiber, Bachstelzen, Rotkehlchen, Gartenrotschwänze, Amseln, Drossel, Fink und Star sind alle mit von der Partie. Mit Sicherheit habe ich jetzt irgendein Getier vergessen, was mir aus Protest morgen vor die Füße kackt oder sich mal wieder in die Halle verfliegt. So ist das mit dem Vogelvieh halt. Trotzdem freut es mich sehr, wenn die Vogelstimmen die Geräuschkulisse der nahe gelegenen B 217 übertönen.

Dieses Jahr haben wir im hinteren Teil des Gartens eine Naturwiese stehen gelassen. Das Stück wurde – wie berichtet – vor einiger Zeit von ein paar Schafen einmal gründlich abgemäht und der Boden gut befestigt. Somit haben die Wolltiere zwar eine ideale Voraussetzung für ein gutes Rasenstück geschaffen, aber warum soll ich hinter dem Haus eine Parzelle englischen Zierrasen anlegen, wenn Mohn- und Kornblumen oder auch die großen Distel sehr viel fotogener sind und sich eine Menge Insekten ebenfalls daran erfreuen. Außerdem muss ich dazu sagen, dass ich nicht im Besitz eines Aufsitzrasenmähers bin und ich mich freue, wenn ich nur zwei und nicht drei Stunden zum Mähen rund um die Glashütte benötige. Alternativ bietet mir meine Frau an die Meerschweinchen-Kolonie aufzustocken, um mich beim Rasenmähen zu unterstützen, was ich aber aufgrund der schon vorhandenen Anzahl dankend abgelehnt habe.

28.05.20 Epidemic Festival

Wie so oft kommt die Lösung plötzlich und unerwartet. Nun wird dieser Blogeintrag nicht die Welt verändern und auch nicht das Corona-Virus vernichten, aber er hilft vielleicht wieder ein Stück weit aus dem Koma des nicht wirklich dagewesenen Lockdown zu kriechen. 

Ich hatte mich schon seit Anfang der Krise gefragt, ob es einen Weg gibt, wirtschaftlich dem ganzen etwas positives abzugewinnen. Mein Fazit bisher: Leider nein. Ja, wir haben Fußbodenaufkleber für Handel und Gewebe produziert und einige Schilder, Poster und Acrylglasverkleidungen verkauft. Ich kann aber nicht behaupten, dass ich in irgendeiner Weise aus der Pandemie Sache Profit geschlagen habe. Die gefertigten Produkten haben nicht mal die Verluste abgedeckt, sondern lediglich dazu beigetragen nicht ganz den Kopf in den Sand zu stecken. Wie sagte doch eine befreundeter Landwirt letzten zu mir: Wenn man bis zum Hals in der Gülle steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Ich mag diese Art von Humor.

Ich bin nicht auf den Zug aufgesprungen und habe Masken genäht und bedruckt. Die letzten zwanzig Jahre meiner Selbständigkeit habe ich mich daran gehalten, nur Dinge zu fertigen und zum Kauf anzubieten, von denen ich überzeugt war. Diese Einstellung werfe ich jetzt nicht mal eben über den Haufen. Genau so habe ich in meinen T-Shirt-Shop nicht auf einmal blödsinnige Corona-Shirts mit dämlichen Sprüchen angeboten. Bevor ich auf dieses Niveau sinke, gehe ich lieber zum Nachbarn und stecke mal flugs meine Hand in die laufende Kreissäge. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass mir auch nicht besonders viel kreatives eingefallen ist, was man in Zusammenhang mit Corona sinnvoll vermarkten kann. Bis auf ein paar bedruckte Turnbeutel mit #supportyourlocals und individueller Postleitzahl ist nichts weiter von mir auf den Markt gebracht. Die wiederum sind aber gut (!) und auch neben dem Produkt als solches, deutlich nachhaltiger, weil die Beutel langlebig sind und man diese Aussage gerne noch nach einer Corona-Krise nutzen darf.

Auch noch in anderen Farben erhältlich

Jetzt bin ich aber in der wunderbaren Lage auch noch ein hervorragendes, kreatives und nachhaltiges Kleidungsstück in Form eines T-Shirts zu promoten. Ein ehemaliger Kollege und begnadeter Grafikdesigner aus einer alten Wirkungsstätte rief mich die Tage an. Ich würde da doch so in T-Shirts machen, sogar in Bio. Er hätte da mal so eine Idee.

Thomas kenn ich noch aus Zeit, in der ich mich als Grafiker im Angestelltenverhältnis durchschlug. Wir haben zusammen gearbeitet und teilten uns ein Büro. Markenzeichen dieses kreativen Raumes war das permanent dudelnde Radio. Wir verdrückten beide eine Träne als damals DT64 seinen Sendebetrieb einstellen musste und dem Mainstream-Sender Sputnik weichen musste (Jetzt könnt ihr alle mal schön googeln in welchem Jahrhundert das war).

Nun muss man wissen, dass so wohl ich, als auch besagter Thomas liebend gerne die lauen Sommerabende auf Open-Air-Festivals verbringen und neben lauschigen oder auch härteren Klängen gerne das ein oder andere Kaltgetränk zu uns nehmen. Diesen Sommer sind wir dahingehend natürlich die Gekniffenen. Alle Konzerte, alle Festival sind ja erstmal abgesagt. „The Lost Summer“. Somit auch keine Gelegenheit sich am Merchendise-Stand durchzudrängeln und ein T-Shirt seiner Lieblingsband zu konsumieren und mit stolzer Brust und leichtem Bierbauch durch die Gegend zu tragen.

Thomas hat aus der Not eine Tugend gemacht. Denn so gesehen, sind wir Teil einer ganz besonderen Generation. Generation Zero, sozusagen. Und auch wenn man der Situation nicht viel abgewinnen kann, so hat man die Möglichkeit, seinen Kindern und Enkelkindern später mal zu erzählen, wie das damals so war. Denn wir waren mit dabei, auf der Welttour des „Epidemic-Festival 2020“

Ich finde eine sehr schöne, kreative Idee mit der Lebenslage klar zu kommen. T-Shirts gibt es über www.daug-design.de und wenn wir uns über die Tantiemen einig werden (Design ist ein knallhartes Geschäft) wahrscheinlich auch in Kürze bei uns im Shop unter www.myartworkshirt.de .

Zoomt mal ran: echt krasse Bands spielen da 😉

07.05.20 Heute ist Frankreich

Aus lauter Frust. Eigentlich hätte ich diese Woche den Wohnwagen aufbereitet, um nächste Woche unseren vierzehntägigen Jahresurlaub anzutreten. Nach Frankreich. Die Sterne standen Anfang des Jahres auch selten günstig, für diese überfällige Maßnahme. Die Kunden waren größtenteils informiert und die „Vertretung“ organisiert. Haus, Hof und Tiere hätte die Kinder übernommen und ich wäre mit meiner Frau endlich mal wieder in das Land des Baguettes gefahren, um in der Abendsonne vorm Wohnwagen alkoholisierte Traubenprodukte der Region in den Farben Weiß und Rot zu kosten. 

Soweit der Wunschtraum. Die allseits bekannten Faktoren der Reisebeschränkung und vor allem die aufgebrauchte Urlaubskasse machen unsere Pläne zu Nichte. Selbst ein Wochenende in Holzminden an der Weserschleife ist derzeit nicht drin. Zu wichtig ist es, im Büro zu bleiben und die Aufträge abzugrasen, die der Markt so bietet und zu klein das Budget, weil man ja nicht weiß was noch so kommt oder wie es überhaupt weiter geht. Der Grashalm, dass die aus März verschobenen Messeaufträge nun im September zum tragen kommen, ist im Coronawind umgeknickt. Auch für den Herbst sind alle Messen bereits abgesagt.

Wir können von Glück reden, dass dieser Bereich nur ein Viertel unseres Umsatzes ausmacht. Trotzdem sind 25% weniger Umsatz mit Ansage nicht grade spaßig. Wenn man dazu noch unterm Strich die letzten zwei Monate zum Stundenlohn von unter 6 Euro gearbeitet hat, ohne Rentenabsicherung, da alle „nicht systemrelevanten“ Ausgaben zusammengestrichen wurden, kein Grund zum Jubeln und kein Faktor, der Motivation bis in die Fingerspitzen erwarten lässt. 

Trotzdem natürlich zu viel, um unser vor vier Jahren begonnenes Projekt Glashütte in den Wind zu schreiben. Zu viel Herzblut, Schweiß und Tränen stecken im Gemäuer und die Tatsache, dass es vor Corona gut gelaufen ist, lässt mich nicht daran zweifeln, dass es der richtige Schritt war. Nur wird uns gerade mal wieder sehr viel Mut und Ausdauer abverlangt und ein Glaube an die Hoffnung, dass sich dieses auszahlt.

Noch eine kleine Anekdote von der N-Bank gefällig? Ich hoffe in die Gunst eines Kredites zu gelangen: Niedersachsen-Liquiditäts-Kredit. In der Sache keine schlechte Maßnahme. Soweit vorweg. Kann ja nicht alles immer schlecht reden. Bis auf die Tatsache, dass ich natürlich keinen Kredit aufnehmen wollte und mir ein Kredit in der veranschlagten Höhe für die Zukunft sämtliche Investitionen verbaut, da meine Liquidität zwar gepuscht wird, meine Kreditwürdigkeit aber an die Grenze gelangt. Aus Erfahrung weiß ich, dass das nicht gut ist, denn in meiner Branche ändert sich viel und man sollte immer etwas in der Hinterhand haben, um auf Marktsituationen und Neuerungen zu reagieren. Zu behaupten, dass ich mit dem derzeitigen Maschinenpark die nächsten fünf Jahr hinkomme, wäre töricht zu glauben. Aber was soll ich tun? Es wird jetzt in Zukunft ein deutlich schwierigeres Unterfangen.

Die Antragstellung stellte sich als nicht schnell und einfach heraus, wie von der Politik angepriesen, sondern als umfangreich – also so wie es bei jedem anderem Darlehen auch ist. Besonders schön war, dass ich mir am 22. April die Vertragsformulare nach einer Registrierung herunterladen konnte, um alle notwendigen Unterlagen zusammen zu sammeln. Das Ausfüllen der Formulare ist auch keine Sache, die man mal so nebenbei macht. Als ich am 24. April alles soweit fertig hatte, mein Steuerberater auch noch die notwendigen Bilanzen generiert hatte, wollte ich den umfangreichen Datenwust nun ordnungsgemäß auf den Server der N-Bank laden. Leider zu spät. Denn am 24. April hatte sich das Antragsformular geändert und alle Formulare aus der Vorzeit wurden nicht mehr anerkannt. Kein Wunder also, dass ich nicht auf einen Stundensatz eines Mindestlohn-Arbeiters komme, wenn man Sisyphusarbeit leisten muss.

Mein Ricard wird warm.
Gesund bleiben und Mama die Daumen drücken!

25.04.20 Vermummungsverbot

Als wir uns gegen den Transport von Castoren quer durch Deutschland gestellt haben, galt es noch es einzuhalten: Das Vermummungsverbot. Bedecken von Mund und Nase mit einem Tuch, Sturmhaube oder Maske stand unter Strafe und tut es eigentlich heute auch noch. Mit dem kleinen Unterschied, dass es ab Montag auch unter Strafe steht sich nicht zu vermummen, soll heißen, dass es nicht erlaubt ist, ohne eine Maske – Bedeckung von Mund und Nase – einkaufen zu gehen, ganz gleich ob im Supermarkt oder im sonstigen Einzelhandel. 

Gut zu Corona Zeiten ist sowieso alles anders und schwupp, gelten in Deutschland auch nicht mehr einheitliche Richtlinien oder Gesetzte. Selbst ich muss mit meinem Gewerbe aufpassen. Wir haben zwar nur sehr geringfügigen Kundenverkehr, aber rechtlich gesehen bin ich als Gewerbetreibender dafür haftbar, dass meine Kundschaft sich daran hält, eine Maske zu tragen, wenn sie in mein Betrieb kommt und etwas abholen oder kaufen oder bestellen möchte. Ich hingegen bin – zumindest in Niedersachsen – nicht verpflichtet ein Maske zu tragen. In Bayern wäre das anders, weil bayrische Corona Viren wahrscheinlich ganz anders strukturiert sind, als die trägen niedersächsischen… 

Aber auch ich muss mich umstellen, denn wenn ich am Montag in den Supermarkt gehe, um Wein und Kuchen für die Großmutter zu kaufen, muss ich eine Maske aufsetzen. Da es ja bekanntlich keine Masken zu kaufen gibt, darf ich aber auch ein Schal oder Tuch benutzen. Und ich werde mir auch keine medizinische Maske kaufen, da es wesentliche wichtigere Menschen gibt, die diese Schutzvorrichtungen brauchen als meine Wenigkeit. Also werde ich mit einem Lappen vor Mund und Nase durch die Gänge laufen und mich in Sicherheit vor dem Corona Virus wiegen. Mit einem gewöhnlichen Stück Stoff aus dem täglichen Hausgebrauch. 

Entschuldigt bitte, aber werden wir eigentlich alle für völlig bekloppt gehalten? 

Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen krank werden, weil sie diese blödsinnige Maske seit einer Woche unter dem Kinn tragen und schon mehrere Stunden durchgespeichelt haben und meinen, im Supermarkt diese schnell mal über die Nase zu ziehen, um gesund zu bleiben. Wie töricht ist die Menschheit, wie geistesabwesend ist unserer Politik. Das kann doch nicht der richtige Weg sein. Blinder Aktivismus. Wir müssen irgendetwas tun, damit keiner sagen kann wir haben nichts getan. 

Nun gut.Wenn ich in den nächsten 14 Tagen einkaufen gehen will, was ich auch muss, weil ich nicht gehamstert habe, werde ich nicht darum hin kommen mir ein Stoff-Fetzen vor das Gesicht zu packen. Weil ich zum einen sonst gar nicht in den Supermarkt komme oder den kleinen Einzelhändler in Verlegenheit bringe, dass er eine Strafe kassiert, weil er nicht darauf geachtet hat, dass seine Kunde maskiert ist. 

Es bleibt ein fader Beigeschmack, dass Menschen uns regieren, die uns Dinge für gut und wichtig verkaufen wollen, die einfach nur lachhaft sind. 

Bleibt gesund, mit Abstand und ordentlich Hände wachsen. Hat ja einige Wochen ohne Maske prima funktioniert. Sollte mich jemand beim einkaufen treffen, ich sehe dann so aus:

17.04.20 Bitterer Beigeschmack

Wir sind gesund! Das ist mal die gute Nachricht des heutigen Tages und dafür muss man auch mal Dankbarkeit zeigen. Das gesunde Denken einiger Mitmenschen im Bereich von Gewerbetreibenden scheint jedoch ein wenig in Mitleidenschaft geraten zu sein. Fairer Weise kann man aber dafür nicht den Corona-Virus verantwortlich machen. Ich würde das eher als eine Hauptsache-Ich-Überlebe- Erkrankung bezeichnen.

Wir hatten heute eine regionale Anfrage zur Fertigung von Fußbodenaufklebern. Wie ihr sicherlich alle schon mitbekommen habt, dürfen ab Montag ja wieder so einige Geschäfte öffnen. Es macht mir den Eindruck, dass bei einigen Ladeninhabern diese Nachricht sehr überraschend gekommen ist und man nicht darauf vorbereitet war, seinen Laden auch irgendwann mal wieder zu öffnen. Das macht mich etwas stutzig. Sollte man doch meinen, dass Geschäftsinhaber nur darauf gewartet haben, wieder die Ladentür zu öffnen. Allerdings waren die Leute vielleicht der Meinung, dass man eben mal drei Wochen seinen Laden zu macht und danach alles ist wie früher. Deswegen werden diese Geschäftsleute jetzt etwas panisch und reagieren seltsam, haben sie doch etwas blauäugig in die Zukunft geschaut.

Auf jeden Fall gab es eine Anfrage, mal eben ganz schnell zu Montag eine größere Anzahl von Aufklebern zu fertigen, die auf den Betonfußboden draußen auf den Bürgersteig geklebt werden können. Solche Aufkleber gibt es und ist auch kein Hexenwerk diese zu produzieren. Das Material hierfür hätte ich sogar problemlos organisieren können. Man muss schon von organisieren sprechen, weil aufgrund der erhöhten Nachfrage diese Folien bei einigen Großhändlern auch schon ausverkauft sind. Ähnlich wie Acrylglas (man sagt eigentlich aus Gewohnheit gerne Plexiglas dazu. Plexiglas ist aber eine eingetragene Marke, ähnlich wie wir zu Taschentüchern immer Tempo sagen.). Wenn ich heute mein Großhändler für Acrylglas anrufe und kurzfristig Material bestellen will, höre ich am anderen Ende des Hörers ein lautes, schallendes Lachen. Acrylglas ist ausverkauft. Lieferzeit zirka vier Wochen. Ist ja auch klar, denn jeder braucht an der Kasse einen Spuckschutz, der vorzugsweise auch noch durchsichtig ist.

Zurück zum Ursprung: Die angefragten Aufkleber für eine Organisation von regionalen Ladenbesitzern wurden nicht bei mir bestellt. Sie haben im Internet eine Quelle gefunden, die günstiger war, als mein Angebot für die gewünschte Anzahl an Aufklebern. Grundsätzlich kein Problem. Das ist die freie Marktwirtschaft. Der einzig bittere und sehr bedenklich Beigeschmack der bleibt ist der, dass diese Organisation von Ladenbesitzern ganz laut nach „Kauft regional, unterstütz unsere kleinen Einzelhändler“ schreit und jammert dass der Einzelhandel stirbt. Danke sage ich jetzt. Es tut mir wirklich leid. Aber ich werde bei Euch nicht mehr kaufen! Wenn ihr über Leichen geht und Euch immer nur die Rosinen raus pickt, damit es Euch gut geht ohne einmal nach links oder rechts zu schauen und den tollen Slogan #supportyourlocals nicht auch selber verinnerlich, kann ich Euch leider nicht mehr unterstützen und werde meine nächste Jeans, meine Uhr oder auch meine Schuhe im Internet kaufen. Nicht, weil mir das Spaß macht oder Geiz geil ist. Nein, weil ich keine Lust habe, Geschäftsinhaber zu unterstützen, die nur auf ihren Vorteil erpicht sind und die von Gemeinsam und Solidarität nicht einmal in der Schule etwas gehört haben.

Ein Hand wäscht die Andere. So läuft das bei mir und bislang bin ich damit sehr gut gefahren!

Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille und die ist überaus lobenswert hier zu erwähnen. Wir haben einen Kunden, der bei uns seine Arbeitskleidung bestellt, welche wir mit Drucken versehen. Das machen wir für diesen Kunden eigentlich immer zum Ende des Jahres. Er hat diesen Auftrag einfach vorgezogen, um uns jetzt zu unterstützen. Er braucht die Klamotten ja eh. Super Einstellung und sehr hilfreich, zudem der Zahlungseingang innerhalb 24 Stunden nach Lieferung erfolgte. Großes Dankeschön.

Noch so ein Ding, was mir fast Pippi in die Augen treibt: Ein Großkunde der uns als Lieferant nicht verlieren möchte, hat uns angeboten Vorabzahlungen zu leisten, für Dinge, die wir im zweiten Halbjahr leisten werden. Ist das nicht der Hammer?

Dazu kommen natürlich auch unsere Lieferanten. Den geht es ja auch nicht unbedingt rosig. Trotzdem halten sie zu uns, auch wenn wir das Zahlungsziel von 30 auf 60 Tage erhöht haben, um unsere Liquiditätsprobleme auf deren Rücken auszutragen. Sie sind weiterhin immer zuverlässig. Da zeichnet es sich aus, dass man nicht immer bei billig24punktde bestellt, sondern seit 20 Jahren seine Lieferanten ebenso pflegt wie seine Kunden.

Positives Fazit: Wir können alle durch diese Krise gewinnen, wenn wir es gemeinsam meistern.

Bittere Erkenntnis: Egal wie groß die Not, es wird immer Menschen geben, die nur an ihren eigenen Vorteil denken.

08.04.20 Wilde Sau

Ich habe Euch in dem Blogeintrag mit der Soforthilfe von vor einigen Tagen noch versprochen, dass ich Euch Optionen aufzeige, die es möglich machen an die Corona-Sofort-Hilfe zu gelangen. Im Vorfeld möchte ich aber schon erwähnen, dass ich keines dieser Beispiele für mich berücksichtigt habe. Sie bewegen sich aber durchaus im legalen Rahmen – Rechtssicherheit hiermit allerdings ausdrücklich ausgeschlossen.

Variante 1: Gut Ding will Weile haben.

Ich erhalte die Soforthilfe wenn ich keine Einnahmen darstellen kann. Kein Problem also, wenn der Laden geschlossen ist. Nach Möglichkeit mindestens die Monate April, Mai, Juni. Mit null Einkünften erhalte ich volle 9.000 Euro (ausgehend von einem Kleinstunternehmen bis 5 Mitarbeiter und betrieblichen Kosten von mind. 3.000 Euro im Monat). Als Ladenbesitzer ist diese Variante nicht leicht umzusetzen, weil es wirklich der Notwendigkeit bedarf, keinerlei Einkünfte zu haben. Sollte man seien Laden im Mai wieder öffnen dürfen, hat man, wie schon am Beispiel der vorangegangenen Einträge, leider verloren. Bei einem Betrieb der keinen direkten Kundenverkehr hat, ist es aber durchaus einfacher zu gestalten. 

Es heisst ganz klar, dass ich in den Monaten April, Mai und Juni keine Einkünfte haben darf. Es heisst aber nicht, dass ich nicht arbeiten darf. Soll heißen: Ich kann jeden Auftrag, den meine Firma erreicht ordnungsgemäß abarbeiten, nur darf ich die Rechnung nicht in den Monaten April, Mai, Juni stellen. Wenn ich also genügend Kapital in der Hinterhand habe, dann arbeite ich drei Monate durch und schreibe alle Rechnungen erst im Juli. Somit habe ich null Umsatz in den drei im Antrag relevanten Monaten erwirtschaftet und komme in den Genuss von 9.000 Euro von Vater Staat. Geschenkt und sogar legal, wenn ich nachweisen kann, dass ich Liquiditätsprobleme hatte, was bei drei Monaten ohne Rechnungsausgang gar nicht so schwierig ist. 

Dass man im Juli dann mal eben eine Rechnung mit einem fünf- oder sechsstelligen Betrag für die Leistungen der letzten drei Monate schreibt und auch bezahlt bekommt, spielt antragstechnisch keine Rolle. Bei Firmen, die keinen Wareneinsatz haben, sondern nur ihr geistiges Gut verkaufen, eine sehr interessante Variante.

Variante 2: Wilde Sau.

Ihr habt sowieso kein Bock mehr auf die nichts einbringende Ich-AG? Habt die Schnauze voll täglich unter Mindestlohn zu arbeiten, weil der Arbeitstag eines Selbständigen halt nicht nur acht, sondern 12 oder mehr Stunden abverlangt? Dann schlage ich folgende Methode vor, die selbst mein Steuerberater als lustig und überlegenswert bewertete.

Schaffe dir ein Liquiditätsproblem, indem du zum nächsten Getränkemarkt fährst und dein Firmen-Transporter bis unter das Dach voll mit alkoholhaltigen Getränken lädst und sie schön auf Firmenkosten bezahlst – für das anstehende Betriebsjubiläum. Und komm mir jetzt nicht damit, dass Du kein Betriebsjubiläum hast, weil deine Firma erst 3,805137 Jahre am Start ist. Mensch, sei mal kreativ! 3,805137 Jahre bedeuten 33.333 Stunden. Rechne das mal hoch und berücksichtige auch Minuten oder gar Sekunden, dann wird es dir leicht fallen an jedem X-beliebigen Tag ein echtes steuerrelevantes Betriebsjubiläum auszurufen! 

Danach fährst Du zu deinem Porsche-Händler deines Vertrauens. Bitte aber erst den Transporter mit den Getränken entladen und nicht naschen! Bei aller Krisenstimmung: Drink an Drive ist ein absolutes NoGo! Alternativ ist auch der Audi-Händler eine Alternative. Mit dem klimaegalen SUV Q8 RS mit schlanken 600 PS hilfst Du der Luftverschmutzung sich wieder an die Zeit mit Flugverkehr zu gewöhnen. 

Dort least Du Dir ein schönes Auto für schlanke 3.000 EUR Leasingrate in Monat. Merke: Leasingraten werden im Soforthilfe-Antrag berücksichtigt! Wenn Du diese Kosten angibst, deine Arbeit ruhen lässt, weil es einfach geiler ist auf den leeren Autobahnen zu cruisen als im Büro zu sitzen, hast Du null Einkommen und auch als Kleinstunternehmer mit eigentlich nur sehr geringen laufenden Kosten das Recht auf volle 9.000 Euro. Das deckt locker die Spritkosten bei den derzeitigen Preisen. 

Nach drei Monaten bist Du natürlich am Arsch. Aber bis dahin hattest Du jede Menge Spaß und mit dem ganzen Alkohol auch jeden Abend null schlechtes Gewissen, weil du es einfach weggetrunken hast. Nach drei Monaten kannst Du dann immer noch Grundsicherung beantragen und die angemeldete Insolvenz ist nicht einmal verschleppt. 

Wenn ich Euch jetzt noch schreibe, dass meine Partnerin noch steuerfreies Gehalt aus der Firma ziehen kann, weil sie mich aufgrund der Leberzirrhose pflegen muss… dann wird meine Frau und Lektorin diesen Beitrag leider nicht einstellen.